Die Fabel von Andrés: Niemand ist unersetzbar!

· 6. Juni 2019

Die Moral der Fabel von Andrés lehrt uns, dass wir uns nicht ausschließlich mit unseren eigenen Zielen beschäftigen sollten. Denn wenn wir die Augen verschließen und Barrieren aufbauen, isolieren wir uns von der Welt. Niemand ist unersetzbar!

In dieser Fabel geht es um einen außergewöhnlichen Buchhalter, einen brillanten und ehrgeizigen jungen Mann, für den seine berufliche Laufbahn an erster Stelle stand.

Nach dem Abschluss seines Studiums mit vorzüglichen Noten wurde er von seinen Professoren weiterempfohlen und konnte in einem renommierten Unternehmen als Assistent beginnen.

Der gute Andrés war morgens der Erste am Arbeitsplatz und abends der Letzte, der sein Büro verließ. Er widmete sich mit Herz und Seele dem Unternehmen und ging komplett in seiner Arbeit auf.

Sein Ziel war es, möglichst viel zu lernen, effizient zu sein und für die Firma unersetzbar zu werden. Deshalb scheute er keine Mühen und investierte all seine Zeit in seinen Beruf.

Andrés erbrachte durch seine Motivation ausgezeichnete Leistungen und wurde von seinem Chef deshalb bereits nach kurzer Zeit befördert. Auch in seiner neuen Position tat er sich sehr positiv hervor und engagierte sich noch mehr!

Zusätzlich zu seinen Aufgaben bildete er sich durch Fachliteratur weiter und lernte neue Methoden, um noch effizienter zu werden. Er wurde für seinen unermüdlichen Einsatz auch von seinen Kollegen sehr geschätzt. 

„Leidenschaft ist eine positive Besessenheit. Besessenheit ist eine negative Leidenschaft.“

Paul Carvel

Neue Verantwortung

Die erstaunlichen Vorzüge des jungen Mannes wurden von allen sehr gelobt. Nur zwei Jahre nach seinem Einstieg beschloss der Vorstand des Unternehmens, Andrés zum Abteilungsleiter zu ernennen.

Niemand sei besser als er, um diese Aufgabe zu übernehmen, darüber waren sich alle einig. Er habe es sich verdient und die Buchhaltung des Unternehmens sei damit in den besten Händen.

Als Andrés diese leitende Position übernahm, konzentrierte er sich noch mehr auf seinen Job, um keine Fehler zu machen und unersetzbar zu sein. Er arbeitete besessen 12 Stunden am Tag. Doch er entwickelte allmählich unerklärliche Ängste und glaubte, von anderen um seinen Posten beneitet zu werden.

Er hatte sich sein Ansehen und sein Gehalt als Abteilungsleiter hart erarbeitet, doch natürlich strebten auch andere nach dieser Position. Dadurch wurde Andrés immer misstrauischer, was sich schließlich zu einer Krankheit entwickelte. 

Seine Aufgabe als Führungskraft bestand unter anderem auch darin, anderen Arbeit zuzuweisen und sie zu loben. Doch damit hatte er erhebliche Probleme. Er war nicht fähig, anderen zu zeigen, wie sie effizienter sein und ihre Arbeit besser erledigen könnten.

Warum? Andrés wollte seinen Mitarbeitern nicht zu viel Information geben, denn er hatte Angst, dass sie besser als er selbst sein könnten und sah dadurch seine eigene Position bedroht. Nach kurzer Zeit wurde er nicht mehr um Rat gefragt.

Hände auf Laptop neben Taschenrechner und Statistiken. Niemand ist unersetzbar!

Unerwartete Veränderungen

Zunächst lief für den aufstrebenden Abteilungsleiter weiterhin alles zufriedenstellend weiter. Doch dann tauchte Juan auf.

Ein paar Jahre nachdem Andrés seine Führungsposition übernommen hatte, bat ihn der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens persönlich, Juan auszubilden.

Dieser junge Mann sollte seine rechte Hand werden, denn es war nicht zu übersehen, dass Andrés überarbeitet und gestresst warDoch die neue Situation war für ihn besonders schwierig und unangenehm.

Wie gewohnt gab Andrés seinem neuen Mitarbeiter Juan nicht viel Erklärungen und half ihm nicht bei der Einschulung. Juan bemerkte dies zwar, doch bestand nicht darauf. 

Er beschäftigte sich damit, seine Arbeit kennenzulernen und mithilfe seiner Mitarbeiter die Unternehmensziele zu erreichen. Ab und zu hatte er Fragen und machte Vorschläge, um Dinge zu verbessern. Er erbrachte gute Leistungen und war fähig, Fehler schnell zu korrigieren.

Weitere Jahre vergingen, bis der Vorstand ankündigte, einen neuen Geschäftsführer wählen zu wollen. Andrés, der sich über Jahre mit den für das Unternehmen relevanten Themen beschäftigt hatte, dachte, sein großer Moment sei endlich gekommen.

Die Entscheidung wurde gründlich vorbereitet und am Ende waren nur noch zwei Kandidaten übrig: Andrés und Juan.

Die Moral von der Geschichte: Niemand ist unersetzbar!

Gegen alle Vorhersagen wurde Juan zum neuen Geschäftsführer gewählt. Andrés konnte es nicht glauben. Kein Mitarbeiter war so effizient wie er. Er konnte einfach nicht verstehen, warum nicht er für diesen Posten gewählt gewählt worden war.

Der Vorstand erklärte jedoch, dass er als Leiter Buchhaltungsabteilung unersetzlich sei. Niemand könne diesen Job besser machen als er, also müsse er in dieser Position bleiben.

Zu einem späteren Zeitpunkt wurden die Mitarbeiter der Buchhaltung zu einer Schulung eingeladen. Andrés wollte teilnehmen, sollte aber nicht die Gelegenheit dazu haben.

Da er sich selbst in Aufgaben und Verantwortlichkeiten ertränkte und zwölf Stunden am Tag arbeitete, war es ihm unmöglich, sich genügend Zeit für den Kurs zu nehmen.

Überarbeiteter Angestellter im Büro: niemand ist unersetzbar!

In dieser Weiterbildung wurden neue Arbeitsweisen und neue Software erklärt. Da Andrés nicht teilnehmen konnte, wusste er darüber nicht Bescheid. Er machte immer häufiger Fehler und war nicht in der Lage, sich an die Neuerungen anzupassen. Jetzt war er auf die Hilfe seiner Mitarbeiter angwiesen.

Dazu kam, dass die neue Softwar verschiedene Aufgaben automatisch erledigen konnte, auf die sich Andrés spezialisiert hatte. Da er jedoch schon lange in der Firma war, wurde er nicht entlassen, sondern erhielt eine niedrigere Position.

Die Moral dieser Fabel lehrt uns: Niemand ist unersetzbar und Besessenheit macht schließlich krank. Sie kann uns blind machen und das, was wir am meisten fürchten, Realität werden lassen.

 

  • Leonard, A., & Conrad, A. (2018). La historia de las Cosas: De cómo nuestra obsesión por las cosas está destruyendo el planeta, nuestras comunidades y nuestra salud. Y una visión del cambio. Fondo de Cultura Económica.