Anandamid: ein Neurotransmitter, der das Glück beeinflusst

· 28. November 2018

Anandamid ist eine Verbindung, die von unserem Körper hergestellt wird. Interessanterweise hat diese Substanz einige Eigenschaften, die dem THC, dem Hauptwirkstoff von Marihuana, sehr ähnlich sind. Darum meinen viele, dass dieser Neurotransmitter ein „natürliches Marihuana“ sei, das vom menschlichen Körper produziert werde.

Anandamid übt eine ähnliche Wirkung auf den Körper aus wie Marihuana. Seine Wirkung ist im Grunde entspannend. Anandamid beruhigt und reguliert das Herz-Kreislauf-System. Ebenso erzeugt es ein Gefühl des Glücks. Der Name leitet sich von dem Wort „Ananda“ ab, was im Sanskrit so viel wie „der Träger des Friedens uns des inneren Glücks“ bedeutet. Wir finden es vor allem im menschlichen Gehirn, aber auch in Schokolade.

Anandamid wurde im Jahr 1992 entdeckt. Es wurde zunächst als ein schwaches Molekül mit kurzfristigen Auswirkungen auf den Körper definiert. Neben seiner beruhigenden Wirkung, verbessert es auch die Funktion des Atmungssystems und steigert unsere kognitiven Funktionen.

„Das Glück schleicht sich oft durch eine Tür, von der man nicht wusste, dass sie offen ist.“

John Barrymore

Die Wirkung von Anandamid

Anandamid wird im Gehirn synthetisiert, und zwar in den Bereichen, die mit dem Gedächtnis, höheren kognitiven Prozessen, Motivation und Bewegungskontrolle verbunden sind. Man hat entdeckt, dass es auch in der Lage ist, das Schmerzempfinden zu dämpfen. Darüber hinaus greift es in die Regelung von Appetit und Gefühlen der Belohnung und der Lust ein.

Im Jahr 2017 wurde eine Studie an Mäusen durchgeführt. Den Tieren wurde eine Dosis Anandamid injiziert. Ihr Verhalten veränderte sich, als sie diese Substanz verabreicht bekamen. Als sie mit kognitiven Herausforderungen konfrontiert wurden, zeigten sie mehr Interesse daran, eine Lösung zu finden und sie waren auch fähiger, diese zu erreichen.

Man meint, dass die Wissenschaft bisher noch nicht in der Lage sei, alle Eigenschaften und Wirkungen dieses Neurotransmitters zu benennen. Es wurde beispielsweise vorgeschlagen, dass er eine therapeutische Wirkung im Rahmen der Sucht haben könnte. Diese These wurde jedoch noch nicht ausreichend belegt.

Frau mit geschlossenen Augen, die tief einatmet

Die Wirkungen von Anandamid

Die Wirkung von Anandamid ist kurzfristig und sehr intensiv. Somit beeinflusst die Substanz auf positive Art und Weise verschiedene Funktionen im Organismus.

Die hauptsächlichen Effekte sind:

  • Homöostatisch. Anandamid trägt dazu bei, regenerative Prozesse zu verstärken und das Gleichgewicht des Nervensystems zu erhalten.
  • Neuroprotektor. Es hilft dabei, die Erregung des Nervensystems zu regulieren, wobei protektive Effekte gegenüber der Exzitotoxizität erzeugt werden.
  • Kognitive Funktionen. Anandamid hilft, neue Verbindungen zwischen Neuronen zu bilden. Dies erleichtert die Prozesse des Denkens, Lernens und des Sich-Erinnerns.
  • Natürlicher Motivator. Anandamid verbessert und beschleunigt die Entscheidungsfähigkeit, prädisponiert zum Handeln und erhöht das Vertrauen.
  • Analgetisch. Genauso wie Marihuana und andere Cannabinoide hat es eine starke Wirkung auf die Modulation und Verringerung von Schmerzen.
  • Appetitregelnd. Es wurde bewiesen, dass Anandamid den Appetit und die Sättigungszyklen reguliert und gleichermaßen das Hungergefühl moduliert.
  • Antiemetisch. Das bedeutet, dass es in der Lage ist, das Erbrechen zu hemmen. In diesem Fall wirkt es in Wechselwirkung mit Serotonin.
  • Regulator des sexuellen Verlangens. Studien zeigen, dass Anandamid in kleinen Mengen das sexuelle Verlangen stimuliert. Im Gegenzug kann es dieses in großen Mengen verringern.
  • Beruhigung und Wohlbefinden. Es ruft ein Gefühl von Frieden, Entspannung und Glück hervor. Ebenso trägt es zu einer vorübergehenden positiven Empfindung bei.
  • Helfer in der Schwangerschaft. Es ist bekannt, dass diese Substanz interveniert, um die Einnistung des Embryos in die Gebärmutter zu begünstigen.
  • Krebshemmend. Dieser Effekt ist noch nicht abschließend belegt. Doch alles scheint darauf hinzuweisen, dass dieser Stoff ebenso die Vermehrung von Krebszellen – insbesondere bei Melanomen – hemmt.
Eine Tasse heiße Schokolade

Den Anandamidspiegel erhöhen

Der einfachste Weg, den Anandamidspiegel zu erhöhen, ist, dunkle Schokolade zu essen. Dieses Nahrungsmittel enthält einen signifikanten Anteil an Theobromin. Die Effekte sind noch stärker, wenn man die Schale der Kakaobohne selbst, kaut. Es wird angenommen, dass Theobromin die Produktion von Anandamid im Gehirn stimuliert. Zur gleichen Zeit geht man davon aus, dass es den Zerfall der Substanz verlangsamt.

Schwarze Trüffel sind ein weiteres Lebensmittel, das natürliches Anandamid enthält. Ebenso wurde bestätigt, dass meditative Zustände zur natürlichen Produktion verschiedener Substanzen wie Anandamid, Serotonin, Dopamin und Endorphinen beitragen.

Auf der anderen Seite hat ein Team deutscher Forscher im Jahr 2015 eine Studie zu dem Thema durchgeführt, welches wir heute behandeln. In dieser konnten sie Hinweise darauf finden, dass Sport die Synthese von Anandamid anregt. Im Gegensatz dazu schlussfolgerten sie, dass es dieser Neurotransmitter und nicht die Endorphine sind, der ein Gefühl von Glück erzeuge, nachdem man körperliche Aktivitäten ausgeführt hat.