Der Shinkansen-Effekt

· 7. November 2018

Der Shinkansen-Effekt, der nach dem japanischen Hochgeschwindigkeitszug benannt ist, beschreibt eine Methode, um Krisen zu bewältigen und Probleme zu lösen; sei diese geschäftlicher, beruflicher, persönlicher, emotionaler oder spiritueller Natur.

Die Japaner entwickelten Mitte des 20. Jahrhunderts den ersten Hochgeschwindigkeitszug, nachdem sie den Zweiten Weltkrieg verloren hatten und sich mit einem Moment der Krise konfrontiert sahen. Die Nation entschied sich für eine soziale und wirtschaftliche Transformation, die sie zu einer neuen Mentalität führen sollte, die als das „japanische Wunder“ bekannt ist. Auf diese Entscheidung folgte ein unglaubliches Wirtschaftswachstum, besonders in den 1960er bis 1980er Jahren.

Hochgeschwindigkeitszug in Tokyo

Die japanische Revolution und die Anfänge des Shinkansen-Effekts

Obwohl die wirtschaftliche Revolution Japans bereits nach dem Zweiten Weltkrieg begann, wurde dieses Phänomen erst Anfang der 1990er Jahre von der Welt erkannt und als „Shinkansen-Effekt“ bezeichnet. Konkret im Jahr 1993 wurde Jack Welch, der frühere Leiter der nordamerikanischen Firma General Electric, auf dieses Phänomen aufmerksam. Damals befand sich sein Unternehmen in einer Krise, in der sich seine Mitarbeiter darauf beschränkten, das Gesetz des geringsten Aufwands anzuwenden. Aus diesem Grund und nachdem er Eiji Mikawa, den Leiter der Niederlassung von General Electric in Tokio, getroffen hatte, begann er, neue Methoden zu betrachten.

Die japanische Niederlassung erzielte viel bessere Ergebnisse als die Muttergesellschaft, was wohl an der Opfermentalität und der Fähigkeit zur Veränderung, die die japanischen Angestellten prägte, lag: Der japanische Direktor erklärte seinem US-amerikanischen Kollegen, wie das Land in den 1960er Jahren, im Rahmen von geplanten Verbesserungen der Infrastruktur in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Tokio, einen entscheidenden Wandel in der Mentalität der Gesellschaft erlebte.

In diesem Sinne erklärte Mikawa, dass es, um die Höchstgeschwindigkeit eines Zuges um 10 km/h zu steigern, reichen würde, den Motor anders zu gestalten. Wenn man jedoch von 150 km/h auf 300 km/h beschleunigen wollte, müsse man ein völlig neues Design erarbeiten. Neben der Anwendung dieses Prinzips im Bereich der Entwicklung des bekannten Zuges, konnte ein ähnlicher Shinkansen-Effekt und der zugehörige Mentalitätswandel in vielerlei Situationen und Arbeitsgebieten beobachtet werden.

Die japanische Revolution mit Hilfe des Shinkansen-Effekts

Wie wir bereits erklärt haben, hat der Shinkansen-Effekt seinen Ursprung in der wirtschaftlichen Revolution, die Japan Mitte des 20. Jahrhunderts erlebte. Dank dieser neuen Mentalität konnte die Nation den ersten Hochgeschwindigkeitszug entwickeln. Dies gilt bis heute als einer der größten Fortschritte im Transportwesen des vergangenen Jahrhunderts.

Die Tür zur Veränderung öffnen

Im Laufe unseres Lebens machen auch wir viele Veränderungen durch. Einige von ihnen beinhalten kleine Verbesserungen oder helfen uns dabei, schlechte Gewohnheiten abzulegen. Andere erlauben uns vielleicht eine radikale Transformation, sodass wir praktisch ein neues Leben beginnen.

Diesbezüglich können wir aus dem Shinkansen-Effekt lernen, dass es genügen mag, kleine Veränderungen einzuleiten, um kleine Verbesserungen in unserem Leben zu erreichen. Wenn wir jedoch einen wesentlichen Wandel bezwecken wollen, sind wir gezwungen, das „gesamte Design“ neu zu gestalten. Dies ist zwar sehr leicht gesagt, aber nicht so einfach umzusetzen, da die Widerstände, auf die wir stoßen, wenn wir etwas verändern wollen, was bereits eine gewisse Leistung erbringt, enorm sein können.

Als Beispiel können wir diesen Shinkansen-Effekt auf ein Paar anwenden, das nach zahlreichen Problemen und Diskussionen erkennt, dass sie als Partner nicht in der Lage sind, einander zu verstehen oder sich miteinander zu identifizieren. Vielleicht ist es also an der Zeit, in eine völlig neue Phase der Beziehung zu treten, neue Pläne zu schmieden, einiges zu verändern und einiges gehen zu lassen?

Der Shinkansen-Effekt kann auch auf die berufliche Karriere oder angesichts gesundheitlicher Probleme angewendet werden. In diesen Momenten mag es notwendig sein, Routinen zu überdenken und zu versuchen, grundlegende Veränderungen herbeizuführen, um eine radikal andere Art und Weise des Lebens zu entwerfen.

Wie kann man den Shinkansen-Effekt anwenden?

Die Umsetzung von Veränderungen der Mentalität kann schwierig, muss jedoch nicht komplex sein. Unser initiales Ziel sollte es sein, jenen Bereich in unserem Leben zu finden, der einen solchen Wandel der Mentalität erfordert. Danach müssen wir das Problem angehen und uns bewusst werden, welche Gewohnheiten eine Revolution erfordern, um neuartige Lösungen zu finden.

Schließlich ist es immer ratsam, die Unterstützung von anderen Menschen zu suchen, die bereits eine ähnliche Situation durchgemacht haben; so wie auch von Freunden und der Familie, die uns dabei helfen können, Entscheidungen zu treffen. Auf diese Art und Weise können wir unser Leben radikal verändern, ernste Probleme hinter uns lassen und uns auf eine neue Etappe in unserem Leben einlassen, beinahe eine Wiedergeburt erleben.