Die emotionale Führung laut Daniel Goleman

23. August 2019

Zu wissen, wie man führt, ist eine der wichtigsten Fähigkeiten für Menschen, die mit Teams arbeiten und diese anleiten wollen. Ob es sich nun um den Direktor eines Unternehmens handelt oder um jemanden, der in seiner Arbeit andere motivieren muss, die Fähigkeit, inspirieren und lenken zu können, ist unerlässlich, um jegliche Ziele zu erreichen. Und obwohl es verschiedene Möglichkeiten gibt, um in dieser Art der Arbeit erfolgreich zu sein, ist die emotionale Führung eine der effektivsten.

Dieses Konzept wurde von Daniel Goleman, Richard Boyatzis und Annie McKee in ihrem Buch Emotionale Führung  vorgestellt. Darin sprechen sie von sechs verschiedenen Arten der emotionalen Führung. Jede von ihnen kann in einer bestimmten Situation nützlich sein, doch die gute Nachricht ist, dass sich jeder mit etwas Mühe und Engagement jede dieser Arten der Führung aneignen kann.

In diesem Artikel werden wir sehen, worin dieser Ansatz genau besteht und welche aus rationaler Sicht die wichtigsten Vor- und Nachteile sind.

Was ist emotionale Führung?

Die von Goleman, Boyatzis und McKee beschriebenen Führungsstile unterscheiden sich von jenen, die andere Autoren definiert haben, durch ihre ausgeprägten Auswirkungen auf die Emotionen der Menschen, auf die sie angewendet werden. Dabei hat jeder dieser sechs Stile eine andere Wirkung auf die Art und Weise, wie sich ein Team oder eine Gruppe fühlt. Aus diesem Grund ist es, in Abhängigkeit von den gegebenen Bedingungen und den gewünschten Ergebnissen, effizienter, den ein oder anderen Stil anzuwenden.

Eines der wichtigsten Konzepte des Buches Emotionale Führung  ist, dass es keinen emotionalen Führungsstil gebe, der besser sei als ein anderer. Jeder von ihnen hat eine Reihe an Vorteilen und umfasst Aspekte, die eben nicht bei jeder Gelegenheit passend sind. Darum ist es notwendig, alle von ihnen gut zu kennen, um besser entscheiden zu können, welcher zu einem bestimmten Zeitpunkt angewendet werden soll. Ein guter Anführer muss immer in der Lage sein, für jede Situation den am besten geeigneten Stil zu wählen.

Daniel Goleman

Die sechs Stile der emotionalen Führung sind die folgenden:

  • Autoritär
  • Trainierend
  • Zugehörig
  • Demokratisch
  • Zwingend
  • Steuernd

Obwohl jeder dieser Stile sehr unterschiedliche Eigenschaften hat, basieren sie alle auf dem Verständnis der Gefühle anderer Menschen. Genau genommen kommt daher auch der Name „emotionale Führung“. Ist es jedoch immer angemessen, einen dieser sechs Stile zu verwenden, um eine Gruppe zu leiten? Die Antwort hängt von den Umständen ab, mit denen man konfrontiert ist.

Vor- und Nachteile der emotionalen Führung

Die Wahrheit sieht so aus, dass auch diese Art der Führung sowohl negative als auch positive Aspekte hat – wie praktische jede andere Fähigkeit oder Herangehensweise. Als nächstes wollen wir einige der wichtigsten Vor- und Nachteile näher betrachten. Das Wissen um diese kann dazu beitragen, in gegebenen Situation besser entscheiden zu können, ob es sinnvoll ist, an die Emotionen zu appellieren, oder ob man es mit dem Gegenteil versuchen sollte – auf logische Art und Weise und mit weniger Empathie.

Vorteile

Man kann nicht leugnen, dass die Führung eines Teams, wenn sie auf emotionaler Intelligenz basiert, alle möglichen Vorteile mit sich bringt. Einer der wichtigsten ist, dass man auf diese Art und Weise ein Gleichgewicht zwischen der Erreichung der Ziele und der Schaffung guter Beziehungen unter den Gruppenmitgliedern erreichen kann. Dies bedeutet, dass die Leistungsfähigkeit des Unternehmens bis zu einem gewissen Grad kurzfristig geopfert wird, aber im Gegenzug allen Arbeitnehmern mehr Wohlstand und Glück geboten wird. Und langfristig zeigt sich das in gesteigerter Produktivität und Effektivität.

Auf der anderen Seite kann ein guter emotionaler Führer die positiven Eigenschaften des gesamten Teams weiter verstärken. Mithilfe dieser Art des Gruppenmanagements können Anführer ihren Teammitgliedern dabei helfen, ihre jeweiligen Talente zu entdecken und sich voll zu entfalten. Darüber hinaus werden die Mitarbeiter dadurch motivierter, was für die erfolgreiche Führung eines Unternehmens unbedingt notwendig ist.

Leitern eines Teams

Nachteile

Dennoch mag ein emotionaler Führungsstil unter manchen Umständen nicht die optimale Lösung sein. Manchmal kann er sogar eine Reihe negativer Auswirkungen mit sich bringen, welche im Folgenden aufgezeigt werden:

  • Emotionale Führung kann dazu führen, dass der Anführer impulsiv handelt. Dies kann für das gesamte Unternehmen und dessen Ziele schädlich sein, da die Führung eines Unternehmens allgemein betrachtet rational sein sollte.
  • Sie verursacht Probleme hinsichtlich der Selbstkontrolle. Manchmal muss ein Anführer komplizierte Entscheidungen treffen, was auf emotionaler Ebene durchaus schwierig sein kann. Wenn man übermäßiges Mitgefühl zeigt, kann die Ausführung von Aufträgen kompliziert werden und sich so gegen den eigentlichen Prozess stellen.
  • Sie verlangsamt oder verschlechtert die Ergebnisse. Zu bestimmten Zeiten muss sich ein Anführer ausschließlich darauf konzentrieren, was erreicht werden soll. Für eine Person, die sich übermäßig für die Emotionen anderer interessiert, wird dies sehr schwierig sein.
  • Es kann zu emotionalen Schwankungen kommen. Denn schließlich kann ein Übermaß an Empathie und die Verknüpfung mit den eigenen Emotionen dazu führen, dass die eigene Stimmung zu stark beeinflusst wird. Im Allgemeinen sollte ein Anführer immer ein Beispiel für Solidarität und Stabilität sein. Dies zu erreichen, kann jedoch sehr kompliziert sein, wenn man seinen Gefühlen unkontrolliert ausgesetzt ist.

Normalerweise ist die Anwendung eines dieser sechs emotionalen Führungsstile für ein Unternehmen oder ein Arbeitsteam von großem Nutzen. Es sollte jedoch im Vorhinein überprüft werden, ob dies tatsächlich die beste Option zur Erreichung der gesetzten Ziele ist.