Die Entwicklung des formalen Denkens (Merkmale und Beispiele)

Das formale Denken beginnt im Jugendalter und setzt sich im Erwachsenenalter fort. Es ermöglicht es uns, komplexe Probleme zu lösen, Hypothesen aufzustellen und in die Zukunft zu blicken.
Die Entwicklung des formalen Denkens (Merkmale und Beispiele)

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 19. Juli 2022

Die Entwicklung des formalen Denkens ist Teil der kognitiven Entwicklungstheorie, die von dem Schweizer Psychologen, Erkenntnistheoretiker und Biologen Jean Piaget entwickelt wurde. Diese Theorie bietet eine umfassende Erklärung für das Wesen und die Entwicklung der menschlichen Intelligenz.

Piaget beschreibt das Stadium der formal-operationalen Intelligenz in der vierten und letzten Entwicklungsstufe, die in einem Altersbereich von etwa 11 bis 12 Jahren beginnt. In dieser Phase entwickelt sich das formale Denken, das Jugendlichen die Fähigkeit gibt, über die unmittelbare Gegenwart hinaus zu denken und eine zukünftige Realität zu projizieren. Wir betrachten diese Kapazität anschließend etwas genauer.

Die Entwicklung des formalen Denkens

Das formale Denken ist eine Phase der kognitiven Entwicklung, die in der frühen Jugend beginnt. Diese Kapazität ermöglicht es uns, über die konkrete Gegenwart hinauszugehen und damit zu beginnen, abstrakte Darstellungen der Realität zu erarbeiten.

Jean Piaget war der Erste, der dieses Konzept verwendete. Er bezeichnet es als Meilenstein, den die große Mehrheit der Menschen unabhängig vom sozialen und schulischen Kontext erreicht.

In der Regel entwickelt sich diese Denkart zu Beginn der Adoleszenz (zwischen 11 und 20 Jahren). Es handelt sich um die letzte kognitive Stufe (nach der Entwicklung der sensomotorischen Intelligenz, der präoperationalen Phase und der konkret-operationale Phase). 

Entwicklung des formalen Denkens in der Jugend

Kleinkindalter: Denken im “Hier und Jetzt”

Wenn Kinder klein sind, leben sie im “Hier und Jetzt”. Ihre Realität und ihr Denken verschmelzen zu einem einzigen Moment, der Gegenwart. Wenn sie also Gedanken oder Argumente ausarbeiten müssen, verlassen sie sich auf diese Gegenwart, um dies zu tun.

Sie gehen nicht weiter, und das ist für ihre Entwicklungsstufe normal. Im Laufe der Jahre und mit zunehmendem Alter entwickeln Kinder jedoch die Fähigkeit, mentale Operationen zur Konjugation verschiedener Zeitformen durchzuführen; sie können nun ihre Vorstellungskraft mühelos einsetzen, um in die Zukunft und die Vergangenheit zu reisen und scheinbar weit entfernte Ereignisse miteinander zu verbinden.

Formales Denken: Über die gegenwärtige Realität hinausgehen

In der Phase des formalen Denkens erwerben Jugendliche die Fähigkeit, Hypothesen aufzustellen, die über das hinausgehen, was ihre Augen sehen. Sie fangen an, Analysen zu machen und Gedanken zu entwickeln, die sich nicht nur auf die gegenwärtige Realität konzentrieren. Sie verstehen außerdem Naturgesetze, die bestimmte Phänomene erklären.

Ein Beispiel: Stell dir vor, es regnet. Ein kleines Kind kann Folgendes verstehen: Das Wasser, das vom Himmel fällt, kommt von den Wolken. Ein Jugendlicher, der bereits das formale Denken entwickelt hat, versteht jedoch viel komplexere Zusammenhänge: Er versucht, den Ursprung herauszufinden, um eine Erklärung zu finden, die seine Sinne nicht wahrnehmen können.

Merkmale des formalen Denkens

Jean Piaget und Bärbel Inhelder, eine Schweizer Psychologin, waren Referenten in der Forschung über formales Denken. Sie sprachen von verschiedenen wichtigen Merkmalen dieser kognitiven Phase, auf die wir uns nun beziehen werden.

Die Flexibilität des Gehirns aktiviert in der Adoleszenz neue Gehirnprozesse, die helfen, neue Theorien und Meinungen zu verschiedenen Themen zu entwickeln. Daher können Jugendliche abstrakte Hypothesen entwickeln, die sie in Zukunft mit der Realität vergleichen können.

In dieser Phase gibt es jedoch eine Reihe von Aspekten, die es zu beachten gilt. Diese sind:

Die Bedeutung der Sprache

Das formale Denken entwickelt sich und die Sprache nimmt eine immer wichtigere Rolle ein. Jugendliche denken nicht mehr nur über physikalische Aspekte der Realität nach, sondern auch über Aspekte, die mit der Sprache zu tun haben.

Komplexe Aussagen

Durch formales Denken sind Jugendliche auch in der Lage, komplexe Aussagen zu verstehen und entwickeln (was in der Kindheit nicht der Fall war). Sie können die Realität detaillierter beschreiben, zum Beispiel durch Nebensätze und Konditionalsätze.

Problemlösung

Das formale Denken ist nach Piaget und Inhelder auch zum Lösen von Problemen nützlich. Es handelt sich um eine Art des Denkens, die es ermöglicht, die benötigten Informationen abzurufen, sie zu ordnen und Unwichtiges zu verwerfen, um etwa vorherzusagen, was in den nächsten Tagen passieren wird.

“Die wesentlichen Funktionen des Geistes bestehen aus Verstehen und Erfinden, d.h. dem Aufbau von Strukturen durch Strukturieren der Realität.”

Jean Piaget

Die Entwicklung des formalen Denkens in der Jugend

Vorhersagen und Hypothesen

Wie bereits erwähnt, basieren die Analysen in dieser kognitiven Phase nicht mehr nur auf dem, was unsere Augen sehen, sondern auf dem, was man sich vorstellen, hypothetisieren oder vorhersagen kann. Außerdem werden nicht mehr nur das Verhalten oder die Menschen analysiert, sondern auch Gefühle und Emotionen. Das bedeutet, über das Sichtbare hinauszugehen.

Ein Kind kann zum Beispiel sagen, dass es seine Geschwister liebt, weil sie zur Familie gehören. Ein Jugendlicher kann hinzufügen, dass er ihre Unterstützung, ihr Verständnis und ihre Zuneigung schätzt.

Formales Denken kennzeichnet die letzte Stufe der kognitiven Entwicklung des Menschen. Durch sie können wir Überlegungen und Analysen anstellen, die über die greifbare Realität hinausgehen.

Die Entwicklung des formalen Denkens gibt uns geistige Flexibilität. Wir sind dadurch in der Lage, komplexere Aussagen zu verstehen und auszuarbeiten. Dies ist grundlegend in der Problemlösung und ermöglicht es uns, abstrakte Ideen zu entwickeln.

“Wissenschaftliches Denken ist nicht statisch, es entwickelt sich ständig.”

Jean Piaget

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