An die, die uns der Tod genommen hat – ihr fehlt uns

30. November 2015 en Emotionen 4893 Geteilt

Ich sehe hoch zum Himmelszelt und versuche, dich zwischen den Sternen zu sehen. Ich suche zwischen Schatten dein verlorenes Antlitz.
Ich male dein Gesicht in die vorbeiziehenden Wolken, die stets weiterziehen, und schaue zum Mond hinauf und frage ihn:
Wo bist du?
Und auf einmal sagt mir mein Herz die Antwort, die meine Augen gleichzeitig mit Tränen füllt, und mir aufs Neue zu verstehen gibt: Du bist nicht mehr hier, doch du wirst für immer in meinem Herzen sein.

Mir gefällt dir Vorstellung, dass es ein Paralleluniversum gibt, in dem sich alle von dieser Welt gegangenen Seelen wieder finden. Mir gefällt dir Vorstellung, dass in unseren Nachkommen ein Teil unserer Verstorbenen steckt. Mir gefällt die Vorstellung, dass es etwas oder jemanden in meiner Nähe gibt, der mich an diesen geliebten Menschen erinnert.

Es ist einfach die beruhigende Vorstellung, dass es an einen Ort gibt, an dem unsere Verstorbenen, die wir am Himmel suchen und die uns die Nacht erhellen, gehen und dort auf irgendeine Art und Weise weiterleben. Auch wenn wir wissen, dass sie nie wieder zurückkommen werden, brauchen wir irgendeine Vorstellung von diesem Ort, an den wir alle einmal gehen werden.

Jeder Mensch, der einst von uns ging und somit trauriger Weise aus unserem Leben verschwand, ist ein Stern am Himmelszelt – ein Stern, der nie aufhören wird, für uns zu leuchten. Denn es liegt an uns, unsere Erinnerungen, die wir an diesen Menschen haben und die für uns von Bedeutung sind, irgendwo zu verwahren.

Friede

Wie sollen wir eine Geschichte schreiben, wenn sie noch nicht zu Ende ist?

Wenn ein Mensch von uns geht, dann steht die Zeit still, unser Herz zerbricht und wir blockieren uns selbst in unserem Denken und Tun. Doch wenn es eine Möglichkeit gibt, unsere Geschichte weiterzuschreiben, dann geht das nur noch unter Tränen und mit Hoffnung in unserem Herzen.

Wenn jemand stirbt, dann geht er nicht allein. Er trägt ein Teil deiner Seele bei sich, um seine Flügel ausbreiten zu können und um so zusammen mit dir davon zu fliegen.

Der Tod eines geliebten Menschen zeigt uns, dass es nicht der Tod ist, vor dem wir Angst haben, sondern es ist der Schmerz, mit dem wir weiterleben; die Tränen, die wir deswegen vergießen müssen; und der grauenvolle Gedanke daran, dass wir diese Person niemals wiedersehen werden.

Das macht einem Angst, und zwar sehr sogar. Es ist ein Schmerz, den wir tief in unserem Inneren verspüren, und wir wissen einfach nicht, wie wir uns von ihm befreien können. Letztendlich geht es darum, wie wir jeden Tag leben, und wie wir jeden Tag, zumindest einige Monate lang, mit diesem Schmerz leben.

Sehnsucht

Ich werde diesen Menschen immer brauchen und ich brauche, dass ich ihn in meiner Gegenwart spüre

Wir machen den Fehler, dass wir denken, dass die Zeit alle Wunden heilt, und so fühlen wir uns nach und nach schuldiger. Der Verlust einer geliebten Person schmerzt immer fürchterlich, da braucht uns niemand etwas vorzumachen.

Nach solch einem Verlust liegt ein langer Weg vor uns und wir müssen das Vergangene hinter uns lassen. Wir müssen weinen und uns mit dem Schmerz auseinandersetzen. Etwas in uns ist gestorben und wir merken, dass es vor und nach dem unvermeidbaren Tod etwas geben muss.

Auch wenn wir das Gefühl der Einsamkeit und den Schmerz wegen dem Tod eines geliebten Menschen nie überwinden werden, können wir unser Leben weiterleben und uns am Leben erfreuen.

Trotz allem sind Schmerz und Traurigkeit ein Teil unseres alltäglichen Lebens und wir müssen lernen, damit umzugehen und zu verstehen, dass der Tod zum Leben dazugehört.

Den Tod eines Menschen zu verarbeiten und sich einzugestehen, dass dieser Teil unseres Lebens nicht länger ist, ist niemals einfach. Es können teils Monate vergehen, in denen wir an die geliebte Person denken, wir ihre Präsenz spüren und uns den Kopf darüber zerbrechen, was noch hätte kommen können.

Der emotionale Weg
Unsere Liebsten noch einmal umarmen und erleben

Wenn dir das Leben einen geliebten Menschen nimmt, so vergisst du deinen Schmerz am schnellsten, wenn du dich an sein Lächeln erinnerst.

Wir würden alles dafür geben, um ihnen noch ein einziges Mal nahe sein zu können, noch einmal ein paar Minuten mit ihnen verbringen und ihnen alles sagen zu können, was uns gerade bewegt. Doch wir müssen darüber hinwegkommen. Wir müssen lernen, mit dem Schmerz und dem seelischen Leid zu leben und es verarbeiten.

Die beste Art, um nach einem Verlust nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren ist, liebevolle Umarmungen wieder für uns zu entdecken, diese zu Erinnerungen werden zu lassen und jeden Tag nach diesem Prinzip zu leben. Wir können unseren Verstorbenen am schönsten gedenken, wenn wir jeden Tag Freude in unser Leben lassen, denn so erinnern wir uns an sie nicht nur mit einem lachenden und einem weinenden Auge, sondern wir begegnen der Erinnerung mit purer Freude.

Quelle: „Über den Tod und das Leben danach“ von der Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross

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