Die klassische Testtheorie

· 18. April 2019

Die klassische Testtheorie wurde im 20. Jahrhundert von Spearman erstmalig beschrieben. Sie kann gewissermaßen als Beginn der Psychometrie betrachtet werden. Das Wort „Test“ bezieht sich dabei auf Prüfungen zur Bewertung von Kenntnissen, Fähigkeiten oder Funktionen.

In der Psychologie sind Tests psychologische oder psychotechnische Evaluationen, gewissermaßen Werkzeuge, die entwickelt wurden, um die Eigenschaften eines Probanden zu bewerten oder zu messen.

Warum brauchen wir Testtheorien?

Tests sind Instrumente, die in vielen Fällen eine unschätzbare Hilfe im Rahmen einer psychologischen Bewertung bieten. Damit dies erreicht werden kann, muss der Test psychometrischen Mindestanforderungen entsprechen und der Spezialist, der ihn anwendet, muss das entsprechende Protokoll kennen und einhalten. Andererseits sagen uns Testtheorien, wie wir die Qualität eines Testergebnisses einschätzen können und in vielen Fällen auch, wie wir die Anwendung verfeinern können, um den Irrtum auf ein Minimum zu reduzieren. In diesem Sinne sind die vielleicht wichtigsten Konzepte innerhalb der klassischen Testtheorie Zuverlässigkeit und Validität.

  • Unter Zuverlässigkeit versteht man die Konsistenz oder Stabilität von Messungen bei Wiederholung des Messvorgangs. Im Grunde genommen handelt es sich bei 100-prozentiger Zuverlässigkeit um eine Utopie, denn in der Praxis ist es unmöglich, die gleichen Bedingungen in zwei verschiedenen Messungen zu reproduzieren. Es ist zwar relativ einfach, auf externe Variablen einzuwirken, wie z.­ B. die Temperatur oder den Geräuschpegel; die Kontrolle der internen Parameter aber, ist wesentlich komplizierter. Denken wir zum Beispiel an die Stimmung des Patienten.
  • Die Validität oder Gültigkeit bezieht sich auf den Grad, in dem empirische Evidenz und Theorie die Interpretation von Testergebnissen unterstützen. Ebenso könnten wir sagen, dass die Validität die Fähigkeit eines Messinstruments ist, das Merkmal, für das es bestimmt ist, sinnvoll und angemessen zu dimensionieren.

Im Rahmen des Aufbaus und der Validierung von Tests werden zwei wichtige Theorien angewandt. Die erste ist die klassische Testtheorie, die zweite ist die probabilistische Testtheorie. Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Aspekte der klassischen Testtheorie vor.

Test

Die klassische Testtheorie

Dieser Ansatz ist in der häufiger verwendete bei der Schaffung und Analyse von Tests. Der Psychologe, wie jeder andere Fachmann, muss sicherstellen, dass das von ihm verwendete Instrument genau und fehlerfrei misst. Wenn also ein Psychologe einen Test bei einer oder mehreren Personen anwendet, erhält er die zugehörigen Testergebnisse. Diese geben jedoch keinen Aufschluss über die Zuverlässigkeit dieser Werte: Wir wissen nicht, ob sie den Werten entsprechen, die dieser Person tatsächlich zugeschrieben werden müssten.

So könnte es beispielsweise vorkommen, dass unrealistische Ergebnisse erzielt wurden, weil sich die untersuchte Person an diesem Tag nicht wohlfühlte. Oder auch, weil die physikalischen Bedingungen, unter denen der Test durchgeführt wurde, nicht die besten waren.

Die von einer Person in einem Test gegebenen Antworten werden deshalb quantitativ oder qualitativ mit den Antworten anderer Personen verglichen, die den gleichen Test absolviert haben. Dann kann eine Klassifizierung vorgenommen werden. Diese Klassifizierung ist jedoch nicht so einfach, wie sie vielleicht scheint.

„Als Psychologen sind wir verpflichtet, dafür zu sorgen, dass unsere Testergebnisse und Interpretationen so korrekt wie möglich sind und nur wenige Fehler aufweisen.“

José Muñiz

Das klassische lineare Modell

Es ist Anfang des 20. Jahrhunderts, wie wir bereits vermerkt haben, als Spearman die klassische Testtheorie vorschlug. Der Forscher postulierte ein sehr einfaches Modell zur Beurteilung der Testergebnisse: das klassische lineare Modell.

Dieses Modell beruht auf der Annahme, dass die Punktzahl, die eine Person in einem Test erzielt, die wir die empirische Punktzahl nennen und die normalerweise mit dem Buchstaben X bezeichnet wird, aus zwei Komponenten bestehe. Der erste ist der wahre Wert (V) und der zweite der Fehler (e). Letzterer kann auf viele Ursachen zurückzuführen sein, die wir nicht immer kontrollieren können. Die Hypothese könnte wie folgt ausgedrückt werden: X = V + e

In der klassischen Testtheorie geht es nun darum, den Messfehler genau zu bestimmen. In dieser Absicht fügte Spearman dem Modell drei Annahmen hinzu:

  • Der wahre Wert (V) ist die mathematische Erwartung an den empirischen Wert. So ist die V in einem Test als diejenige Punktzahl definiert, die ein Patient im Durchschnitt erhalten würde, wenn sie den gleichen Test unendlich oft absolvieren würde.
  • Es besteht kein Zusammenhang zwischen der wahren Punktzahlen und der Größe der Fehler, die diese Werte beeinflussen. Der Wert der wahren Punktzahl ist unabhängig vom Messfehler.
  • Messfehler in einem bestimmten Test stehen nicht im Zusammenhang mit Messfehlern in einem anderen Test. Fehler, die bei einem Durchlauf gemacht wurden, müssen nicht mit denen eines anderen übereinstimmen.
Einen Test schreiben

Die klassische Testtheorie ist recht einfach zu verstehen. Man braucht keine fortgeschrittenen mathematischen Kenntnisse, um sie in die Praxis umzusetzen und sie kann in jedem Kontext angewandt werden. Das Problem ist, dass die Ergebnisse, die sie uns liefert, immer mit der Stichprobe verknüpft sind, in der der Test validiert wurde. Darüber hinaus sind in vielen Fällen die Mindestanforderungen, die ein Test erfüllen muss, um als zuverlässig und validiert zu gelten, nicht ausreichend. Es bedarf deshalb weiterer Verfahren, um angewandte Tests zu evaluieren und gegebenenfalls zu verbessern.

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