Die häufigsten Verhaltensabhängigkeiten

07 Januar, 2021
Ob du es glaubst oder nicht, zu den häufigsten Verhaltensabhängigkeiten gehören Sport, Surfen im Internet und Essen. In diesem Artikel erfährst du mehr über dieses interessante Thema!

In unserer heutigen Gesellschaft assoziieren die meisten Menschen das Wort “Abhängigkeit” mit einer Drogen- oder Substanzsucht. Dennoch sind die Verhaltensabhängigkeiten gleichermaßen wichtig und müssen ebenfalls genügend Beachtung finden. Aber überraschenderweise wird über diese Süchte nicht wirklich viel gesprochen. Und dies, obwohl die Betroffenen die gleichen Handlungsmuster aufweisen, die bei einer Drogen- oder Substanzsucht auftreten.

In vielen Fällen geraten Menschen in Abhängigkeiten, um der Realität zu entfliehen. Aber manchmal erfolgt dies nicht durch den Konsum einer bestimmten Substanz. Wenn jemand beispielsweise jeden Tag für viele Stunden zwanghaft im Internet surft und dabei andere Aktivitäten vernachlässigt, leidet dieser Mensch vermutlich an einer Sucht.

Allerdings müssen Psychologen Kriterien definieren, anhand derer sich eindeutig feststellen lässt, ob es sich um eine Abhängigkeit oder Sucht handelt oder nicht. Dazu sind einige Aspekte sehr relevant. Zunächst einmal ist es wichtig, wie viele Stunden der Betroffene täglich mit dieser bestimmten Handlung verbringt. Zweitens ist es wichtig, ob und inwiefern dieses Verhalten das tägliche Leben beeinträchtigt oder stört. Und schließlich ist es relevant, ob erhebliche Beschwerden oder ein Leidensdruck damit verbunden sind.

Verhaltensabhängigkeiten: Es ist keine bestimmte Droge oder Substanz, aber dennoch bist du “süchtig” nach etwas

Wenn du jemandem sagst, dass Laufen oder Joggen schädlich und problematisch ist, wird er höchstwahrscheinlich überrascht sein und diese Aussage in Frage stellen. Das liegt vermutlich daran, dass du deine Argumente für diese These nicht geschickt dargestellt hast, um diesen Menschen von der Tatsache zu überzeugen, dass Laufen tatsächlich zu einer Sucht werden kann.

Ein Psychologe kann nach einer gründlichen Bewertung der Einzelsituation beurteilen, ob ein Mensch tatsächlich an einer Sucht leidet oder nicht und zu welchem Zeitpunkt dies der Fall ist. Wenn es für die Gesellschaft jedoch bereits schwierig ist, zwischen einer Sucht und einem toxischen Verhalten zu unterscheiden, ist es wichtiger zu wissen, ob es sich um eine Sucht oder lediglich um eine Aktivität handelt.

Hier sind die Hauptmerkmale, die Verhaltensabhängigkeiten definieren:

  • Verhaltensabhängigkeiten sind sich wiederholende Verhaltensweisen, die angenehm sind und zu psychischer Abhängigkeit und Kontrollverlust führen (zumindest in den ersten Phasen).
  • Der Abhängigkeitsprozess besteht NICHT im Verhalten selbst (beispielsweise dem Arbeiten), sondern in der Art und Weise, wie der Betroffene mit diesem Verhalten umgeht.
  • Darüber hinaus besteht ein dringendes Verlangen, dieses Verhalten auszuüben und dies trotz der sich möglicherweise daraus ergebenden negativen Konsequenzen (Verlust der Familie, Gesundheit usw.).
  • Diese Verhaltensabhängigkeiten sind als psychische Störungen weder im DSM noch im ICD (mit Ausnahme der Spielsucht) aufgeführt.

Daher wird mit dieser Definition der Begriff Sucht breiter gefasst und wird an neue Realitäten angepasst. Zum Beispiel kann das Aufkommen neuer Technologien und ein sitzender Lebensstil technologische Abhängigkeiten verursachen. Ob du es glaubst oder nicht, diese Verhaltensabhängigkeiten sind genauso problematisch wie eine Drogensucht.

Verhaltensabhängigkeiten - Internetsucht

Verhaltensabhängigkeiten: Internetsucht

Wenn etwas für die heutige Gesellschaft typisch und charakteristisch ist, dann ist es die massive Nutzung des Internets. Aber tatsächlich ist das Internet natürlich extrem wichtig; wie sonst würdest du deine Überweisungen tätigen, E-Mails schreiben, bürokratische Angelegenheiten erledigen oder generell Telearbeit leisten?

Obwohl all diese Vorzüge und Anwendungsmöglichkeiten die tägliche Internetnutzung in angemessenem und erforderlichem Umfang rechtfertigen, wissen wir alle, dass die Nutzung des Internets weit über diese Themen hinaus geht. Es gibt beispielsweise auch zahlreiche Freizeitangebote im Internet wie soziale Netzwerke, Online-Videospiele und Online-Foren oder Chatgruppen.

Aber wann wird die Nutzung dieser Angebote zu einer Sucht? Was sind die Merkmale einer Internetsucht?

  • Exzessive Nutzung. 40 bis 80 Stunden pro Woche, wobei die Sitzungen bis zu 20 Stunden ohne Unterbrechung dauern.
  • Verheimlichung dieses Suchtverhaltens.
  • Konsum von Stimulantien, um weiter aktiv bleiben zu können.
  • Vollkommene Veränderung der Schlafmuster.
  • Übermäßige Müdigkeit.
  • Akademische oder berufliche Beeinträchtigungen.
  • Gesundheitliche Probleme (beispielsweise das Karpaltunnelsyndrom).
  • Die Sucht ist normalerweise mit einer bestimmten App oder einer Website verknüpft, die diese exzessive Internetnutzung bewirkt.

Wie du an dieser Reihe von Merkmalen erkennen kannst, weist Internetsucht missbräuchliche Nutzungsmuster und klare Symptome auf. Dennoch kann es manchmal schwierig sein, die Internetnutzung aufgrund beruflicher Verpflichtungen von der Nutzung zu unterscheiden, die aufgrund einer Sucht erfolgt. Die aufgeführten Kriterien können dir dabei helfen, diese Problematik besser zu verstehen.

Verhaltensabhängigkeiten: Esssucht  oder hyperphagische Handlungen

Wenn über das Thema Essstörungen gesprochen wird, dann denken die meisten Menschen zunächst an Anorexie oder Bulimie. Beim Thema Esssucht und Essstörungen im Allgemeinen ist der Betroffene aber nicht wirklich über seine Figur oder sein Gewicht besorgt. Dennoch weisen diese Verhaltensweisen alle Komponenten auf, um als richtige Sucht zu gelten.

Sehen wir uns einige der Hauptmerkmale an:

  • Unersättlicher Verzehr von Nahrung.
  • Übermäßiges Essen, ohne sich körperlich hungrig zu fühlen.
  • Weiteressen, bis sich ein unangenehmes Völlegefühl einstellt.
  • Schuldgefühle nach dem übermäßigen Essen.
  • Bedeutung emotionaler Aspekte. Hyperphagie tritt normalerweise als Folge längerer ängstlicher und depressiver Zustände auf.

Daher weist die Esssucht einige Besonderheiten auf, die sie von anderen Essstörungen unterscheiden. Eine der größten Herausforderungen besteht darin, zu wissen, wie man eine solche Sucht richtig diagnostiziert.

Sport- oder Bewegungssucht

Wie wir bereits eingangs erwähnt haben, werden Verhaltensweisen wie Laufen oder körperliche Aktivität keineswegs als negativ empfunden. Dennoch gibt es eine sogenannte Sport- oder Bewegungssucht, die der Vermeidung anderer Aktivitäten dient. Im Grunde genommen übt der Betroffene zwanghaft körperliche Bewegungen aus, um die Befriedigung zu erlangen, die er oder sie in anderen Lebensbereichen nicht finden kann.

Sehen wir uns die Hauptmerkmale der Sport- oder Bewegungssucht an:

  • Übermäßig starke und obsessive Gedanken an die Ausübung sportlicher Aktivitäten.
  • Trotz Verletzung oder Erkrankung trainiert der Betroffene mehrmals täglich.
  • Wenn nicht trainiert wird, treten Entzugssymptome auf.

Kauf-, Arbeits- und Sexsucht

Es gibt noch weitere sehr häufige Verhaltensabhängigkeiten, die normalerweise nicht in Diagnosehandbüchern aufgeführt sind. Allerdings sind sie genauso problematisch wie jede Substanzabhängigkeit und sie verursachen die gleichen Störungen im Leben eines Menschen.

Kaufsucht

Kaufsucht oder Kaufzwang tritt im Allgemeinen bei Frauen zwischen 30 und 49 auf. Normalerweise beginnt dieser Zustand im Alter zwischen 18 und 20 und entwickelt sich fortlaufend weiter. Interessanterweise besteht ein enger Zusammenhang zu Angststörungen, Depressionen, Substanzabhängigkeiten und Essstörungen.

Vor dem Einkaufen hat die Person normalerweise eine dysphorische Stimmung, auf die dann die Aufregung über die Kauferwartung folgt. Der Betroffene verliert die Kontrolle und erwirbt viele überflüssige Gegenstände, die er oder sie später bereut. Dieser Zyklus setzt sich immer weiter fort, während die betroffene Person versucht, ihr Unbehagen zu verringern.

Verhaltensabhängigkeiten - überarbeiteter Mann am Laptop

Arbeitssucht

Bei dieser Abhängigkeit erlebt der Betroffene wiederkehrende Gedanken darüber, dass er oder sie produktiv sein muss. Darüber hinaus treten kognitive Verzerrungen in Bezug auf die beruflichen Anforderungen auf.

Der Betroffene fühlt sich reizbar, ängstlich und insgesamt schlecht gelaunt, wenn er oder sie beispielsweise aufgrund eines Feiertages oder eines freien Tages nicht arbeiten kann.

Sexsucht

Der Betroffene leidet unter einem impulsiven sexuellen Verhalten, das er oder sie ausführen muss, obwohl er oder sie das gar nicht will. Es handelt sich um ein unkontrollierbares und unerwünschtes Verhalten.

Außerdem erlebt der Betroffene persönliche und emotionale Befriedigung ausschließlich durch einvernehmlichen Sex mit Erwachsenen sowie durch paraphiles Verhalten.

Verhalten als Quelle der Befriedigung

Bei all diesen Verhaltenssüchten hängt der Beginn des Problems damit zusammen, dass das Verhalten die wichtigste und einzige Quelle der Befriedigung ist. Dennoch sind diese Verhaltensweisen an sich nicht pathologisch. Tatsächlich sind sie sogar gesellschaftlich akzeptiert und wertgeschätzt.

Daher ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass die folgenden klinischen Merkmale vorliegen müssen, damit ein Suchtverhalten als solches betrachtet werden kann: Kontrollverlust über das Verhalten, psychische Abhängigkeit oder Verlangen, Toleranz, Entzug und schwerwiegende schädliche Auswirkungen.

Graña, J.L. (1994). Conductas adictivas. Teoría, evaluación y tratamiento. Debate. Madrid.