Die bipolare Störung und die emotionalen Beziehungen

2. August 2019
Mit jemandem eine Beziehung einzugehen, der manische und/oder depressive Episoden durchlebt, die nicht unbedingt etwas mit den Erfahrungen des eigenen Lebens zu tun haben müssen, ist ein großer Stolperstein auf dem Weg einer Beziehung. Darum werden wir hier erklären, was eine bipolare Störung ist und wie sie den sozialen Kreislauf und die Zufriedenheit der erkrankten Person beeinflusst.

Die bipolare Störung ist eine komplexe Definition von Stimmungsstörungen. Das auffälligste Merkmal, das Menschen, die darunter leiden, aufweisen, ist, auf nachhaltige Art und Weise schnelle und drastische Stimmungsschwankungen zu erleiden.

Schwankungen, die sie daran hindern, sich wirklich gut zu fühlen und die ihre Anpassungsfähigkeit erheblich beeinträchtigen. Und das, obwohl sie auch extrem euphorische Zustände durchlaufen.

Diese Stimmungsschwankungen führen unter anderem auch zu Problemen in den emotionalen Beziehungen. Wir beziehen uns hierbei auf die emotionale Instabilität, die mit emotionalen Beziehungen einhergeht; insbesondere wenn wir von Liebesbeziehungen sprechen. Denn es ist sehr kompliziert, eine Beziehung mit jemandem zu führen, der solche drastischen Stimmungsschwankungen erlebt.

Die Aufrechterhaltung einer emotionalen Beziehung erfordert es, den anderen zu kennen, Verständnis, Flexibilität, aber auch eine gewisse Stabilität (sozusagen auf eine gewisse Art und Weise vorhersehbar zu sein).

Mit jemandem eine Beziehung einzugehen, der manische und/oder depressive Episoden durchlebt, die nicht unbedingt etwas mit den Erfahrungen des eigenen Lebens zu tun haben müssen, ist ein großer Stolperstein auf dem Weg einer Beziehung. Darum werden wir hier erklären, was eine bipolare Störung ist und wie sie den sozialen Kreislauf und die Zufriedenheit der erkrankten Person beeinflusst.

Frau, die an emotionalem Missbrauch leidet - die bipolare Störung

Was ist eine bipolare Störung?

Auf falsche Art und Weise bezeichnen Menschen die Veränderungen in ihren Meinungen, Gedanken oder Gefühlen bereits als Merkmale einer Bipolarität. Das bedeutet, man geht davon aus, dass man „bipolar ist„, sobald man an einem Tag glücklich ist und am nächsten traurig.

Doch das ist nicht der Fall: Um die Diagnose einer bipolaren Störung zu erhalten, müssen eine Reihe an diagnostischen Kriterien erfüllt werden. Die Statistiken zeigen, dass nur 0,5 – 1,6 % der Gesamtbevölkerung diese Anforderungen erfüllen (Ministerium für Gesundheit, soziale Dienste und Gleichstellung, 2012).

Um generell an einer bipolaren Störung zu leiden, bedarf es einer Phase von sehr guter Stimmung, impulsiver Verhaltensweisen, die große Ausgaben, Pläne oder radikale Veränderungen mit sich bringen und zumindest eine 2-wöchige Phase, in der man nur sehr wenig Schlaf benötigt.

Nur die Symptome aufzuweisen, an einem Tag glücklich und am nächsten traurig zu sein, reicht nicht aus, um eine bipolare Störung zu haben. Wir können an starken Stimmungsschwankungen leiden oder Persönlichkeitsmerkmale aufweisen, die sich immer wieder ändern, ohne dass der Grund dafür eine psychische Pathologie sein muss.

Was wissen wir über die bipolare Störung und die emotionalen Beziehungen?

Die Beziehung zu einer Person, die an einer bipolaren Störung leidet, ist kompliziert. Wenn die Störung jedoch unter Kontrolle und die Person stabil ist, ist es durchaus möglich, ein zu 100 % normalisiertes Leben zu führen. In diesem Sinne, verlieben sich die Menschen mit einer bipolaren Störung auch wie jeder andere Mensch ohne Probleme; es sei denn, sie befinden sich in einer manischen Phase, in der die Stimmung so euphorisch und positiv ist, dass die Gefühle verwirrt werden.

Daher ist im Allgemeinen die Verliebtheit und die erste Phase einer romantischen Beziehung genau gleich wie beim Rest der Bevölkerung; man muss nur vorsichtig sein, so eine Liebesbeziehung nicht in Phasen der euphorischen Stimmung zu beginnen.

Wenn wir also an bipolare Störungen und emotionale Beziehungen denken, kommt uns gleich eine gewisse Instabilität der Gefühle in den Sinn. Sollten wir also darüber nachdenken, eine Beziehung zu jemandem einzugehen, der an einer bipolaren Störung leidet, ist es höchstwahrscheinlich, eine chaotische und sich ständig verändernde Beziehung zu haben.

Doch nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein: Heutzutage kann eine betroffene Person, mit Hilfe von Psychopharmaka zur Stabilisierung der Stimmung, einer Therapie und psychologischer Überwachung, eine stabile emotionale Beziehung aufrechterhalten. Die Beziehung wird Höhen und Tiefen haben und vielleicht tiefer und stärker sein, als jene von anderen Paaren. Das Wichtigste hierbei wird das Management des Paares und der Umwelt selbst sein.

„Menschen, die an einer bipolaren Störung leiden, verlieben sich wie alle anderen Menschen ohne Probleme, wenn sie sich nicht in einer manischen Phase befinden, in der ihre Stimmung so euphorisch ist, dass die Gefühle verwirrt werden.“

Die bipolare Störung und die Änderungen der Meinung: Mythos oder Realität

Der Begriff bipolar ist Teil unserer alltäglichen Sprache geworden. Ob im Scherz oder ernst gemeint, viele Menschen tragen dieses Etikett an sich, auch wenn sie weit davon entfernt sind, eine solche Störung zu haben.

Darüber hinaus ist die bipolare Störung auch nicht unbedingt mit Änderungen der Meinung verbunden. Wenn wir also an eine bipolare Störung und emotionale Beziehungen denken, dürfen wir uns keine Beziehung vorstellen, in der sich ständig die Ideen, Einstellungen, Motivationen und Ziele ändern.

Es ist jedoch sehr wichtig zu berücksichtigen, dass sich die Energie einer Person mit bipolarer Störung von einer Woche zur nächsten erheblich ändern kann. Das Energielevel oder die Aktivierung der Person kann sich sehr leicht verändern, was sich auf die Pläne des Paares auswirken kann.

Zum Beispiel wenn es darum geht, Ausflüge oder Reisen zu unternehmen. In einer emotionalen Beziehung zu einer Person mit einer bipolaren Störung zu sein, bedeutet, sich an deren Veränderungen in der mentalen und physischen Aktivierung anzupassen. Wenn dies jedoch auf die richtige Art und Weise gehandhabt wird, ist dieser Umstand kein unüberwindbares Hindernis.

Ein Paar, das sich mit geschlossenen Augen umarmt - die bipolare Störung kann kontrolliert werden

Was kannst du tun, wenn du eine Beziehung mit einer Person, die an einer bipolaren Störung leidet, hast?

Auch wenn diese Störung keine wirklichen Probleme mit sich bringt, wenn man sie gut unter Kontrolle hat, so muss man wissen, wie man sich richtig in einer Beziehung mit einer Person, die an einer bipolaren Störung leidet, verhält. Es gibt bestimmte Tipps / Aspekte zu berücksichtigen.

Als Erstes wird vorausgesetzt, um eine Beziehung mit jemandem zu haben, der an einer bipolaren Störung leidet, dass man sich mit dieser Krankheit gut auskennt. Es ist notwendig, dass beide Seiten der Beziehung wissen, was passiert, wie sich diese Störung ausdrücken kann und was während einer möglichen Krise zu tun ist.

Zum Beispiel muss der Partner einer Person mit einer bipolaren Störung die Anzeichen erkennen können, die auf eine manische Episode oder auf eine Depression hindeuten können.

Darüber hinaus muss mit besonderer Sorgfalt auf den Alltagsstress geachtet werden, da dieser Auslöser von Episoden sein kann, in denen sich die Stimmung des Betroffenen ins Extreme verwandelt.

Sobald ein Paar eine emotionale Beziehung in Betracht zieht, müssen sie ein Gleichgewicht in der Verteilung der Aufgaben und Verantwortlichkeiten finden, damit die an der Störung leidende Person nicht überlastet wird. Denn die Anforderungen und das anhaltende Gefühl, dass man keine Zeit für etwas hat, erhöht die Chancen auf einen Rückfall.

„Wenn man in Betracht zieht, eine emotionale Beziehung zu beginnen, muss man wissen, dass die tägliche Belastung durch Aufgaben und Arbeit ein gesundes Maß nicht übersteigen darf.“

Kontrollierte Routine

Daher müssen Menschen, die an einer bipolaren Störung leiden, eine sehr kontrollierte Routine einhalten, inklusive Plänen für die Schlafenszeit und wann gegessen wird, um plötzliche Veränderungen zu vermeiden (Becoña und Lorenzo, 2001).

Sie können die ganze Nacht wach sein, ausgehen und feiern, am Wochenende an verschiedenen Zeiten essen; Doch sobald sie anfangen, sich „komisch“ zu fühlen, brauchen sie Verständnis und Empathie, weil sie nicht für das Leiden verantwortlich sind, das sie fühlen oder verursachen.

Daher ist es mit einer großen Anpassung verbunden, einen Partner mit bipolarer Störung zu haben. Auf der anderen Seite kann sich die Situation auch dadurch verbessern, dass der Partner an der psychiatrischen und psychologischen Betreuung beteiligt ist. Je stärker der Partner in die Störung verwickelt ist, desto weniger leidet die Beziehung darunter. Denk nur daran, dass die Kontrolle einer psychischen Erkrankung jeden Tag Fortschritte machen kann und dass eine bipolare Störung kein unüberwindbares Hindernis für eine Beziehung sein muss.

  • Becoña, E. y Lorenzo, M. C. (2001). Tratamientos psicológicos eficaces para el trastorno bipolar. Psicothema, 13(3), 511-522.
  • Ministerio de Sanidad, Servicios Sociales e Igualdad (2012). Grupo de Trabajo de la Guía de Práctica Clínica sobre Trastorno Bipolar. Guía de Práctica Clínica sobre Trastorno Bipolar. Universidad de Alcalá. Asociación Española de Neuropsiquiatría.