Die Psychologie des Heldentums: Die Muster des Mutes

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Die Psychologie des Heldentums: Die Muster des Mutes

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 05. Juli 2022

Heldentaten geben uns Kraft und Hoffnung. Sie erinnern uns daran, dass wir über unsere Individualität hinausgehen und Großes erreichen können. Doch nüchtern betrachtet ist die Definition des zeitgenössischen Heldentums gar nicht so einfach.

In der Mythologie der meisten Gesellschaften ist der Held eine besondere Figur, die einen in der jeweiligen Kultur geschätzten Wert verkörpert. Es handelt sich um ein idealisiertes Modell eines Menschen, der einer Gemeinschaft als Vorbild dient. Wir kennen das Heldentum aus der Literatur und aus dem Film, doch es gibt auch Alltagshelden, die uns außergewöhnliche Fähigkeiten und Leistungen vorführen.

Helden zeichnen sich durch ihren Mut aus, mit dem sie sich Gefahren und Herausforderungen stellen, um andere zu retten und gute Taten zu vollbringen.

Nur in widrigen Umständen sind die großen Lektionen des Heldentums zu finden.”

Seneca

Die Definition des Heldentums

Arthur Ashe, ein Profisportler, definierte Heldentum folgendermaßen: “Wahres Heldentum ist bemerkenswert nüchtern, sehr undramatisch. Es ist nicht der Drang, alle anderen um jeden Preis auszustechen, sondern der Drang, anderen um jeden Preis zu dienen.

Das Heroic Imagination Project (HIP) ist eine gemeinnützige Organisation, die das Heldentum der Menschen im Alltag fördern will. Für HIP bedeutet Heldentum nicht nur ein extrem großzügiges Verhalten, sondern auch einen sehr hohen moralischen Wert.

Die Psychologie des Heldentums

Psychologie Studien über die heldenhaften Eigenschaften

Philip Zimbardo, einer der bekanntesten Sozialpsychologen, sieht in der ständigen Sorge um Menschen in Not das Hauptmerkmal des Helden. Er ist davon überzeugt, dass die Hauptmotivation dieser außergewöhnlichen Menschen in ihren moralischen Prinzipien liegt, und zwar so sehr, dass es ihnen nichts ausmacht, ihr eigenes Leben zu riskieren, um anderen zu helfen.

Scott T. Allison und George R. Goethals, Psychologieprofessoren an der Universität von Richmond, haben mehrere Studien durchgeführt und herausgefunden, dass Helden im Allgemeinen als moralische und kompetente Menschen wahrgenommen werden.

Sie konnten auch feststellen, dass die heldenhaften Eigenschaften dieser Wahrnehmung zufolge Intelligenz, Stärke, Ausdauer, Selbstlosigkeit, Charisma, Vertrauenswürdigkeit und Inspiration sind. Die meisten glauben, dass diese Merkmale den Helden oder die Heldin im Wesentlichen ausmachen.

Eine im Journal of Personality and Social Psychology veröffentlichte Studie nennt zwölf Eigenschaften, die Helden kennzeichnen, unter anderem Mut, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit, moralische Integrität, Stärke, Uneigennützigkeit und Selbstaufopferung.

Vom Prototyp zum Konzept

Die Psychologen Elaine L. Kinsella, Timothy D. Ritchie und Eric R. Igou haben mehrere Artikel und ein Buch zu diesem Thema verfasst. Sie stellten fest, dass es keine Definition für den Begriff Held oder Heldentum gibt. Die Psychologen beschreiben jedoch einen Prototyp mit spezifischen Eigenschaften: Tapferkeit, Integrität, Ehrlichkeit, Beschützerfigur, Altruismus, Aufopferung, Entschlossenheit, Retter, Inspiration und von Nutzen sein.

Für den humanistischen Psychologen Frank H. Farley ist klar, dass es mehrere Arten von Helden gibt. In diesem Sinne betrachtet er das heldenhafte Opfer als Hauptvariable, um die Kategorie zu bestimmen, zu der jeder Held gehört.

Es gibt Helden mit großem “H” oder mit kleinem “h”:

  • Erstere sind in der Lage, in risikoreichen Situationen klug zu verhandeln.
  • Die Helden mit kleinem “h” hingegen praktizieren das Heldentum als eine Lebensphilosophie, mit der sie das Leben anderer bereichern. Sie kümmern sich um die Details und sind sich bewusst, dass sie mit einer kleinen Geste dafür sorgen können, dass es anderen besser geht.
Psychologie des Heldentums: Mann hilft Frau

Die Faktoren des Heldentums

Farley weist darauf hin, dass es zwei grundlegende Faktoren gibt, die jeden Akt des Heldentums begleiten: zum einen die Bereitschaft, Risiken einzugehen, und zum anderen die großzügige Handlung selbst. Die Helden stellen ihre Ressourcen in den Dienst anderer, auch wenn dies manchmal gegen ihre “egoistischen” Interessen verstößt.

Bei den meisten höheren Tierarten gibt es die Veranlagung, den Familienmitgliedern zu helfen. Es handelt sich um die elterliche Selektion, die das Überleben der Gruppe bezweckt. Auch viele Menschen zeigen sich solidarisch mit ihren Mitmenschen, in der Erwartung, dass diese sich in Zukunft revanchieren. Dies wird als “reziproker Altruismus” bezeichnet.

Schließlich gibt es noch eine Kategorie, die als “situativ” bezeichnet wird und bei der es die Umstände des Augenblicks sind, die ein sofortiges Eingreifen erfordern. Man könnte sagen, dass es eine reflexartige Reaktion auf eine Situation ist, die dem Heldentum sehr ähnlich ist.

In diesem Fall gibt es keine familiäre Bindung und die Reaktion des Helden gehorcht Aspekten, die mit seiner Persönlichkeit, seiner Kultur und der Situation zu tun haben. Wenn sie gefragt werden, warum sie sich in Gefahr begeben, um anderen zu helfen, neigen sie dazu, die Bedeutung ihres Handelns herunterzuspielen. Diese Helden verstehen ihr Handeln als natürlich und entsprechen damit der kantischen Ethik: “Handle nur nach derjenigen Maxime, von der du wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde!

Abschließend lässt sich sagen, dass das Heldentum denjenigen gehört, die den Wert und die Würde allen Lebens anerkennen. Helden sind da, wenn andere Hilfe nötig haben. Jede heldenhafte Tat ist ein Beweis für den Mut, sich für das Wohl anderer und das Leben im Allgemeinen einzusetzen.

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  • Kinsella, E. L., Ritchie, T. D., & Igou, E. R. (2015). Zeroing in on heroes: a prototype analysis of hero features. Journal of personality and social psychology108(1), 114.
  • Pedrosa, J. M. (2003). La lógica de lo heroico: mito, épica, cuento, cine, deporte…(modelos narratológicos y teorías de la cultura). Los mitos, los héroes, 37-63.