Die Geschichte des Mannes, der seit 40 Jahren allein im Wald lebt

Als er 26 Jahre alt war, wurde Ken Smith fast zu Tode geprügelt. Danach wollte er nichts mehr von der Welt wissen und zog sich in die abgelegenen und wunderschönen schottischen Highlands zurück. Dort ist er seit mehr als vier Jahrzehnten zu Hause.
Die Geschichte des Mannes, der seit 40 Jahren allein im Wald lebt

Letzte Aktualisierung: 17. November 2021

Ken Smith ist 74 Jahre alt und würde gerne 100 Jahre alt werden, ohne seinen jetzigen Lebensstil zu ändern. Er lebt seit 40 Jahren allein im Wald. Dieser englische Einsiedler lebt auf schottischem Boden, baut sein eigenes Gemüse an, fischt und ruht jede Nacht in seiner Hütte, um den Sonnenuntergang in all seinen magischen Schattierungen über Loch Treig zu beobachten.

Wir könnten ihn als Henry David Thoreau des 21. Jahrhunderts bezeichnen. Der berühmte Philosoph und Autor von “Walden. Ein Leben mit der Natur” zog sich mit 28 Jahren aus der Welt zurück, um in die Wälder zu fliehen, Mr. Smith war etwas jünger, nämlich 26 Jahre. Jetzt hat die ganze Welt seine ungewöhnliche und interessante Geschichte in einem Dokumentarfilm kennengelernt, der bereits Tausende von Views erreicht hat.

Die Filmemacherin Lizzie McKenzie ist vor neun Jahren zufällig auf ihn und seine Geschichte gestoßen und zögerte nicht, ihm einen Besuch abzustatten und ihm einen Vorschlag zu machen. In diesem Gespräch beschlossen beide, einen Dokumentarfilm für BBC Schottland zu drehen, der jetzt unter dem Titel “The Hermit of Treig” zu sehen ist..

“Ich ging in die Wälder, weil ich bewusst leben wollte. Ich wollte das Leben auskosten. Ich wollte das Mark des Lebens einatmen! Und alles fortwerfen, das kein Leben barg, um nicht an meinem Todestag inne zu werden, daß ich nie gelebt hatte.”

Henry David Thoreau

Die Geschichte des Mannes, der seit 40 Jahren allein im Wald lebt

Ken Smith, der Mann, der seit 40 Jahren allein im Wald lebt

Ken Smith lebt in einer soliden, gemütlichen Blockhütte in den schottischen Highlands. Seine Zuhause befindet sich in der Nähe von Loch Treig und ist zwei Stunden zu Fuß von einer Straße in der Nähe von Rannoch Moor entfernt. Seien wir ehrlich, wer würde nicht gerne in den Highlands leben? Es gibt nur wenige Landschaften, die so eindrucksvoll und erstaunlich sind.

So faszinierend das auch klingt, es gibt jedoch einen Haken. Der Mann, der seit 40 Jahren allein im Wald lebt und mit seiner Geschichte die Welt auf den Kopf gestellt hat, hat keine unserer Annehmlichkeiten. Er hat kein fließendes Wasser, keinen Strom, kein Gas. Er ernährt sich vom Sammeln von Nahrung, baut an, was er kann, fischt und sammelt Feuerholz.

Sein Leben ist einfach, fast spartanisch, aber vor allem ist er glücklich. Mit Ruhe und Gelassenheit blickt er auf den Horizont. Er weiß, dass das Chaos der Zivilisation nicht bis dorthin reicht. Ken Smith zelebriert seine Einsamkeit inmitten der Natur, weil er sich sicher fühlt. Diese natürliche Umgebung ist der Zufluchtsort, den er vor vier Jahrzehnten wählte, als er beschloss, der Zivilisation den Rücken zu kehren…

Die Prügel, die ihn fast sein Leben kosteten… und ihm ein neues schenkten

Ken Smith kommt ursprünglich aus Derbyshire, England. Als er 15 Jahre alt war, fing er an, Feuerwachen zu bauen, und alles lief gut, bis er 26 Jahre alt war. Dann wurde er von Schlägern zusammengeschlagen und erlitt eine Hirnblutung, woraufhin er fast einen Monat im Koma lag.

Als er aufwachte, wurde er gewarnt, dass er wahrscheinlich nie wieder sprechen oder gehen würde. Aber er tat es. Und nicht nur das: Nachdem er dem Tod in die Augen geblickt hatte, veränderte sich etwas in ihm. Die meisten machen in dieser Situation ähnliche Erfahrungen. Dieses Erlebnis weckte in ihm den Wunsch, die Natur zu erforschen und mit ihr in Kontakt zu treten.

Damals sagte er sich, dass er nie wieder nach den Regeln anderer leben würde, sondern nur nach seinen eigenen. Seine erste Entscheidung war, in den Yukon zu reisen, die kanadische Wildnis an der Grenze zu Alaska, wo er sich auf einen 35.000 Kilometer langen Treck begab. Als er nach Derbyshire zurückkehrte, wurde sein Leben auf den Kopf gestellt. Kaum angekommen, erfuhr er, dass seine Eltern gestorben waren.

In diesem Moment wurde ihm klar, was er wirklich tun wollte… Diese Flucht und Suche zugleich machte ihn zu dem Mann, der seit 40 Jahren allein im Wald lebt und der es im Gegensatz zu vielen anderen geschafft hat, sein Glück und sein Gleichgewicht im Leben zu finden.

1984 beschloss Ken Smith, nach Schottland zu reisen und einen möglichst abgelegenen Ort zu finden. Damals stieß er auf Loch Treig, das “einsame Loch”, wie er es liebevoll nennt. Er identifizierte sich so sehr mit der Landschaft, dass er sie zu seinem Zuhause machte.

Die Geschichte des Mannes, der seit 40 Jahren allein im Wald lebt

Der Mann, der seit 40 Jahren allein im Wald lebt und seinen eigenen Wein herstellt

Ken Smith ist ein Mensch, der den Wald und das Land liebt und sich von ihnen lieben lässt. Er ist ein großartiger Angler und ein geschickter Gärtner. Außerdem braut er seit Jahrzehnten sein eigenes Bier und seinen eigenen Wein.

Um den Überblick über den Rest der Welt zu behalten, hat er ein Radio und eine Armbanduhr. Vor ein paar Jahren bekam er auch eine Kamera und einen GPS-Sender für Notfälle. Die Filmemacherin Lizzie McKenzie schenkte ihm 2019 diese Geräte.

Er ist ein Einsiedler, aber wir sollten ihn nicht als die klassische Figur betrachten, die die Menschheit hasst und verleugnet. Ken Smith bleibt in Kontakt mit Freunden und Familie. Eines seiner liebsten Hobbys ist es sogar, ihnen Briefe zu schreiben.

Wald und Natur, die beste Zuflucht bis ans Ende seiner Tage

Gerade als die Dreharbeiten für den Dokumentarfilm 2019 zu Ende gingen, erlitt Ken Smith einen Schlaganfall. Zum Glück war Lizzie McKenzies Geschenk ein Glücksfall. Er hatte noch Zeit, das SOS-Signal zu aktivieren, und schon bald flog ihn ein Hubschrauber ins Krankenhaus.

Er verbrachte fast sieben Wochen im Krankenhaus. Sein Gedächtnis funktionierte nicht mehr wie zuvor, ebenso wenig wie sein Sehvermögen. Die Ärzte rieten ihm, in die Zivilisation zurückzukehren, aber wenn du die Natur als dein Zuhause hast, kannst du nicht zu lange von ihr wegbleiben. Ken ist in sein Haus am See zurückgekehrt und lässt sich alle zwei Wochen von einem Ranger Essen bringen und besuchen.

Wie er selbst sagt, weiß er, dass seine Zeit auf der Erde begrenzt ist. Wir sind nur vorübergehende Gäste in dieser manchmal chaotischen, manchmal extrem schönen Welt. Sein Wunsch ist es, hundert Jahre alt zu werden, um weiterhin seine Einsamkeit an diesem privilegierten Ort, den Highlands, zu genießen.

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