Die Logotherapie nach Viktor Frankl: 3 Grundprinzipien

· 17. Juli 2018

Die Logotherapie nach Viktor Frankl wird auch als die „Dritte Wiener Schule der Psychotherapie“ bezeichnet. Die erste Schule, die Psychologie unterrichtete, gründete Sigmund Freud. Die zweite wurde von Alfred Adler begründet und die dritte schließlich rief Frankl ins Leben. Frankls Ideen werden wir in diesem Artikel vorstellen.

Freud sagte, der Mensch sei auf Vergnügen ausgerichtet.  Adler hingegen nahm an, dass der Mensch auf Macht aus sei. Frankl begriff den Menschen als ein Wesen, das sein Tun auf Sinn fokussierte.

Expertinnen der Psychologie stimmen darin überein, dass das Studium der Psychoanalyse auch das Leben Sigmund Freuds, dem Begründer der Psychoanalyse, berücksichtigen muss. Wenn wir uns also mit dem Studium der Logotherapie beschäftigen, sollten wir auch Frankls Leben im Hinterkopf behalten. Die Entstehung der dritten psychotherapeutischen Schule ist kaum zu verstehen, ohne die Lebensgeschichte ihres Gründers zu kennen.

„Ich habe den Sinn meines Lebens gefunden, indem ich anderen geholfen habe, den Sinn in ihrem zu finden.“

Viktor Frankl

Viktor Frankl

Viktor Emil Frankl wurde am 26. März 1905 in Wien geboren. Er überlebte vier Konzentrationslager, darunter das von Auschwitz. Schon früh zeigte er Interesse am Studium der Medizin und den Naturwissenschaften. Er fand seine Berufung also schon in jungen Jahren und seine Suche nach dem Sinn des Lebens begann lange vor dem Holocaust. aber erst seine Zeit in den Konzentrationslagern zeigte ihm, dass Menschen die Fähigkeit haben, trotz aller absurder und schmerzhafter Umstände einen Sinn in ihrem Leben zu finden. Später dann arbeitete er an seinem bekanntesten Buch: … trotzdem Ja zum Leben sagen: Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager.

Foto von Viktor Frankl

Schon im Alter von 19 Jahren hatte er seine zwei grundlegenden Ideen entwickelt.

  • Erstens: Wir müssen eine Antwort auf die Frage finden, was der Sinn unseres Lebens ist, da wir für unsere Existenz verantwortlich sind.
  • Zweitens: Die letztendliche Bedeutung unseres Lebens liegt außerhalb unseres Verständnisses und es ist uns unmöglich, diese zu erkennen. Stattdessen müssen wir an diesen Sinn glauben, den wir ihm geben, wenn wir unsere Ziele verfolgen.

In seinem Buch … trotzdem Ja zum Leben sagen  schrieb Frankl über seine Erfahrungen in den Konzentrationslagern Türkheim, Kaufering, Theresienstadt und Auschwitz. Er beschreibt den Missbrauch, dem die Gefangenen ausgesetzt waren, aber er zeigt auch die Schönheit der menschlichen Seele. Kurz gesagt, es geht in dem Buch darum, dass der Mensch in der Lage ist, den Horror der Gefangenschaft zu überwinden und selbst unter den schlimmsten Umständen einen Sinn in seinem Leben zu finden.

„Der Mensch kann seine geistige Freiheit, seine geistige Unabhängigkeit bewahren, selbst in schrecklichen psychischen und physischen Situationen.“

Victor Frankl

Frankl war zeitlebens der Überzeugung, dass unser Geist uns einzigartig mache. Viele Philosophen und Psychiater der damaligen Zeit reduzierten das Leben und die menschliche Natur allerdings auf ein Nichts, was nach Frankl nicht die beste Ausgansgslage, um das Leben zu verstehen. Er war generell sehr kritisch gegenüber reduktionistischen Positionen eingestellt.

Viktor Frankl starb am 2. September 1997 im Alter von 92 Jahren und hinterließ ein großes Erbe. Durch sein Leben und seine Arbeit erinnert er uns daran, dass wir alle einen Sinn in unserem Leben erschaffen können, der uns in schwierigen Momenten helfen wird und uns nie wieder verlässt, egal was wir tun oder wie unsicher unser Leben ist. 

„Die letzte der menschlichen Freiheiten besteht in der Wahl seiner Einstellung zum Geschehen.“

Victor Frankl

Die Logotherapie

Wie bereits erwähnt, ist die Logotherapie als „Dritte Wiener Schule der Psychotherapie“ bekannt. Ihr Debüt gab sie in den 1940er Jahren. Im Terminus Logotherapie bezieht sich „Logos“ auf die Vernunft oder den Sinn, den die Menschen in ihrem Tun suchen. Logotherapie bedeutet daher Therapie durch Sinnsuche.

Die Logotherapie ist eine Methode, um menschliche Konflikte zu überwinden, die Leiden verursachen. Sie hilft uns, auch in schwierigen und schmerzhaften Situationen einen Sinn zu erkennen. Wir lernen dank ihr, diese Situationen als Gelegenheiten für Wachstum zu interpretieren. Diese Methode ermöglicht es uns, in allen Lebensereignissen Bedeutung zu finden und ein erfülltes Leben zu leben. 

Ein Mann hält ein Licht in der Dunkelheit.

Die drei grundlegenden Prinzipien bzw. Säulen der Logotherapie sind:

  • Willensfreiheit
  • Wille zum Sinn
  • Sinn des Lebens

Die Willensfreiheit

Die Willensfreiheit entfaltet sich durch eine spezifisch menschliche Fähigkeit, die als „Selbstdistanzierung“ bekannt ist. Es ist die Möglichkeit, sich selbst zu sehen, zu akzeptieren und zu regulieren. Nach Frankl werde unsere Freiheit durch drei Quellen gespeist:

  • Instinkte
  • Erbe
  • Umwelt

Der Mensch besitzt alle drei dieser Dinge, doch sie bestimmen uns nicht. Unser Leben ist weder vorbestimmt noch können wir uns nicht weiterentwickeln. Wir können frei von diesen drei Aspekten handeln. Wenn Menschen sich von etwas befreien, geschieht das aus einem Grund. Dies ist das sogenannte Konzept der Verantwortung. Der Mensch ist frei, verantwortlich zu sein, und ist verantwortlich, weil er frei ist.

Aus der Sicht dieser existentiellen Analyse sei der Mensch für die Verwirklichung des Sinns seines Lebens und dessen Wertes selbst verantwortlich. Der Mensch sei dazu berufen, den Sinn seines Lebens und die Werte, die ihm Sinn verleihen, zu erkennen. Er ist zudem der einzige, der das kann.

Ein Mann sitzt am Meer und hat seinen Kopf auf seine Knie gelegt.

Der Wille zum Sinn

Der Wille zum Sinn und die Selbsttranszendenz, die den Menschen kennzeichnen, sind eng miteinander verwandt. Nach Frankl überschreite der Mensch Grenzen, hin zu einem Sinn, den er erst entdecken und dessen Fülle er erreichen muss. Der Wille zur Lust (Freud) und der Wille zur Macht (Adler) hingegen führten den Menschen zur Immanenz. Diese Konzepte stehen der Selbsttranszendenz entgegen und vereiteln unsere Existenz.

Aus der Perspektive der Logotherapie seien Lust und Macht Folgen eines Abschlusses, aber nicht das eigentliche Ende. Menschen, die nur Vergnügen oder Macht verfolgen, erfahren ausschließlich Frustration. Sie fühlen sich in ein großes existentielles Vakuum hineingezogen. Der Wille zum Sinn dagegen sucht weder nach Macht noch nach Vergnügen. Er sucht nicht einmal nach Glück. Sein Fokus ist das Finden eines Sinns – eines Grundes, um glücklich zu sein.

Der Sinn des Lebens

Die zwei Prinzipien, die wir bereits erwähnten, beschreiben die Bereitschaft einer Person, Verantwortung gegenüber den Umständen des Lebens zu zeigen. Diese Verantwortung wird aus freien Stücken angenommen, basierend auf dem Sinn des Lebens. Dies ist das Profil eines Menschens auf der Suche nach Sinn.

Das Leben hat einen Sinn. Dieser Sinn ist einzigartig für jeden von uns. Daher ist es unsere Pflicht als bewusste und verantwortliche Menschen, unsere eigene Version dieses Sinns zu entdecken.

„Der Tod verursacht Furcht nur in denen, die nicht wissen, wie sie die Zeit, die ihnen das Leben gibt, füllen können.“

Viktor Frankl

Durch drei grundsätzliche Kanäle, die sich auf die oben genannten Kategorien beziehen, können wir dies erreichen.

  • Manchmal führt uns unsere Suche zur Verwirklichung unserer Kreativität
  • Ein anderes Mal wird sie unsere Erfahrung beeinflussen. Zum Beispiel, wenn wir einen Sonnenuntergang erleben oder jemand unsere Hand hält.
  • In anderen Momenten werden wir mit den Grenzen des Lebens selbst konfrontiert werden, mit Leiden oder Tod.

In jedem Fall wird das Leben seinen versteckten Sinn bis zu seinem Ende beibehalten. Der Ruf, diesen Sinn zu entdecken und zu verwirklichen, ist unwiderstehlich und unaufhörlich. Das sind die drei Grundprinzipien von Frankls Logotherapie.

Wie wir gesehen haben, pflegte Frankl eine humanistisch-existenzielle Sicht auf den Menschen. Das kann zunächst schwer zu verstehen sein, vor allen Dingen wenn wir mit Existenzialismus nicht vertraut sind. Es lohnt sich jedoch, darüber nachzudenken, was Frankls Ideen für unsere Lebensgestaltung bedeuten können.