Exhibitionismus: Ursachen dieser sexuellen Paraphilie

· 14. August 2018

Der Diagnostische und statistische Leitfaden psychischer Störungen (DSM) der American Psychiatric Association beschreibt acht typische Paraphilien und sieben unspezifische Paraphilien. Zu den typischen Paraphilien gehören Fetischismus, Voyeurismus, Pädophilie und Masochismus, sowie Exhibitionismus.

Eine entsprechende Neigung oder gar ein Interesse an einer oder mehrerer der oben genannten Kategorien stellt jedoch an sich noch keine Erkrankung dar. Das heißt, die Tatsache, dass eine Person ein Verlangen verspürt oder eine intensive sexuelle Fantasie hinsichtlich eines Objekts oder oder einer Praxis hat, stellt an sich noch kein Problem dar. Das Ganze wird zu einem Problem, wenn die Paraphilie eine Funktionsstörung darstellt und dem Betroffenen emotionale Konflikte verursacht, oder wenn sie gegenüber besonders zu schützenden Personen – vornehmlich Kindern – ausgeübt wird.

Was ist Exhibitionismus?

Exhibitionismus ist die Exposition der eigenen Genitalien gegenüber einem Fremden, um sexuelle Erregung zu erreichen. Diese kommt übrigens auch dann auf, wenn der Exhibitionist die Situation geistlich vorwegnimmt, was mit einer Masturbation zu vergleichen ist.

Diese Praxis beinhaltet eine Abwandlungen des sexuellen Aktes, da das Gefühl des Vergnügens durch das Zeigen der Geschlechtsteile erreicht wird. Meistens sind diese Dritten Frauen oder Kinder. Hinzu kommt, dass später nur selten Versuche unternommen werden, die sexuelle Aktivität gegenüber dem Fremden aufrechtzuerhalten. Das bedeutet, dass Exhibitionisten nicht generell eine erhöhte Gefahr für schwere Sexualdelikte wie Vergewaltigung darstellen.

Mann mit offener Jacke, der nur bis zum Bauchnabel zu sehen ist

Warum genießen manche Menschen das Blankziehen?

Der Exhibitionismus entwickelt sich in der Regel in der Pubertät. Außerdem sind viele praktizierende Exhibitionisten verheiratete Männer. Allerdings sind ihre Ehen in der Regel widersprüchlich. Exhibitionisten neigen dazu, ihr Verhalten im Laufe der Zeit fortzusetzen und bis zu 50 % der Täter mehr als einmal verwarnt bzw. bestraft.

Die Ursachen des Exhibitionismus liegen in fehlgeleiteten Lernprozessen. In dieser Paraphilie ist wird ein angemessener Reiz, der eine sexuelle Aktivierung des Individuums hervorrufen sollte, durch einen unangemessenen ersetzt. Das geschieht, wie bereits angedeutet, meist in der Pubertät. Spätere Erfahrungen während Fantasien und Masturbation können diese falsche Zuordnung im Sinne einer Konditionierung verstärken.

Darüber hinaus gibt es Faktoren, die ein Individuum für Exhibitionismus prädisponieren, wie Schwierigkeiten beim Aufbau einer sexuellen Beziehung oder mangelndes Selbstwertgefühl. Deshalb sind Exhibitionisten oft eher schüchterne Menschen, die es schwer haben, Beziehungen zu Frauen aufzubauen. Bei manchen Exhibitionisten kommt die Paraphilie dann zum Ausdruck, wenn sie emotionale Krisen erleben, obwohl sie ein normales Maß an soziokultureller Intelligenz aufweisen.

Geschockte Frau vor einem Exhibitionisten

Andererseits sind Exhibitionisten normalerweise keine gefährlichen Individuen. Sie missbrauchen ihre Opfer in der Regel nicht. Im Gegenteil, die meisten von ihnen reagieren unsicher und laufen weg, wenn ihr „Angebot“ erwidert wird. Ihr Wunsch ist es, ihre Opfer zu überraschen und Reaktionen der Angst, aber auch des Ekels oder der Neugier zu provozieren. Auf diese Weise können sie ein Gefühl der Dominanz erfahren. Sie hassen Spott oder Gleichgültigkeit.

Das Gefühl des Exhibitionismus ist der Blick auf den nackten Körper im Spiegel und der Gedanke: „Wenn mich jetzt jemand besucht, habe ich keine Zeit zum Anziehen …“

Allgemeine Kriterien und Zwangsfaktoren im Exhibitionismus

Laut DSM gibt es zwei Kriterien für die Diagnose einer exhibitionistischen Störung:

  • Wiederkehrende und aufregende sexuelle Fantasien, sexuelle Impulse oder Verhaltensweisen, während derer die Genitalien einem Fremden gezeigt werden, der das nicht erwartet
  • Fantasien, sexuelle Impulse oder Verhaltensweisen, die klinisch signifikante Beschwerden oder Beeinträchtigungen im sozialen, beruflichen oder anderen Lebensbereich bedingen

Obwohl es nicht viele Studien zu diesem Thema gibt, glauben die Ärzte, dass der Exhibitionist oder „Flasher“ nicht in der Lage sei, bestimmte Phasen der sexuellen Entwicklung von Kindern abzuschließen. Man könnte auch sagen, dass diejenigen, die Exhibitionismus praktizieren, unter einer gewissen sexuellen Unreife leiden. Es mag paradox klingen, aber es wird angenommen, dass der durchschnittliche Exhibitionist unter Minderwertigkeitsgefühlen und mangelnder Selbstakzeptanz oder Beziehungsproblemen leidet.

Etwas, das studiert und validiert wurde, ist, dass der Exhibitionist sich Fremden aufgrund seines starken, zwanghaften Begehrens zeigt. Er ist sich auch der Notwendigkeit bewusst, den Betrachter zu überraschen, zu beeinflussen oder zu beeindrucken. Die meisten Menschen, die unter dieser Paraphilie leiden, haben dennoch Ideen, Gedanken, Impulse oder Bilder im Kopf, die sie für aufdringlich oder unangemessen halten. Diese verursachen ihnen Angst und auch erhebliche Unannehmlichkeiten. In dieser Hinsicht ist es dieses emotionale Unbehagen, das den Exhibitionisten dazu bringt, diese kompulsiven Gedanken zu neutralisieren, indem er sich einer unbekannten Person in der Öffentlichkeit aussetzt.

Mann öffnet seinen Mantel vor einer Frau

Behandlung von Exhibitionismus

Die Veränderung paraphiler Verhaltensweisen erfordert in der Regel einen multimodalen Eingriff. Einen, der das bisher Gelernte durch klassische und soziale Konditionierung korrigiert. Darüber hinaus sollten grundlegende Schemata der kognitiven Struktur des Einzelnen verändert werden.

Psychologen arbeiten daran, das Vergnügen auf andere, angemessenere sexuelle Fantasien umzuleiten. So basiert die Behandlung des Exhibitionismus in der Regel auf psychotherapeutischen Interventionen, die hauptsächlich mit Verhaltens- und kognitiven Techniken arbeiten, und auf der Gabe von Pharmaka, der Verwendung von Hormonen oder bestimmten Medikamenten.

Während es nicht möglich ist, den Wunsch der Entblößung zu eliminieren, kann die Therapie diesen Wunsch funktionsfähig machen, indem an dem zwanghaften und störenden Akt, sowie an der Schuld, die dieser sexuelle Impuls normalerweise weckt, zu arbeiten.