Die Geister, die du seit deiner Kindheit mit dir herumschleppst

4. Februar 2016 en Psychologie 1583 Geteilt

Die Kindheit ist die bedeutendste Etappe im Leben, wenn es darum geht, sich Werte, Wissen und Verhaltensformen anzueignen. Viele Psychologen, die auf die Erforschung der Stufen kindlicher Entwicklung spezialisiert sind, wie Jean Piaget oder Erik Eriksson, stellen die Wichtigkeit eines graduellen Reifeprozesses heraus, in dem man die einzelnen Stufen auf befriedigende Weise abschließt, um nicht in einer von ihnen stecken zu bleiben.

Wenn man danach fragt, welche Personen die Kinder am meisten beeinflussen, dann sind dies ganz klar ihre nächsten Verwandten oder ihre wichtigsten Erzieher. Die überwiegende Mehrheit der Eltern und der Erzieher lieben uns, wollen das Beste für uns und wissen, dass dies eine komplizierte Aufgabe ist. Jedoch ist wollen oft nicht gleich können.

Was wir in der Kindheit erleben, beeinflusst uns, wenn wir erwachsen sind.

Nicht jede Mutter- oder Vaterschaft geschieht unter idealen Bedingungen. Manchmal ist die Aufgabenverteilung unausgewogen, es fehlt an emotionaler Reife, das Elternpaar geht durch eine Krise oder manche Personen sind schlicht und einfach mit der neuen Verantwortung überfordert oder sie bereitet ihnen zumindest Schwierigkeiten.

schmetterlinge

In diesem Artikel möchten wir niemanden für sein Tun verurteilen, dies soll nicht so verstanden werden. Jedoch haben manche Erziehungsformen das Leben von Kindern negativ geprägt, die heute bereits erwachsen sind. Wir werden einige aufzählen und sie mit Verhaltensweisen in Zusammenhang bringen, die im Erwachsenenleben auftreten können. Denn manchmal ist die Erkenntnis und die Selbstbeobachtung die beste Waffe, um unsere Geister zu besiegen.

Verhaltensweisen von Eltern, die ihre Kinder nicht voll leben lassen

Die Erfahrungen, die wir in der Kindheit machen, sind in vielen Fällen bestimmend für unser Leben als Erwachsene. Es existieren eine Reihe von Verhaltensweisen der Eltern ihren Kindern gegenüber, die, anstatt ihnen zu helfen, sie unfähig machen, in ihrer Zukunft ein erfüllendes Leben zu führen:

  • Die Überbehütung: Eltern wollen vermeiden, dass ihren Kindern etwas Schlechtes passiert und glauben, dass der Schlüssel dazu darin besteht, ihnen weniger Freiheit zu geben. Ihre Angst ist so intensiv, dass sie das Bedürfnis haben, ihre Kinder in einer „sicheren Umgebung“ zu kontrollieren. Dies kann zu Folgeerscheinungen führen wie Schüchternheit, fehlender Initiative, pathologischen Zweifeln darüber, irgendeine Aktivität allein zu beginnen, und einer fortwährenden Suche nach Bestätigung.
Die Kindheit sieht, denkt und fühlt auf ihre eigene Art. Es gibt nichts törichteres, als zu versuchen, sie durch die unsere zu ersetzen.“
Jean Jacques Rousseau
fensterblick
  • Projektion der unerfüllten Wünsche aus der eigenen Jugend auf die Kinder: Manche Eltern wünschen sich sehr, dass ihre Kinder das werden können, was sie selbst nie geschafft haben zu sein, ohne sie nach ihrer Meinung zu fragen. Und wenn sie dann nicht das werden, was von ihnen erwartet wurde, dann fühlen sie, dass das, was sie machen, keinen großen Wert hat. Die Folgen sind fehlendes Selbstwertgefühl, geringe Frustrationstoleranz und emotionale Abhängigkeit.
  • Fehlende Zuneigung: Dieses Verhaltensweise hat größte Zerstörungskraft. Ein Kind braucht den Kontakt zu seinen Eltern, hat ein Bedürfnis danach, Zuneigung zu bekommen oder wahrzunehmen. Wenn dies ausbleibt, dann wird es annehmen, dass Kälte und Distanziertheit die richtige Form ist, sich zu verhalten. Die Folgen sind eine verzweifelte Suche nach Zuneigung von anderen Menschen und Probleme, seine Gefühle abzuwägen und auszudrücken.
„Jedes Kind kommt mit einem gewissen Sinn für Liebe auf die Welt, doch hängt es von den Eltern, den Freunden ab, ob diese Liebe es rettet oder verdammt.“
Graham Greene
  • Depressives Verhalten bei einem engen Familienmitglied oder Gefühl der Nutzlosigkeit: Wenn ein Kind zu Hause damit konfrontiert wird, dass Menschen ständig vermitteln, wie sehr das Leben sie unglücklich macht, dann erzeugt dies eine starke, emotionale Beanspruchung in dem Kind. In diesem Alter braucht es eine angenehme Umgebung voller Vitalität.
  • Vergleiche mit anderen Personen oder Geschwistern: Manche Eltern glauben, dass Erziehung bei allen Kindern genau gleich funktioniert, und ignorieren dabei ihre individuellen Unterschiede. Die Folgen sind ein Gefühl der Nutzlosigkeit beim Kind und außerdem ein Mangel an Vertrauen in seine Fähigkeiten und Geschicke.

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  • Streit und Konflikte oder eine Scheidung der Eltern: Alle Scheidungen sind hart, aber wenn Kinder dabei im Spiel sind, dann wird es noch komplizierter. Viele Paare benutzen die „elterliche Entfremdung“ ihrer Kinder, und zerstören damit komplett ihre Unschuld und erreichen, dass diese sich als Problem fühlen. Das Kind wird ein ausgeprägtes Gefühl des Verlassenseins haben, und auch kognitive und emotionale Verwirrung spüren.

Wenn die Probleme, die wir in der Kindheit durchlebt haben, weiter schmerzen

Auch wenn viele Jahre vergangen sind und alles Erlebte sehr weit weg und vergessen erscheint, musstest du vielleicht mit den Folgen leben, die wir erklärt haben. Manchmal trägst du scharfe Erinnerungen an all diese Situationen in dir, die dich haben schlecht fühlen lassen und die du nicht verstanden hast, aber heute verstehst du sie, jedoch mit etwas Schmerz und viel Resignation.

Eine gute Art, um diesen Ballast loszuwerden, ist es, eine emotionale Reinigung mit den Personen zu durchgehen, die diese Situation mit dir zusammen durchlebt haben, inklusive deiner Eltern. Dies soll heißen, dass du dich von all dem befreist, was du in dir trägst, indem du ihm Ausdruck verleihst. Es ist ungemein wichtig, sich von dem Negativen, von diesem Ballast zu befreien, da es uns hilft, dann leichter weiterzulaufen.

Du wirst ihre Umstände im Vergleich zu deinen besser kennenlernen und an den Punkt kommen, an dem du nicht das Gleiche bei deinen Kindern wiederholen wirst. Einmal reicht, denn man kann die Dinge immer besser machen. Es geht schließlich nicht nur darum, einfach die Seite umzublättern.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Yejukoo, Duy Huynh, Dilka Oso

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