Die Falle der zu hohen Erwartungen an Beziehungen

27. April 2019

In einer romantischen Beziehung zu sein, ist für viele Menschen sehr wichtig. Aber warum leiden dann so viele Menschen, wenn sie in einer Partnerschaft sind? Eine Antwort auf diese Frage könnte sein, dass wir dazu neigen, zu hohe Erwartungen eine Beziehung zu stellen, die gar nicht erfüllt werden können.

Wir alle haben eine Vorstellung davon, wie unsere perfekte Beziehung sein sollte. Wir träumen von einem Partner, der alle Kriterien erfüllt, die wir uns nur ausmalen können. Leider ist die reale Welt nie so perfekt wie unsere Fantasien

Wenn wir dann in einer Beziehung, tendieren wir dazu, unseren Partner mit unseren Fantasien abzugleichen. Das kann leicht zu Enttäuschungen führen. In diesem Artikel erläutern wir, wie wir Probleme vermeiden können, die mit zu hohen Erwartungen an Beziehungen einhergehen.

Ein Paar sitzt auf einer Wiese und beobachtet den Sonnenuntergang.

Warum verursachen zu hohe Erwartungen an Beziehungen Probleme?

Der menschliche Geist operiert rational und das kann mitunter viel Leid verursachen. Albert Ellis, der Vater der rationalen-emotiven Verhaltenstherapie, ging davon aus, das wir Schmerz nicht aufgrund dessen empfinden, was uns passiere. Viel eher sind es unsere Gedanken darüber, was mit uns geschehe, die uns schmerzen. 

Noch bevor wir eine neue Beziehung eingehen, entwickeln wir eine Vorstellung davon, wie diese aussehen sollte. Wenn unser neuer Partner aber von unseren Erwartungen abweicht – was zwangsläufig geschieht -, fühlen wir uns enttäuscht und verloren. Was uns dann in den Sinn kommt, sind Gedanken wie „Er passt überhaupt nicht zu mir“  oder „Das ist es nicht, was ich wollte“.

„Erwartung ist die Wurzel allen Kummers.“

William Shakespeare

Aus diesem Grund sind zu hohe Erwartungen an Beziehungen schädlich. Darüber hinaus verschlimmert sich das Problem über die Zeit, weil wir oft nicht ehrlich mit unserem Partner sind. Zum Beispiel treffen wir unseren Partner auf ein Date und haben bestimmte Erwartungen, wie er sich verhalten soll. Aber wir kommunizieren diese Erwartungen nicht, sondern sind überzeugt, er könnte diese erraten. Wenn also die andere Person unweigerlich gegen eine unserer nicht explizit definierten Regeln verstößt, erfahren wir Frustration. Müssen wir uns aber wirklich so fühlen?

Wie wir negative Konsequenzen vermeiden können, die aus zu hohen Erwartungen an Beziehungen entstehen können

Hier sind einige Tipps, mit denen wir verhindern können, dass unsere Erwartungen unsere Beziehungen sabotieren:

1. Seien wir etwas flexibler

Gelegentlich erstellen wir eine Checkliste, bevor wir uns auf die Suche nach einem Partner begeben. Da gibt es eine Reihe von Kriterien, die der andere erfüllen soll. Das Problem ist, dass Menschen selten perfekt sind, sodass es für sie fast unmöglich ist, die Erwartungen, die wir an den idealen Partner hegen, zu erfüllen.

Hören wir auf, zu versuchen, jemanden zu finden, der zu 100 % perfekt ist, unserer Liste in allen Punkten entspricht. Versuchen wir stattdessen, im Moment zu leben und auch mal unser Herz sprechen zu lassen. Erwartungen zu haben ist eine Sache, aber zu hohe sind eine andere. Denken wir daran, dass zu hohe Erwartungen unseren Beziehungen mehr schaden als nützen.

Ein Paar sitzt auf der Couch und unterhält sich.

2. Erläutern wir, was nicht verhandelbar ist

Bedeutet das nun, dass wir von unserem neuen Partner nichts erwarten dürfen? Überhaupt nicht. Wir müssen unsere eigenen Grenzen kennen und herausfinden, was für uns nicht verhandelbar ist. Sobald wir das getan haben, ist es für uns einfacher, mit unserem Partner darüber zu sprechen.

So weiß unserer Partner, was uns wirklich stört. Das hilft ihm, zu vermeiden, bestimmte Dinge zu tun, die wir wirklich nicht mögen. Jetzt weiß er ja Bescheid. Ehrlich mit unserem Partner zu sein, ist die Voraussetzung dafür, dass das funktioniert.

3. Entdecken wir die Grenzen unseres Partners

Es ist großartig, zu wissen, was für uns nicht verhandelbar ist. Damit die Beziehung jedoch funktioniert, müssen wir auch die Grenzen unseres Partners kennenlernen. Der einfachste Weg, um diese zu erfahren, ist, ihn danach zu fragen. 

Leider weiß nicht jeder, was für sein Wohlbefinden wirklich wichtig ist. Wenn wir also feststellen, dass es unserem Partner schwerfällt, uns mitzuteilen, was ihn stört, helfen wir ihm, diese Dinge zu kommunizieren. 

„Idealisiere nicht. Andere werden niemals zur Gänze deinen Erwartungen entsprechen. Analysiere deine Beziehungen nicht übermäßig.“

Leo Buscaglia