Drogenkonsum und psychische Krankheiten – Was verbindet sie?

· 14. Oktober 2018

Drogenkonsum führt jedes Jahr zu vielen Todesfällen. Kürzlich haben die Vereinten Nationen einen globalen Bericht zu diesem Thema veröffentlicht. Dieser bestätigt, dass die Zahl der drogenbedingten Todesfälle pro Jahr weiterhin im sechsstelligen Bereich liegt.

Die angenehmen Effekte des Drogenkonsums sind auf eine Stimulierung der Belohnungszentren im Gehirn des Menschen zurückzuführen und können zur Abhängigkeit des Konsumenten führen. Längerer Konsum kann zur Rückbildung der Neuronen im Gehirn führen als auch Motivation, Emotionen und Kognition beeinflussen. Es kann zudem zu einem generellen Kontrollverlust kommen. Unter Umständen können diese Folgeerscheinungen auch psychische Krankheiten umfassen.

Drogen und ihre Beziehung zu Dopamin

Dopamin ist ein Neurotransmitter des zentralen Nervensystems. Dopamin wird umgangssprachlich auch als Glückshormon bezeichnet, da es zu Wohlbefinden und Glücksgefühlen beiträgt. Sehr vereinfacht ausgedrückt heißt das, wenn wir etwas mögen, wird in unserem Gehirn Dopamin ausgeschüttet und als Konsequenz fühlen wir uns wohl. Wir versuchen also immer wieder, diese Dopaminausschüttung hervorzurufen, da sie uns glücklich macht.

Essen und Sex sind zwei der Tätigkeiten, die Dopamin freisetzen. Drogen sind eine weitere Möglichkeit, eine verstärkte Ausschüttung von Dopamin zu bewirken, und zwar in ganz bestimmten Bereichen des Gehirns, wie dem Nucleus accumbens. Dieser Kern ist Teil des Belohnungszentrums des Gehirns und spielt eine Rolle bei der Entstehung von Süchten.

Was ist Dopamin? - Chemische Struktur von Dopamin

Wie beeinflussen Drogen das Gehirn?

Neuronen sind die Zellen des Nervensystems, die Erregung weiterleiten. Über Synapsen, Schnittstellen zwischen Nervenzellen und anderen Zellen, werden Signale im zellulären Netzwerk verbreitet. Diese Übertragung findet durch die Freisetzung von Neurotransmittern, die eine chemische Kommunikation ermöglichen, statt. Sie werden in den sogenannten synaptischen Spalt, eine schmale Lücke zwischen den Zellen, ausgeschüttet, durchqueren ihn und gelangen so ans andere „Ufer“ – die Empfängerzelle.

Für den Menschen bedeutet das, wenn er Suchtmittel konsumiert, dass diese den Dopaminspiegel im synaptischen Spalt erhöhen können. Drogen können beispielsweise die Ausschüttung von Dopamin verstärken oder den Abbau/die Wiederaufnahme des Dopamins aus dem synaptischen Spalt blockieren – in beiden Fällen steigt der Dopaminspiegel im synaptischen Spalt, was angenehme Gefühle oder sogar Euphorie erzeugt.

Im Wesentlichen haben Drogen die gleiche Wirkung wie jeder natürliche Verstärker, wie zum Beispiel ein anregendes Gespräch mit einem engen Freund. Das Problem ist, dass die Intensität des Effekts beim Drogenkonsum generell viel höher ist. Das führt dazu, dass sich ein natürlich erreichtes Hochgefühl im Vergleich zum Hochgefühl, das durch Drogenkonsum getriggert wurde, fade anfühlt. Deswegen ist der Drogenkonsum so attraktiv für den Konsumenten.

Es gibt mittlerweile Hypothesen, von denen einige allerdings nicht wissenschaftlich fundiert sind, nach denen durch einen generell geringen Dopaminspiegel unsere Fähigkeit zu Vergnügen und Wohlbefinden negativ beeinflusst würde. Laut den entsprechenden Studien könne genau dieser Mangel uns für den Drogenkonsum anfällig machen. Wenn also eine Person nicht genügend Dopamin freisetzt, könnte dies zum Substanzmissbrauch prädisponieren. Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass dies bis dato nur eine Theorie ist, die noch nicht belegt wurde.

Drogenkonsum und psychische Krankheiten

Wie wir am Anfang des Artikels erwähnt haben, kann der Drogenkonsum eine Talfahrt für den Konsumenten bedeuten und zu vorübergehenden oder dauerhaften psychischen Problemen führen.

Das DSM-V erkennt Intoxikationen, Substanzmissbrauch und Entzugserscheinungen als Störungen an. Es gibt jedoch noch andere Arten von psychischen Störungen, die durch Drogen hervorgerufen werden können. Einige treten häufiger auf als andere, wieder andere nur unter bestimmten Bedingungen auf. Die charakteristischsten Probleme sind psychische Störungen wie bipolare Störung, Depressionen und Angstzustände. Sie alle können sich nicht nur im Moment der Intoxikation, also während der unmittelbaren Wirkung der Substanz, sondern auch während des Entzugs manifestieren. Manchmal können Drogen sogar Verhalten hervorrufen, das der Schizophrenie nicht unähnlich ist.

Psychische Störungen sind durch eine Veränderung der kognitiven Funktionen des Gehirns gekennzeichnet und können zu einem Verlust der intellektuellen Kapazität führen. Solche Anomalien der kognitiven Funktionen können in verschiedene Kategorien fallen.

Ein Mädchen scheint einen Nervenzusammenbruch zu haben.

Wahrnehmungsstörungen

  • Halluzinationen: Objekte sehen, die nicht existieren (Raumschiffe, etc.)
  • Wahnvorstellungen: ein Objekt existiert, aber es erscheint deformiert (zum Beispiel wird eine reale Person als Teufel gesehen)
  • Paranoia: auch bekannt als Ekbom-Syndrom. Drogenkonsumenten leiden zuweilen unter der Vorstellung, Insekten bedeckten ihren Körper. Die daraus resultierende Angst kann zu drastischen Konsequenzen führen, wie zum Beispiel zum Versuch, die Insekten mit allen notwendigen Mitteln (mit Messer, Schere usw.) zu entfernen.

Geistige Anomalien

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie das Denken durch Drogenkonsum verändert wird:

  • Verlust der Aufmerksamkeit und assoziativen Kapazität: Eine Person mit diesem Symptom ist unfähig, die Reize zu sortieren, die sie empfängt. Wenn wir mit jemandem sprechen, nehmen wir verschiedene Reize auf: Stimmen, vorbeifahrende Autos, die Werbung im Hintergrund, etc. Gesunde Menschen filtern diese Reize, Betroffene aber können dies nicht und bringen diese in das Gespräch ein.
  • Ideen im Delirium: Betroffene stellen sich Dinge vor, die nicht real sind. Diese Ideen können aber durchaus in der Realität verankert sein. So könnte ein Erlebnis im wirklichen Leben zum Auslöser werden. Zum Beispiel mag die Person überzeugt sein, dass ihr Partner sie betrügt. Der Gedanke, dass ihr Partner sie vermeintlich mit einem realen, engen Freund betrügt, lässt den Betroffenen nicht los. Allerdings entspricht er nicht den Tatsachen.

Drogen verursachen Nebeneffekte, die manchmal verheerend sind. Sie schädigen nicht nur den Körper, sondern können auch ernsthafte psychische Probleme verursachen. Die Behandlung muss entsprechend der spezifischen Pathologie individuell ansetzen. Die Behandlung sollte systemisch sein, das heißt auch die sozialen Umstände, die Umwelt und die Psychobiologie des Betroffenen berücksichtigen.