Die häufigsten sprachlichen Fehler bei Kindern im Alter von 3 bis 6 Jahren

· 13. Oktober 2018

Wenn Kinder zu sprechen beginnen, machen sie eine Reihe von sprachlichen Fehlern. Diese sind das Ergebnis eines noch unvollständigen Lernprozesses. Manchmal werden wir unruhig, wenn wir unsere Kinder nur kurze Sätze sagen oder kaum sprechen hören. Dies ist nicht zwingend ein Problem; es ist jedoch wichtig, zu wissen, wann wir uns Sorgen machen müssen. Wir sollten dazu in der Lage sein, zu erkennen, wann wir diese Fehler als Teil einer Entwicklungsphase verstehen müssen.

Wir sollten weiterhin bedenken, dass einige dieser sprachlichen Fehler ebenso häufig von Erwachsenen gemacht werden. Das sind die berühmten „Versprecher“. Es sind unfreiwillige Fehler, die wir machen, wenn wir ein Wort sagen wollen. Stattdessen mögen wir unbeabsichtigt ein anderes Wort aussprechen oder Ideen unfreiwillig austauschen. Das liegt daran, dass unsere Gedanken manchmal nicht in grammatikalisch korrekter Form in unserem Kopf erscheinen. Wir müssen deshalb einen Auswahlprozess laufen lassen, um das am besten geeignete Wort zu finden.

Werfen wir einen Blick auf die häufigsten sprachlichen Fehler bei Kindern zwischen 3 und 6 Jahren in Bezug auf gegebene Kategorien.

„Wir denken durch Worte. Diese Gedanken kommen uns in einer grammatikalischen Form von Subjekt, Verb, Objekten und Komplimenten in den Sinn, ohne dass wir wissen, wie wir den Satz produziert haben.“

Karl Spencer Lashley

Semantische Fehler (Bedeutung)

Auf der semantischen Ebene machen Kinder zwischen 2 und 3 Jahren große Fortschritte bei der Kategorisierung und Konzeptualisierung. Sie beginnen, zunehmend mehr Bedeutungen zu verstehen und zu nutzen. Sie erreichen jedoch noch nicht das Niveau von älteren Kindern oder Erwachsenen. In der Tat neigen Kinder zwischen 3 bis 6 Jahren dazu, 5 Wörter pro Tag zu lernen. Überlegen wir mal, wie viele das in einer Woche, einem Monat sind!

„Lernen bedeutet, Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen.“

Eine Frau bringt einem Mädchen das Sprechen bei

Wenn Kinder beginnen, ein neues Wort zu benutzen, wissen sie noch nicht, was es wirklich bedeutet. Nach und nach beginnen sie dank ihrer Fehler und der Reaktionen ihrer Umgebung den semantischen Unterschied zu begreifen. Das heißt, sie beginnen, die Bedeutung der von ihnen genutzten Begriffe im Detail zu verstehen.

Dennoch können in diesem Lernprozess zwei Arten von sprachlichen Fehlern entstehen:

  • Ungleichgewichtsfehler: Dies sind jene Fehler, bei denen die falsche Namen zuordnen. Zum Beispiel können sie ein Plüschtier als „Ball“ oder einen Hund als „Auto“ bezeichnen. Sie sind nicht häufig und eine Folge des Ungleichgewichts zwischen Sinn und Bedeutung.
  • Überlappungsfehler: Diese sind häufiger als die vorherige Kategorie. Sie entstehen, wenn sich die Bedeutung, die das Kind einem Wort beimisst, nur teilweise mit der wirklichen Bedeutung desselben überschneidet. Davon gibt es zwei Arten:
    • Übererweiterungen: Das sind die häufigsten sprachlichen Fehler in diesem Alter. Sie entstehen, wenn das Kind die Bedeutung eines Begriffs auf Dinge, Orte oder Menschen ausdehnt, die einige Merkmale des Objekts haben, das er eigentlich beschreibt. Ein Beispiel dafür ist, dass sie jede Frau, mit der sie interagieren, „Tante“ nennen. Ein weiteres Beispiel ist, alle Tiere mit Pfoten als „Hunde“ zu bezeichnen.
    • Infraerweiterungen sind das Gegenteil der Übererweiterungen. Sie sind Einschränkungen des semantischen Feldes des Wortes. Diese entstehen, wenn die Kinder den Namen „Stuhl“ nur den Stühlen in der Küche ihres Hauses geben, nicht aber anderen Stühlen.

Phonologische Fehler (Töne)

Phonologische Fehler sind sprachliche Fehler, die in den Phonemen entstehen. Phoneme sind die kleinsten Einheiten der Sprache. Manchmal betreffen diese Fehler das ganze Wort. Andernfalls können sie Silben eines Wortes oder nur einige Phoneme beeinflussen. Kinder mit diesen Problemen produzieren manchmal keine unbetonten Silben. Sie können einige Buchstaben „verschlucken“ oder bestimmte Konsonanten nicht aussprechen.

Diese können verschiedener Art sein:

  • Antizipation: „Die Sympather … Die Hunde sind mir viel sympathischer.“
  • Substitution: „Daffee“ für „Kaffee“
  • Beharren auf Bekanntem: „renoviert“ statt „renommiert“

Es gibt Kinder, die eine sehr begrenzte Anzahl von Phonemen aussprechen, aber das sehr gut. Kühnere Kinder versuchen, Wörter außerhalb der Grenzen ihrer Fähigkeiten auszusprechen. Im Allgemeinen hat jedes Kind seine eigenen Vorlieben für die Aussprache.

„Wir lernen Sprache durch unzählige Experimente.“

Ferdinand de Saussure

Morphosyntaktische Fehler

Morphologie und Syntax sind zwei grundlegende Bestandteile der Sprache. Kinder neigen bei der Entwicklung der morphosyntaktischen Komponente dazu, bestimmte Erwerbsmechanismen zu nutzen. Und Kinder sind wie Papageien! Sie wiederholen alles, was sie hören; auch das, was sie nicht hören sollten. Deshalb versuchen sie, ihre Eltern zu kopieren, wenn diese Schlagworte, Sprüche oder Redewendungen verwenden. Aber sie erinnern sich an sie als Ganzes. Sie erinnern sich nicht Wort für Wort an sie.

Deshalb können sie sie, wenn sie versuchen, sie zu imitieren und zu reproduzieren, nur in dem Kontext verwenden, in dem sie sie gelernt haben. Sie wissen nicht einmal, wie sie konstruiert wurden. Wenn zum Beispiel ein Kind hört, wie seine Mutter zu ihrem Mann sagt: „Wie hübsch du heute ausschaust!“,  wird das Kind diesen Satz in diesem Zusammenhang wiederholen. Es verallgemeinert die Formel nicht.

Gleichzeitig wissen Dreijährige noch lange nicht, wie das Sprachsystem aufgebaut ist. Sie kennen die Regeln der Grammatik nicht. Sie wissen nicht, dass Wörter nach bestimmten Kriterien zusammengestellt werden. Deshalb lernen sie syntaktische Formen noch unabhängig voneinander. Mit der Zeit wird ihnen jedoch klar, dass es Regeln gibt und sie sich ihnen unterwerfen müssen. An diesem Punkt treiben sie diese oft ins Extreme. Dies wird als Hyperkorrektur bezeichnet. Beispiele hierfür sind „Prüter“ statt „Brüder“ und „Kanz“ statt „Gans“.

Ein Junge flüstert einem Mädchen etwas ins Ohr

Wann man sich über sprachliche Fehler Gedanken machen sollte

Es gibt bestimmte Arten von sprachlichen Verhaltensweisen, die für das Entwicklungsalter der Kinder unzureichend sein können. Diese können auf eine gewisse Verzögerung beim Erwerb und der Entwicklung der Sprache hindeuten. Einige davon sind:

  • Falsche Aussprache der meisten Töne
  • Verwendung von isolierten oder sehr schlechten Formulierungen und Verwendung von Sätzen, die nur aus drei oder weniger Wörtern bestehen (was bis zum Alter von 36 Monaten jedoch normal ist)
  • Systematisches Weglassen von Verben, Präpositionen, Pronomen oder Artikeln
  • Mündliche Aussprache unverständlich oder fast unverständlich
  • Übermäßiger Gebrauch von Gesten, um eine Bedeutung zu vermitteln
  • Geringer Wortschatz. Keine Anzeichen eines fortschreitenden Worterwerbs

Dennoch sind die allermeisten sprachlichen Fehler von Kindern keine Symptome einer Verzögerung in der Entwicklung oder in ihren sprachlichen Fähigkeiten. Das Gegenteil ist der Fall. Sie sind in aller Regel Anzeichen dafür, dass die Kinder Fortschritte machen und beginnen, das System der Sprache zu erlernen.