Der Mythos von Hera, der Matronengöttin des Olymp

Der Mythos von Hera erzählt von einer stolzen und rachsüchtigen Frau, die für ihren eifersüchtigen Charakter bekannt war. Es ist ein Mythos, der die wahre Natur der Matrone des Olymp eindrücklich demonstriert.
Der Mythos von Hera, der Matronengöttin des Olymp

Letzte Aktualisierung: 18 Januar, 2021

Der Mythos von Hera illustriert eine der klassischsten und zugleich fehlerhaftesten Facetten des weiblichen Charakters aus Sicht der griechischen Gesellschaft. Hera war eine matronenhafte Figur, die von permanenter Eifersucht geplagt war und keine Gelegenheit ausließ, sich an ihren Feinden zu rächen. Es war die andauernde Untreue ihres Gatten Zeus, die sie immer wieder in diese Rolle zurückzwang.

Für die alten Griechen repräsentierte der Mythos von Hera den Archetypus einer typischen Frau. Hera war die Göttin der Ehe und der Familie und verteidigte diese heiligen Institutionen um jeden Preis. Außerdem war sie die wichtigste weibliche Gottheit des Olymp und auf die eine oder andere Weise gelang es ihr stets, das zu bekommen, was sie wollte.

Einer der auffälligsten Aspekte des Mythos von Hera ist die Tatsache, dass Zeus jedes Mal, wenn er ihr untreu war, dafür sorgte, dass sie sich rächte. Allerdings richtete sich ihr Zorn letztendlich niemals gegen ihren Ehemann. Stattdessen fokussierte sie ihre Wut auf seine Liebhaberinnen und auf die Kinder, die er mit diesen gezeugt hatte, obwohl Zeus sich seine Gespielinnen oftmals durch eine List oder gewaltsam nahm.

“Die Ehe ist die Hauptursache für die Scheidung.”

-Groucho Marx-

Mythos von Hera - Zeus-Statue

Der Mythos von Hera: Die Ursprünge

Hera war die Tochter des Kronos und der Rhea. Obwohl sie später die Frau des Zeus wurde, bedeutet dies, dass sie gleichzeitig auch seine Schwester war. Wie alle Kinder des Kronos wurde auch Hera kurz nach ihrer Geburt von ihrem Vater verschlungen, da ihm ein Orakel vorhergesagt hatte, dass einer seiner Nachkommen ihn entmachten würde. Dem Zeus blieb dieses Schicksal erspart, da seine Mutter einen Plan ausgeheckt hatte, um ihn zu retten. Später gelang es ihr, seine Geschwister, also auch Hera, ebenfalls zu befreien.

Der Mythos von Hera erzählt, dass Zeus sich unsterblich in Hera verliebte. Nachdem sie seine Avancen abgewehrt hatte, verwandelte er sich in einen Kuckuck, um sich ihr zu nähern, bevor er sie mit Gewalt nahm. Ihre Hochzeit war eine ausschweifende Feier, die im Garten der Hesperiden stattfand. Die beiden hatten einige gemeinsame Kinder, unter anderem Ares, den Gott des Krieges, Hebe, die Göttin der Jugend, Eileithyia, die Göttin der Geburt und Hebammen und Hephaistos, den Gott der Schmiedekunst und des Feuers.

Obwohl Hera die Göttin der Ehe und Familie war, wurde sie nicht als gute Mutter dargestellt. Sie lehnte beispielsweise ihren Sohn Hephaistos ab, weil er hässlich war und verbannte ihn aus dem Olymp. Daraufhin rächte er sich, indem er ihr einen magischen Thron baute. Als sie sich auf diesem niederließ, konnte sie sich nicht mehr erheben. Der Fluch endete, als Hephaistos die Aphrodite zu seiner Frau nahm.

Feindschaft mit Herkules

Der berühmte griechische Held Herakles (besser unter dem Namen Herkules bekannt) war das Ergebnis einer der zahlreichen Affären des Zeus. Infolgedessen verabscheute ihn Hera und war permanent auf der Suche nach Wegen, um ihn zu zerstören. Seine Mutter, Alkmene, nannte ihren Sohn Herakles (was so viel wie “der Ruhm der Hera” bedeutet), um den Zorn der Göttin zu beschwichtigen. Allerdings war dieser Versuch nicht von Erfolg gekrönt, denn die Matrone des Olymp schäumte vor Wut.

Eine Geschichte erzählt davon, dass Zeus Hera überlistete und sie den kleinen Herakles stillen ließ, wodurch das Baby die Milch der Götter trinken konnte. Als Hera diese Täuschung entdeckte, warf sie das Kind von sich. Infolgedessen versprühte sich ihre Muttermilch gen Himmel. Auf diese Weise entstand die Milchstraße.

Einige Jahre später beschloss Hera, Herakles mit den berühmten “zwölf Herkulesaufgaben” zu bestrafen. Zeus und viele andere Götter taten jedoch ihr Bestes, um den Helden während der Bewältigung seiner Aufgaben zu beschützen und die Pläne der Hera zu durchkreuzen. Obwohl Herakles alle Aufgaben erfolgreich erfüllt hatte, wurde Hera nicht müde, ihn für den Rest seines Lebens zu verfolgen.

Mythos von Hera - Herkules-Statue

Eine stolze und arrogante Göttin

Die vielen Mythen, die sich um Hera ranken, zeigen, dass die Göttin nicht nur aus Eifersucht, sondern auch aus Stolz handelte. Es wird erzählt, dass sie den Propheten Teiresias blendete, weil er während einer Streitigkeit Partei für ihren Ehemann ergriffen hatte. Darüber hinaus war sie auch eine der Hauptinitiatorinnen des berühmten Trojanischen Krieges.

Einmal versuchte sie, auf dem Olymp einen Putsch anzuzetteln. Sie traf sich heimlich mit Poseidon, Apollon und der Athene und die vier beschlossen, gemeinsam den Zeus zu stürzen, welcher keinerlei Ahnung von diesen Machenschaften hatte. Während er schlief, fesselten sie ihn an sein Bett und stahlen ihm den Blitz, der ihm seine Macht verlieh. Anschließend diskutierten sie darüber, wer der neue Herrscher über die Götter des Olymp sein würde.

Während die hitzige Diskussion in Gange war, näherte sich Briareos, ein hundertarmiger Riese, unbemerkt der Szenerie. Er befreite den Zeus, der die Macht über den Olymp wiedererlangte und die Verschwörer schwer bestrafte. Daraufhin flehten sie ihn um Vergebung an und schworen im ewige Treue und Ergebenheit. Trotz der zahllosen Treuebrüche und der großen Illoyalität zwischen ihnen wurde die Ehe des Zeus und der Hera nie beendet.

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  • Barrera, J. C. B. (1989). Zeus, Hera y el matrimonio sagrado. Polis: revista de ideas y formas políticas de la Antigüedad, (1), 7-24.