Jeden Tag fühle ich mich weniger perfekt

27. November 2017 en Psychologie 308 Geteilt
Weniger perfekt - die eigenen Schwächen akzeptieren und so stärker werden

Jeden Tag fühle ich mich weniger perfekt und es macht mir nichts aus. Ja, mich macht das sogar stolz, bewirkt, dass ich mich freier und authentischer fühle. Jetzt gehe ich mit leichterem Schritt durchs Leben, ohne das Gewicht anderer Leute auf meinen Schultern, ohne Dornen in meinem Herzen. Es gibt keine Steine mehr auf meinem Weg, über die ich auf meiner hoffnungsvollen Reise zu mehr Harmonie und mehr Möglichkeiten stolpern könnte.

All diese Ideen kann man mit den Worten „persönliches Wachstum“ zusammenfassen. Und es wurden zahlreiche Ansätze, Strategien und Fähigkeiten beschrieben, die man benutzen kann, um den Sprung zu wagen und in sich selbst zu investieren. Es ist jedoch nicht ganz einfach, diese versteckten Talente herauszufinden, das Beste aus sich herauszuholen, und dem Horizont mit einem klaren Verstand und einem glühenden Herzen entgegenzusehen. Die Verlage, die entsprechende Literatur vertreiben, sind sich bewusst, dass die Leser von Werken, die sich mit persönlicher Entwicklung und Wachstum beschäftigen, vor allem Frauen sind.

„Wofür brauche ich Füße, wenn ich fliegen kann?“

Frida Kahlo

Frauen versuchen, die Grenzen ihrer eigenen Lebensumstände zu überschreiten. Sie tun dies, damit sie wachsen können, ihr Umfeld und die Gesellschaft verändern können, auch wenn diese Veränderungen nur sehr langsam statt finden und die Gesellschaft weiterhin durch das männliche Geschlecht dominiert wird.

In unserer Welt ist das persönliche Wachstum ein essenzielles Erfordernis in jedem Lebensbereich. Jedes Unternehmen, jedes Projekt wird vom gleichen Gesetz bestimmt: Entweder wächst du, oder du verschwindest. Auf menschlicher Ebene sieht es etwas anders aus. Manchmal bedeutet Wachstum hier, dass man aufhört, Angst davor zu haben, seine Stimme zu erheben. Dass man es wagt, etablierte Normen zu hinterfragen und seine eigenen Fähigkeiten zu zeigen. Frauen sind mehr denn je dabei, Fortschritte in diesem Bereich zu machen und Schranken zu durchbrechen.

Frau mit rotem Vogel auf der Hand

Persönliches Wachstum bedeutet, über sich selbst hinauszuwachsen

Die meisten unserer Leser haben schon von Abraham Maslows berühmter Hierarchie der Bedürfnisse gehört. Dieser Theorie zufolge, die er im Jahr 1940 entwickelt hat, steht die Selbstverwirklichung an der Spitze der Bedürfnispyramide.

Was jedoch nicht viele wissen, ist, dass Maslow selbst zwei Jahrzehnte später fest gestellt hat, dass seine Theorie fehlerhaft war: Die Suche nach Selbstverwirklichung beinhaltet, dass wir alle unsere Bemühungen und Energie ausschließlich auf uns selbst konzentrieren. Dass wir uns danach sehnen, fähig, unabhängig, kreativ, mutig und vor allem selbstgenügsam zu sein. Maslow stellte in diesem Zusammenhang fest, dass die meisten Menschen die Spitze seiner Pyramide als eine Art Krone interpretierten, die eine ehrbare Person erhalten würde, wenn sie sich selbst als fähig, stark und losgelöst von ihrer Umwelt einschätzte.

Diese Interpretation weckte den Anschein, dass es an der Spitze der Bedürfnispyramide kein Gemeinwohl gäbe, dass sie keinem höheren Zweck diente. Das war der Fehler. Deshalb fügte er eine weitere Stufe ein, die sogar über die Selbstverwirklichung hinausging, genau das zu korrigieren: die Selbsttranszendenz.

Frau mit Gitarre

Interessanterweise ist das Bedürfnis nach Selbsttranszendenz eine Eigenschaft, die die meisten Frauen ausmacht, die ihr persönliches Wachstum und ihre Entwicklung pflegen. Moderne Frauen sind sich ihrer Identität und ihres Potenzials sicher. Sie müssen sich nicht selbst verherrlichen, sie müssen nicht maßlos sein. Mehr als alles andere versuche sie, über ihre Grenzen hinauszugehen, zu transzendieren, was andere ihnen auferlegt haben. Sie wollen sich mit ihrer Umwelt verbinden, um sie dann zu verändern.

Weniger perfekt und frei von den Erwartungen anderer Leute

Frauen müssen nicht perfekt sein, um ihr Bestes zu geben und um erfolgreich zu sein. Sie müssen nur sie selbst sein. Dr. Saskia Sassen, eine holländische Soziologin und Autorin, die für ihre Werke über die Globalisierung bekannt ist, erklärt, dass die meisten von uns dazu gezwungen seien, sich an eine Welt anzupassen, die einfach nicht funktioniere.

„Ich erwarte nichts von niemandem. Erwartungen tun immer weh.“

William Shakespeare

Deshalb sollten Frauen verstehen, dass sie erst sich selbst befreien müssen, bevor sie Schritte in Richtung Selbstverwirklichung und Selbsttranszendenz unternähmen, nach der sie sich so sehr sehnen. Es ist notwendig, dass sie mit den Stereotypen, Befehlen, Vorurteilen und veralteten Erwartungen brechen, die sie gefangen halten.

Es ist nicht notwendig, perfekt zu sein, um als eine Person etwas Wert zu sein. Es gibt keinen perfekten Körper, die perfekten Angestellte, die perfekte Mutter, die perfekte Freundin und auch nicht die perfekte Tochter oder Frau.

Tanzende Frau mit buntem Rock

Du bist, wer du bist, und du verdienst, diejenige zu sein, die du gern sein möchtest. Um dies zu erreichen, musst du dir Ziele setzen, auf sie mit Hoffnung und Leidenschaft hinarbeiten. Weiterhin solltest du vergessen, was andere Leute erwarten und dich nur nach deinen eigenen Erwartungen richten, weil sie die einzigen sind, die einen Wert für dich haben.

Zu guter Letzt ist es wichtig, dass du immer du selbst bleibst – frei von Widersprüchlichkeit, Täuschung und Vorurteilen. Nur dann bist du dazu in der Lage, in Harmonie mit deiner Umwelt zu leben. Nur dann kümmerst du sich so um sich selbst, wie du es verdient hast. Nur dann gibst du dein Bestes für die Welt und machst sie ein wenig respektvoller und würdevoller.

Auch interessant