Die dauerhafte Liebe beginnt da, wo das Verliebtsein endet

4. Oktober 2017 en Emotionen 636 Geteilt

Ab wann ist man nicht mehr verliebt? Ab wann spricht man von Liebe und nicht mehr von Verliebtsein? Der Schlüssel, um die dauerhafte Liebe zu verstehen, liegt im „Übergang“ und nicht im „Wechsel“ vom einen zum anderen. So können wir verstehen, wieso viele Liebesbeziehungen überleben, wenn die Idealisierung endet, und wieso das für andere Partnerschaften das Ende bedeutet.

Wir sollten nicht denken, dass das Verliebtsein endet und die Liebe beginnt, sondern dass es ein Weg ist, der vom einen in die andere mündet.

  • Die Phase des Verliebtseins ist geprägt von der Idealisierung des Partners: Wir sehen den anderen nicht so, wie er wirklich ist, sondern projizieren all unsere Vorstellungen und Wünsche auf ihn. All das, was wir im anderen sehen, ist, was wir sehen wollen.
  • Wenn wir beginnen, unsere bessere Hälfte mitsamt ihren Schwächen und Fehlern zu sehen, erleben wir diesen „Realitätsschock“ und müssen uns bewusst dafür oder dagegen entscheiden, diese Unterschiede zu akzeptieren. An diesem Punkt beginnen wir, unseren Partner wahrhaft zu lieben und ab hier können wir von Liebe sprechen.

Wir können die dauerhafte Liebe also finden und verstehen, wenn es uns gelingt, den Übergang und die Anpassung an die Umstände und die Zeit zu sehen. Unser Partner muss nicht perfekt sein, er soll echt und immer für uns da sein, damit die Liebe lange anhält.

Sternbergs Liebestheorie

Dieser Autor spricht über die Liebe als ein Gefühl, das auf drei Grundpfeilern beruht:

  • Intimität ist zu verstehen als Nähe zwischen zwei Menschen, die sich kennenlernen und entdecken. So können sie Vertrauen aufbauen, dem anderen die eigene Seele offenbaren.
  • Leidenschaft ist das Gefühl des Verlangens und der physiologischen Aktivierung.
  • Verbindlichkeit umfasst die von beiden getroffene Entscheidung, für immer zusammenzubleiben.

Die vollkommene Liebe wäre somit gegeben, wenn alle drei Komponenten gleichermaßen vorhanden sind, obwohl es auch Phasen gibt, in denen die Intimität, Leidenschaft oder Verbindlichkeit ein höheres Gewicht haben, damit das Paar zusammenbleibt.

Für Strenberg sei die vollkommene Liebe leicht zu finden, aber schwierig zu erhalten. Wenn wir nun diese drei Grundpfeiler nehmen und sie danach bewerten, welcher wie stark ins Gewicht fällt, erkennen wir verschiedene Arten der Liebe:

  • Wohlgefallen: Hier ist nur die Intimität präsent. Es gibt Nähe und Verständnis.
  • Verliebtsein zeichnet sich durch Leidenschaft aus. Es gibt eine physische und sexuelle Anziehung. Es handelt sich hier um eine sehr schnelle Liebe, die aber genauso schnell wieder vergeht.
  • Leere Liebe beruht auf Verbindlichkeit. Es wurde die Entscheidung getroffen, zusammenzubleiben, und die Beziehung besteht allein aufgrund dieses Versprechens.
  • Romantische Liebe ist von Leidenschaft und Intimität geprägt. Verbindlichkeit ist bei dieser Art der Liebe nicht zu ufinden.
  • Liebe als Gesellschaft: Intimität und Verbindlichkeit zeichnen dieses Modell aus. Man könnte sie als eine versprochene Freundschaft auf lange Zeit verstehen.
  • Eingebildete Liebe ist zu verstehen als Vereinigung aus Leidenschaft und Verbindlichkeit, aber ohne Intimität. Die Partner kennen sich nicht wirklich und es ist schwierig, diese Beziehung auf lange Sicht aufrechtzuerhalten.

Wenn wir diese Arten der Liebe verstehen, können wir auch nachvollziehen, dass Liebe und Beziehungen dynamisch und wandelbar sind. So können wir gemäß den verschiedenen Phasen der Liebe oder wenn einer der Grundpfeiler wankt oder sich festigt, von einer Art der Liebe zur nächsten übergehen.

Ist es gesund, immer verliebt zu sein?

Viele beschreiben die Phase des Verliebtseins als eine wahnsinnige Phase, da wir uns in dieser Zeit für gewöhnlich erheblich von dem distanzieren, was wahr ist. Wir idealisieren unseren Partner und es fällt uns enorm schwer, objektiv zu sein. Daher handelt sich bei dem, was wir empfinden, nicht um wahre Liebe. Jemanden zu lieben, bedeutet, ihn in- und auswendig zu kennen, zu wissen, was ihm anderen gefällt und was nicht, und gerade deshalb die Entscheidung zu treffen, an seiner Seite bleiben zu wollen.

Wenn wir uns verlieben, setzt unser Gehirn die Hormone Serotonin und Dopamin frei. Ihre Freisetzung löst bei uns Gefühle von Glück und Freude aus und wir werden „süchtig“ nach diesem Menschen, da Serotonin und Dopamin bei uns Euphorie und Wohlgefallen erzeugen, wie eine konsumierte Droge. Aber diese uns übermannenden Gefühle lassen mit der Zeit nach und weichen anderen, rationaleren und in manchen Fällen weniger intensiven Emotionen.

Unser Gehirn lässt sich aber von der Leidenschaft und dem Glück des Moments leiten, wenn wir verliebt sind, fast so, als wären wir Tiere. Wenn unser Gehirn aber wahrlich liebt, dann tut es das auch auf rationale Weise, nimmt Einschätzungen vor, trifft Entscheidungen und wählt den anderen von einem reiferen und menschlicheren Standpunkt her aus.

Wir sollten uns jeden Tag verlieben, doch vor allem sollten wir lernen, jede Sekunde zu lieben, wenn das Unausweichliche passiert, und das Verliebtsein ein Ende findet. Die dauerhafte Liebe bedeutet, gewisse Opfer zu bringen, denen wir uns am Anfang nicht bewusst waren, und uns um das zu bemühen, was uns zu Beginn so leicht von der Hand ging. Wir sind es, die entscheiden müssen, ob der andere es wert ist oder nicht.

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