Destruktiver Stolz bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung

6. Januar 2020
In vielen Fällen ist destruktiver Stolz, der für eine Borderline-Persönlichkeitsstörung charakteristisch ist, nichts anderes als eine Maske, hinter der sich eine extreme Angst vor Kritik verbirgt. In unserem Artikel werden wir dir mehr darüber erzählen.

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist eine psychische Erkrankung, die durch zahlreiche Symptome wie Impulsivität, emotionale Instabilität, niedriges Selbstwertgefühl und das Gefühl der Leere gekennzeichnet ist. Andere Symptome, wie beispielsweise destruktiver Stolz, gelten nicht als klinische Symptome, obwohl sie sehr häufig auftreten.

Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung neigen dazu, extrem empfindlich zu sein. Während sich die meisten Menschen über eine eher unbedeutende negative Erfahrung ärgern würden, kann dies bei Menschen mit BPS dazu führen, dass sie unter intensiven und extremen emotionalen Schmerzen leiden.

In einigen Fällen neigen Menschen mit dieser Erkrankung dazu, sich hinter einem „falschen Selbstwertgefühl“ zu verstecken, um sich dadurch selber zu schützen. Während sie diese Maske tragen, gelangen sie allmählich zu der Überzeugung, dass sie die absolute Wahrheit kennen würden und alle anderen Menschen mit ihrer Meinung falsch liegen.

Aber was sich wirklich hinter dieser Maske verbirgt, ist ihre extreme Angst davor, durch einen anderen Menschen verletzt zu werden, der eine andere Meinung vertritt und nicht mit ihrer Ansicht übereinstimmt. Daher versuchen sie, ihre Mitmenschen davon zu überzeugen, dass deren Meinung falsch ist. Wenn es ihnen nicht gelingt, die Perspektive der anderen zu verändern, kann dies zu großer Frustration führen.

Letztendlich sind Menschen mit BPS nicht in der Lage, mit gegenteiligen Ansichten umzugehen, da es ihnen an der dafür erforderlichen Flexibilität mangelt.

Menschen mit BPS versuchen permanent, anderen ihre eigene Sichtweise aufzuzwingen. Dadurch vermitteln sie ihren Mitmenschen das Gefühl, dass sie sich ihnen überlegen fühlen. Ihre Weigerung, anderen Menschen eine eigene Meinung zuzugestehen, führt häufig dazu, dass Freunde und Familie sich allmählich zurückziehen.

destruktiver Stolz - weinende Frau

Destruktiver Stolz, wodurch entsteht er?

Hinter solchen Masken verbergen sich meist ungeheilte Verletzungen aus der Vergangenheit, insbesondere aus der Kindheit der Betroffenen. Viele Menschen mit BPS hatten eine sehr schwere und tragische Kindheit. Vielleicht hatten sie als Kind das Gefühl, dass ihre Eltern sich nicht wirklich für sie interessierten, weil sie oft alleine gelassen und vernachlässigt wurden. Darüber hinaus könnte es sein, dass sie sehr häufig kritisiert wurden.

Daher versuchen diese Menschen, ihr Selbstwertgefühl zu verbessern, indem sie auf andere Menschen herabblicken. Denn genau das ist ihnen selber in der Kindheit widerfahren.

Wenn Kinder in einem kritischen Umfeld aufwachsen, verarbeiten sie diese Erfahrungen auf sehr unterschiedliche Weise. Destruktiver Stolz entsteht bei den Kindern, die versuchen, die Demütigungen, die sie selber erfahren haben, hinter dieser Maske zu verbergen. Destruktiver Stolz hilft ihnen dabei, sich ohne Worte vor erneuten Verletzungen durch andere Menschen zu schützen.

Allerdings ist es sehr wichtig, dass Menschen mit BPS verstehen, dass sich hinter dem stolzen und feindseligen Erwachsenen, zu dem sie geworden sind, nichts anderes verbirgt als ein verletztes und einsames Kind. Darüber hinaus müssen sie erkennen, dass ihre Wut ihnen nicht helfen wird, ihre seelischen Verletzungen zu heilen.

Was kannst du dagegen unternehmen?

Zu verstehen, wodurch destruktiver Stolz entsteht, ist nur der erste Schritt. Um ihn abzulegen und zu überwinden, musst du hart an dir arbeiten. Glücklicherweise gibt es einige gute Strategien, die du anwenden kannst, um mit deinem destruktiven Stolz umzugehen.

Eine erprobte Strategie besteht darin, dass ein BPS Patient sein Umfeld darum bittet, ihm Briefe, E-Mails oder Textnachrichten zu schreiben. Dabei sollten diese Schreiben natürlich einen bestimmten Inhalt haben. Der Betroffene bittet seine Mitmenschen, die positiven und negativen Charaktereigenschaften zu nennen, die sie an ihm wahrnehmen.

Wenn ein Mensch permanent das Bedürfnis nach Selbstbestätigung hat, ist er meist nicht in der Lage, aktiv die Meinung anderer Menschen anzuhören. Daher zielt diese Strategie darauf ab, den Menschen mit BPS dazu zu ermutigen, sich selber zu hinterfragen.

Dabei könnte sich der Betroffene beispielsweise folgende Fragen stellen: „Ist es nicht merkwürdig, dass fünf verschiedene Menschen genau dasselbe über mich denken?“, „Warum kann ich nicht damit umgehen, wenn jemand eine andere Meinung hat? oder „Welche positive Erkenntnis kann ich für mich gewinnen?“.

Die Idee ist, dass der BPS Patient seine absoluten und starren Denkmuster in Frage stellt. Wenn dies gelungen ist, kann der Betroffene allmählich erkennen, dass auch die Meinungen seiner Mitmenschen gültig und berechtigt sind.

destruktiver Stolz - Therapeut mit Patientin

Veränderungen vornehmen

Darüber hinaus bieten auch die unerwarteten Situationen des täglichen Lebens eine gute Möglichkeit, um an destruktivem Stolz zu arbeiten. Dabei solltest du dir darüber bewusst werden, wie dein Geist und dein Körper reagieren, wenn jemand dich kritisiert. Achte auf körperliche Anspannung, Grübelei, erhöhte Herzfrequenz und andere Symptome, die du an dir bemerkst. Dein Ziel sollte es sein, einige Minuten abwarten zu können, bevor du auf die Kritik reagierst und antwortest.

Wenn dir das gelungen ist, solltest du an deiner Körpersprache arbeiten. Denke daran, dass es nicht sinnvoll ist, ein Gespräch in aggressiver oder angespannter Körperhaltung zu beginnen. Daher solltest du darauf achten, dass deine Gesichtszüge entspannt sind. Vielleicht gelingt dir sogar ein sanftes Lächeln. Darüber hinaus solltest du darauf achten, Blickkontakt mit deinem Gegenüber zu halten. Allerdings sollte dieser nicht bedrohlich wirken. Außerdem ist es sinnvoll, wenn du deine Arme und Beine nicht zu hektisch bewegst und dabei langsam und ruhig sprichst.

Du kannst versuchen, deine Sätze mit Formulierungen wie „Ich denke/meiner Meinung nach…“ zu beginnen. Wenn du Dinge wie „Ich stimme dir zu…“ zu deinem Gesprächspartner sagst, dann sorgst du dadurch für eine gemeinsame Gesprächsbasis. Vermeide es, dein Gegenüber zu unterbrechen und mit harter Stimme zu sprechen. Außerdem solltest du Menschen niemals vollkommen ablehnen, selbst wenn du nicht mit ihnen einer Meinung bist.

Wenn du eine Borderline-Persönlichkeitsstörung hast und versuchst, an dir zu arbeiten, wirst du schon bald feststellen, wie sich deine Interaktionen mit anderen Menschen verbessern werden.

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