Die holotrope Atemarbeit für dein Wohlbefinden

01 September, 2020
Heilpraktiker des holotropen Atmens glauben, dass diese Atemtechnik es möglich macht, in tiefe Bewusstseinsebenen vorzudringen. Doch was genau ist die holotrope Atemarbeit und was sagt die Wissenschaft dazu? Lies im Folgenden weiter und erfahre mehr darüber!

Die holotrope Atemarbeit (ein Markenzeichen) ist eine experimentelle Psychotherapie, die von Stanislav Grof entwickelt wurde. Es handelt sich dabei um einen Ansatz für die Arbeit mit geistig gesunden Menschen. Die Idee ist es, Patienten einer Erfahrung auszusetzen, die ihnen hilft, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und mit realen Situationen umzugehen.

Es ist wichtig anzumerken, dass die Erfahrungspsychotherapie in der sogenannten transpersonalen Psychologie verwurzelt ist. Letztere ist ein Teil der humanistischen Psychologie, einem Zweig, der in den 60er Jahren entstand. Wie bereits zuvor erwähnt, wurde die holotrope Atemarbeit speziell von dem tschechischen Psychiater Stanislav Grof entwickelt.

Das Hauptziel des holotropen Atmens ist es, eine höhere Bewusstseinsebene zu erreichen. Experten geben an, dass die Erfahrung den Wirkungen von Psychopharmaka ähnlich ist, die von Schamanen oder einigen spirituellen Führern angewandt werden. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass du diesen Zustand durch deine Atmung erreichst und der Zweck dennoch therapeutisch ist.

Die holotrope Atemarbeit für dein Wohlbefinden

Holotrope Atemarbeit – Was ist das?

Die holotrope Atemarbeit ist eine Technik, die eine absichtliche und kontrollierte Hyperventilation beinhaltet. Wie bereits zuvor erwähnt, ist der Zweck der, einen Zustand des veränderten und erweiterten Bewusstseins zu erreichen. Das ultimative Ziel ist es, sich selbst besser kennenzulernen und die angeblichen psychotherapeutischen Vorteile zu genießen, die die Befürworter der Technik zuschreiben.

Hyperventilation besteht darin, schneller und tiefer als gewöhnlich zu atmen. Wenn wir normal atmen, atmen wir Sauerstoff ein und Kohlendioxid (CO2) aus. Die beschleunigte, tiefe Atmung während der Hyperventilation erhöht dagegen das Sauerstoffvolumen in unserem Körper und senkt gleichzeitig den Kohlendioxidspiegel. Unter normalen Umständen würde diese Veränderung Angst, Erstarrung und Ohnmacht verursachen.

Holotropes Atmen ist die Praxis der induzierten und regulierten Hyperventilation. Generell kannst du diese Art des Atmens nur unter kontrollierten Bedingungen üben, normalerweise in einer Gruppe. Andernfalls könnten untererwünschte Probleme auftreten, wie beispielsweise Panikattacken. Experten raten Patienten davon ab, diese Technik anzuwenden, wenn sie unter folgenden Zuständen leiden:

  • Bluthochdruck
  • Atemwegserkrankungen
  • neurologischen Problemen
  • psychischen Problemen

Die Technik

Der erste Schritt besteht darin, alles über die Technik zu lernen. Du solltest dich über die Vor- und Nachteile informieren, was du davon erwarten kannst und welche Vorsichtsmaßnahmen du treffen solltest. Sitzungen, in denen holotropes Atmen geübt wird, sind in der Regel sehr lang. Tatsächlich dauern sie meist länger als vier Stunden.

Du solltest diese Technik an einem bequemen und ruhigen Ort ausüben. Beginne, indem du den Raum barfuß betrittst und dich auf eine Matte legst. Die Heilpraktiker spielen dann eine entspannende Musik, die  während der Sitzung nicht einmal unterbrochen werden sollte. Sobald du dich wohl fühlst, beginne ruhig zu atmen.

Beginne die kontrollierten Hyperventilation mit geschlossenen Augen oder einer Augenmaske. Beachte, dass du für die Dauer der Übung schnell atmen musst und dass jemand die Sitzung leiten muss. Manchmal wechseln die Teilnehmer vom „aktiven Atmen“ hin zur Leitung der Übung.

Sobald die Sitzung beendet ist, malt jeder Teilnehmer ein Mandala aus oder erstellt eine symbolische Zeichnung darüber, was er gerade fühlt. Dann teilt jeder seine individuellen Erfahrungen.

Nach der Sitzung malt jeder Teilnehmer ein Mandala aus

Die holotrope Atemarbeit und ihre Vorteile

Wie oben erwähnt, besteht das Ziel des holotropen Atmens darin, durch Hyperventilation einen veränderten Bewusstseinszustand zu erreichen. Die Grundidee ist die, dass du mit dieser Technik in die tiefsten Ebenen der Psyche vordringen kannst. Infolgedessen kannst du auf unbewusste Informationen zugreifen, die für dich sehr wertvoll sein können.

Die Befürworter der Atemtechnik argumentieren, dass dies ein Weg ist, verdrängte Erinnerungen wiederherzustellen. Während des Trainings erinnerst du dich möglicherweise an vergessene Personen, Situationen, Emotionen oder Wahrnehmungen.

Diese Informationen sind wichtig, weil dein Gehirn sie irgendwann blockiert hat. Die einzige Möglichkeit, diese Informationen wiederherzustellen, besteht darin, deinen Geist und dein Bewusstsein zu erweitern.

Untersuchungen legen nahe, dass holotropes Atmen viele Vorteile hat, vor allem in Bezug auf die Entspannung und das emotionale Gleichgewicht. Bisher gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass die Atemtechnik zu einem veränderten Bewusstseinszustand führt oder es dir möglich macht, dein Unbewusstes zu erkunden. Dennoch argumentieren diejenigen, die es praktizieren, dass es möglich ist.

Corporalidad, R. H. (2014). Respiración Holotrópica y Corporalidad: Una Marca Transversal. Journal of Transpersonal Research©, 6(1), 95-102.