Der Sinn des Lebens nach Viktor Frankl

· 22. Mai 2018

Nach Viktor Frankl liegt der Sinn des Lebens darin, ein Ziel zu verfolgen. Dabei sollten wir Verantwortung für uns selbst und für andere übernehmen. Nachdem wir für uns die Frage beantworten, warum wir etwas tun, können wir uns damit beschäftigen, wie wir es umsetzen. Wir müssen uns frei und uns unserem Ziel sicher fühlen. Nur so werden wir in der Lage sein, Veränderungen herbeizuführen und eine würdevolle Wirklichkeit zu schaffen.

Wir alle wissen, dass es kompliziert ist, zu definieren, was unser Sinn des Lebens ist. Diese Frage beinhaltet eindeutig philosophische und moralische Nuancen. Aus diesem Grund verfolgen wir so oft klassische Ideen – es ist schlicht einfacher. Wir möchten „glücklich sein und andere glücklich machen“, „zufrieden sein“, „Gutes tun“  etc.

„Die Frage ist falsch gestellt, wenn wir nach dem Sinn des Lebens fragen. Das Leben ist es, das Fragen stellt.“

Viktor Frankl

Es gibt jedoch viele, die beim Versuch, diese Frage zu beantworten, eine tiefe existenzielle Leere verspüren. Was ist für mich der Sinn des Lebens, wenn ich nur arbeite und alle meine Tage gleich sind? Wenn ich in Wirklichkeit nichts in dem finde, was mich umgibt?

Diese Situationen kommen durchaus häufig vor. Der berühmte Neurologe, Psychiater und Begründer der Logotherapie, Viktor Frankl, pflegte eine ziemlich präzise Antwort darauf zu geben, die uns zum Reflektieren einladen soll: Der Mensch sei nicht dazu gezwungen, einen Sinn des Lebens zu definieren, der allgemeingültig wäre. Jeder beantworte die Frage auf seine eigene Art. Dabei gehen wir von uns selbst aus, von unseren Möglichkeiten und Erfahrungen, die uns im täglichen Leben begegnen. Darüber hinaus unterscheide sich der Sinn des Lebens nicht nur von einer Person zu einer anderen, sondern auch von unseren Zielen in den jeweiligen Lebensphasen. Wichtig ist, dass jedes Ziel uns zufriedenstelle und uns dazu ermutige, jeden Morgen aufzustehen und für das zu kämpfen, was wir wollen.

Feder über einer Hand

Viktor Frankl veröffentlichte 1946 … trotzdem Ja zum Leben sagen: Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager,  ein Buch, das Millionen Menschen dazu inspirierte, eine lebensbejahende Haltung einzunehmen. Frankl selbst überlebte vier verschiedene Konzentrationslager, verlor jedoch seine gesamte Familie. Als Gefangener erlebte er die Schrecken des Holocausts am eigenen Leib. Eine Erfahrung, die er überwand und die es ihm später ermöglichte, die Grundlagen für eine sehr persönliche Art der Therapie zu legen. Diese ist uns als Logotherapie bekannt.

Nach seinem Überleben und seinem unbeschreiblichen Verlust fasste er für sich einen Beschluss. Sein persönliches Ziel im Leben sollte es sein, anderen dabei zu helfen, den Sinn ihres Lebens zu finden. Um dieses Vorhaben umzusetzen, ging er von drei konkreten Punkten aus: Jeden Tag motiviert zu arbeiten, das Leben stets mit Liebe zu füllen und jederzeit den Mut zu haben, Widrigkeiten zu begegnen.

Wir wollen nun betrachten, woran wir arbeiten müssen, um unsere persönlichen Ziele im Leben erreichen zu können.

Mit Entscheidungen leben

Wir haben es alle schon einmal gesehen: Es gibt Menschen, die auch unter den schwierigsten Umständen stets positiv und motiviert bleiben. Ganz gleich, wie düster die Realität auch erscheinen mag. Wie machen sie das? Wie arbeitet ihr Körper und vor allem ihr Herz? Aus biologischer Sicht teilen wir alle die gleichen Eigenschaften, aber was uns von diesen Personen differenziert, sind die Entscheidungen, die sie treffen.

Wir sollten entschlossen sein, etwas erreichen zu wollen und dabei jedes Hindernis zu überwinden. Auch für etwas, was wir wollen, zu kämpfen, wird uns dabei helfen, uns unsere Ziele in jeder Lebensphase klar vor Augen zu halten.

„Alles kann man einem Menschen nehmen, außer seine letzte Freiheit: seine persönliche Haltung in jeder Situation selbst zu wählen.“

Viktor Frankl

Selbst wenn du leidest, sei dir bewusst, dass du Kraft finden wirst

Viktor Frankl erklärte in seinem Buch Der Mensch auf der Suche nach Sinn,  dass es nichts Schlimmeres gebe, als zu erkennen, dass unser Leiden nutzlos sei, dass Schmerz nichts anderes sei als das Echo der Verzweiflung.

Wenn wir aber jetzt in der Lage sind, ein Ziel zu definieren, kann Leiden nicht nur erträglich, sondern auch zu einer Herausforderung werden. Auf diese Weise können wir unsere Stärken fördern, bevor wir uns ergeben und den Schmerz als etwas Sinnloses betrachten. So kann uns das Leiden dazu anregen, unsere Motivation zu erhöhen.

Hände mit goldenem Puder

Ändere deine Einstellung, um einen höheren Sinn im Leben zu finden

Manchmal ist das Leben nicht fair. Des Öfteren belasten wir uns bis zur Erschöpfung. Wir investieren Zeit, Energie, Emotionen und ein Stück unseres eigenen Herzens und dennoch versetzt uns das Schicksal einen ironischen Rückschlag. Damit löst sich jede Anstrengung und jeder Traum in Luft auf. Es erscheint mehr als verständlich, in solchen Fällen niedergeschlagen zu sein, aber wir haben immer noch zwei Möglichkeiten:

  • Wir nehmen an, dass wir nicht ändern können, was uns passiert, dass wir Gefangene der Umstände seien und es nichts zu tun gebe.
  • Die zweite Option (und die empfohlene) besteht darin, zu akzeptieren, dass wir tatsächlich nicht ändern können, was uns passiert. Wir können allerdings unsere Einstellung gegenüber diesen Umständen ändern.

Daher müssen wir in der Lage sein, eine stärkere, widerstandsfähigere und positivere Einstellung zu haben, um einen hoffnungsvolleren, höheren Sinn im Leben zu finden.

Paar geht auf einer Blumenwiese

Den Sinn des Lebens hinterfragt man nicht, man fühlt ihn

Die Antworten auf unsere Zweifel am Leben finden wir nicht in unserer Umgebung. Bücher werden uns nicht erklären, was unser persönlicher Sinn des Lebens ist. Weder Partner noch unsere Familie oder Freunde haben das Recht, uns unsere Absichten vorzuschreiben. In Wirklichkeit sind all unsere Bedürfnisse, unsere Leidenschaft und existenziellen Ziele in uns.

Noch interessanter ist, dass sie sich mit der Zeit ändern. Wir werden reifer und werden als Menschen wachsen. Daher ist nichts so wichtig, wie unsere Verantwortung für unsere eigene Freiheit zu übernehmen, um unsere Ziele zu definieren, die auch in den schlimmsten Momenten unsere sein werden.

Wie Viktor Frankl selbst erklärte, haben wir jeden Tag und in jedem Augenblick die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen. Diese bestimmen, ob wir dabei als Marionetten des Schicksals funktionieren oder mit wahrer Würde handeln und unserem wahren Ich gerecht werden.

„Denken wir darüber nach und lassen wir uns mit Mut und Entschlossenheit an unserer persönlichen Freiheit arbeiten.“

Viktor Frankl