Die Neurobiologie der Sucht

13. November 2019
Suchtkranke schwanken zwischen Impulsivität und Zwanghaftigkeit. Diese beiden Phasen können auch nebeneinander existieren, sie treten jedoch normalerweise in dieser Reihenfolge auf. Lies hier weiter, um mehr über dieses Thema zu erfahren!

Die Sucht existiert in vielen verschiedenen Facetten des menschlichen Lebens. Am verbreitetsten und bekanntesten ist die Drogenabhängigkeit, die als zwanghaftes Verhalten definiert werden kann, das Betroffene antreibt, sich Drogen zu beschaffen und zu konsumieren. Diese Sucht geht einher mit dem Verlust der Kontrolle, sobald es darum geht, den Konsum einzuschränken. So entwickelt sich ein negativer emotionaler Zustand immer dann, wenn keine Drogen konsumiert werden. Die meisten Menschen wissen, wie eine Drogenabhängigkeit aussieht. Aber was weißt du, was man unter Neurobiologie der Sucht versteht?

Verschiedene Experten definieren die Sucht als einen Zyklus mit drei Stadien: Rausch und Intoxikation, Abstinenz und negative Emotionen sowie Sorgen und gespannte Erwartung (Angst). Das letzte Stadium verschlechtert sich mit der Zeit und verursacht neuroplastische Veränderungen im Belohnungszentrum des Gehirns, im Stresszentrum und den Exekutivfunktionen.

Die Impulsivität „beinhaltet die Bereitschaft, als Reaktion auf interne und externe Reize sofortige und ungeplante Maßnahmen zu ergreifen, ohne Rücksicht auf die negativen Folgen für sich selbst oder andere Personen“. Zwanghaftes Verhalten hingegen besteht aus sich wiederholenden Handlungen, die durch das Gefühl gekennzeichnet sind, dass man sie ausführen muss, während man sich bewusst ist, dass diese Handlungen nicht im Einklang mit dem eigenen Gesamtziel stehen.

Menschen, die an der Sucht leiden und zum Beispiel Drogen konsumieren, gehen von Impulsivität zu Zwanghaftigkeit über. Diese beiden Phasen können nebeneinander existieren, aber sie finden normalerweise in genau dieser Reihenfolge statt. Ebenso wirkt das Gehirn in jedem dieser beiden Stadien auf spezifische Weise.

Die Neurobiologie der Sucht während der Intoxikation

Der Belohnungsmechanismus

Suchtmittel aktivieren die Belohnungszentren des Gehirns. Ein Schwerpunkt in der Neurobiologie und bei der Erforschung der belohnenden Wirkungen von Drogen liegt auf den Ursprüngen und Bereichen des mesokortikalen Signalwegs. Diese spielen eine Schlüsselrolle für die belohnenden Eigenschaften fast aller Drogen.

Es scheint, dass eine Vergiftung mit Drogen oder Alkohol Dopamin- und Peptidopioide im ventralen Striatum freisetzt. Die rasche und ausgeprägte Freisetzung von Dopamin hat auch viel damit zu tun, wie sich Menschen fühlen, wenn sie Drogen nehmen.

Die Anreize

In einigen Studien mit Primaten stellten die Forscher fest, dass Dopaminzellen im Gehirn zunächst als Reaktion auf eine neue Belohnung abzielen. Nach wiederholtem Kontakt mit der Belohnung hörten die Neuronen jedoch auf, Botenstoffe auszusenden, sobald die vorhergesagte Auszeichnung eintraf.

Stattdessen gaben sie den Stoff frei, wenn sie Stimuli ausgesetzt waren, welche die Belohnung vorhersagten. Es scheint also, dass Dopamin eine enge Beziehung dazu hat, wie das Gehirn Belohnungen sucht.

Die Neurobiologie der Sucht in der Antizipationsphase

Wissenschaftler glauben, dass dieses Stadium der Schlüssel zum Rückfall für Menschen mit Sucht ist. Die Sucht ist immerhin eine chronische Rückfallerkrankung. Beim Menschen beinhaltet der Wunsch nach der Droge die Aktivierung des präfrontalen Kortex, einschließlich:

Die Abhängigkeit von Kokain oder Nikotin hängt auch mit der Funktion der Hirnrinde zusammen. Dieser Bereich des Gehirns scheint eine interozeptive Funktion zu haben, welche die autonomen und viszeralen Informationen mit Emotionen und Motivation verbindet. Tatsächlich zeigen Studien, dass die Reaktivität der Hirnrinde ein Biomarker ist, der Rückfälle vorhersagen kann.

Schließlich glauben Wissenschaftler, dass in dieser Phase zwei entgegengesetzte Systeme im Spiel sind: das Startsystem (auch Go-System genannt) und das Stoppsystem.

„Stop and Go“-Systeme

Das Go-System kann Heißhunger und „Schmacht“ durch die Basalganglien verursachen. Ein schnelleres Diskontieren und Verlangen nach Kokain bei kokainabhängigen Menschen hängt beispielsweise mit einer besseren Konnektivität des Netzwerks zusammen, welches eine Verbindung zwischen medialem präfrontalen Kortex und dem anterioren cingulären Kortex im ventralen Striatum sowie dem Netzwerk, welches den Inselkortex mit dem dorsalen Striatum verbindet, herstellt.

Das Stopp-System könnte die Bewertung des Anreizwerts sowie die Optionen und Unterdrückungen der emotionalen Reaktion auf negative emotionale Signale steuern. In diesem System würde ein Stopp-System das Go-System und das System des Verlangens nach Drogen hemmen.

Zusammenfassend gibt es drei Primärkreise in der Neurobiologie der Sucht. Sie entsprechen den Protagonisten: den Basalganglien, der Amygdala und der präfrontalen Kortikalis.