Der unbewusste Narzissmus in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern

· 24. Dezember 2018

Narzissmus, verstanden als die Liebe zu sich selbst und die ständige Suche nach der Befriedigung, die Bewunderung hervorruft, ist in zahlreichen familiären Beziehungen präsent – auch bei Eltern. Die Eltern projizieren einen enormen Impuls zu Leben und Liebe auf ihre Kinder. Oftmals wird dieser Impuls jedoch mehr oder weniger stark durch ihre Wünsche vermittelt, was die Beziehung eines nicht-egomanen Narzissmus verdeutlicht, aber dennoch Sehnsucht oder Erwartung hervorruft.

In der Literatur zum intrafamiliären Narzissmus geht es meist darum, wie Kinder mit ihren Eltern umgehen, und nicht umgekehrt. Daher ist es schwierig, klare Hinweise auf den Narzissmus in elterlichen Beziehungen zu finden. Dieser wird verstanden als die Betrachtung des Fremden als eigenes, also die Betrachtung der Eigenschaften der Kinder als die eigenen.

Freud zeigte großes Interesse an diesem Phänomen. Er postulierte die Tendenz, den Kindern alle Vollkommenheiten zuzuschreiben. Diese trete zu Beginn der elterlichen Beziehungen auf, wenn das Baby zur Majestät wird. So sei das Phänomen „Seine Majestät das Baby“ eine Möglichkeit, bei Erwachsenen die Privilegien zu erneuern, die sie in ihrer Vorstellung als Kinder gehabt haben und die sie zurücklassen mussten. Wir stellen fest, dass Eltern ihren Kindern übermäßige Privilegien gewähren und sie verwöhnen, ihre Qualitäten verehren und dann verlangen, dass ihre Entwicklung in Übereinstimmung mit ihrem Masterplan erfolge.

Trauriges Kind leidet unter unbewusstem Narzissmus

Viele Eltern projizieren „ihr ideales Selbst“ auf ihre Kinder. Sie machen sie zu einer „perfektionierten und perfektionistischen“ Version dessen, was sie in ihrer Vorstellung waren oder gern gewesen wären. In diesem Zusammenhang machen die Eltern die Kinder auch verantwortlich für ihre Frustrationen und Nichterfüllung von Wünschen. Gleichzeitig wird die Liebe dieser Eltern immer mehr zu einer Liebe zu sich selbst und dazu, wie sie glauben, dass sie als Kinder waren oder wie sie sein wollten.

Illustration von unbewusstem Narzissmus

Wie sieht unbewusster Narzissmus aus?

Die Klinik lässt Fachleute, die auf dem Gebiet der Eltern-Kind-Beziehungen arbeiten, in den unbewussten Narzissmus eintauchen, der in dieser Art von Beziehungen vorhanden sein kann. Als Antwort darauf erzählt uns der Psychoanalytiker Juan Manzano von den vier wesentlichen Elementen, die diesen elterlichen unbewussten Narzissmus ausmachen:

1. Projektion von den Eltern auf die Kinder

Die Eltern projizieren ihre eigenen Eigenschaften, die sie als Kinder hatten oder haben wollten; Eigenschaften, die sie entweder nicht mehr haben oder Aspekte, die sie für unzureichend hielten. Sie wollen dabei nicht, dass ihrem Sohn oder ihrer Tochter jemals fehle, was sie sich gewünscht oder begehrt haben. Im Gegenzug sehen sie in ihren Kindern die perfekte Darstellung ihres idealen Selbst. Es ist wahrscheinlich, dass diese Projektion weitgehend unbewusst stattfindet oder dass zumindest die Eltern nie explizit über dieses Verhalten nachdenken.

2. Ergänzende Identifizierung der Eltern

Die Eltern mögen den Sohn oder die Tochter als Teil von sich selbst oder als eine Art inneres Objekt betrachten. Das heißt, dass die Eltern sich in einer Weise identifizieren, in der sie ein verstärktes Gefühl des Besitzes über das Kind verspüren. Das wiederum behindert die individuelle Entwicklung der Kinder.

Illustration eines Mädchens mit Laub

3. Spezifischer Zweck

Wie bereits erwähnt, ist das Ziel dieser Projektion und komplementären Identifikation die Realisierung von Zufriedenheit für jemanden mit narzisstischem Charakter. Andere Zwecke, wie z. B. die Ablehnung eines Verlustes, können jedoch ebenfalls Gründe für diese Art von elterlichem Verhalten sein.

4. Eine relationale Dynamik

Die Interaktion basiert auf zuvor zugewiesenen Rollen. Schließlich übertrifft sie die Vorstellungskraft und prägt die Entwicklung der relationalen Dynamik mit anderen Menschen und innerhalb der Kinder selbst. Im Wesentlichen schafft diese Art von Beziehung ein fiktives Profil, das am Ende Realität wird.

Die Kinder mögen auf den unbewussten Narzissmus ihrer Eltern ganz unterschiedlich reagieren. Manchmal übernehmen sie die ihnen zugewiesenen Rollen. Dadurch entstehen Störungen, die sie selbst betreffen und sie rebellieren lassen, weil sie sich verlassen fühlen. Dieses Gefühl der Verlassenheit hat einen einfachen Grund: die Nichtexistenz einer Sicherheit spendenden Beziehung zwischen den Kinder und den Eltern. In dieser Hinsicht mögen die Kinder anfangen, sich so zu fühlen, als wären ihre Wünsche nicht ihre eigenen. Sie fühlen sich, als würden sie ihnen auferlegt.