Der Hauptrisikofaktor für psychische Störungen wurde identifiziert

17 Dezember, 2020
Neue US-amerikanische Forschungen bestätigen, dass widrige und negative Erfahrungen während der Kindheit der Hauptrisikofaktor für psychische Störungen sind. Diese haben tiefgreifende Konsequenzen sowohl für die körperliche als auch die psychische Gesundheit.

Psychische Pathologien sind nach wie vor ein großes Rätsel für die Wissenschaft. Daher wird in vielen Bereichen, von der Genetik bis hin zur Gesellschaft, fortwährend nach den Ursachen dieser Störungen gesucht. Nach Abschluss umfangreicher Forschungsarbeit kam eine Gruppe von Wissenschaftlern zu dem Schluss, dass der Hauptrisikofaktor für psychische Störungen darin besteht, dass ein Mensch während der Kindheit negative und widrige Erfahrungen gemacht hat.

Wenn wir über Widrigkeiten in jungen Jahren sprechen, dann wird dies stets mit Missbrauch, sei er körperlich oder psychisch, oder mit traumatischen Erfahrungen wie Verlusten oder signifikanten Mangelsituationen in Verbindung gebracht. Es ist bemerkenswert, wie sich formale Wissenschaft und Psychoanalyse an diesem Punkt wieder zusammenfinden.

Die Behauptung, dass frühzeitig erfahrene Widrigkeiten der Hauptrisikofaktor für psychische Störungen sind, stammt aus einer Studie, die an der Dell Medical School in Austin, Texas, durchgeführt wurde. Dr. Charles Nemeroff, Ph. D., Professor und Leiter der Abteilung für Psychiatrie an der Dell’s Mulva Clinic for the Neurosciences und Direktor des Institute for Early Life Adversity Research, leitete diese Untersuchung.

“Der beste Weg, Kinder gut zu machen, besteht darin, sie glücklich zu machen.”

-Oscar Wilde-

Der Hauptrisikofaktor für psychische Störungen - Kopf aus Wolken

Der Hauptrisikofaktor für psychische Störungen

Die Wissenschaftler, die diese Studie durchführten, wiesen aber nicht nur darauf hin, dass Widrigkeiten in der Kindheit der Hauptrisikofaktor für psychische Erkrankungen sind. Darüber hinaus erklärten sie, dass diese Erfahrungen noch weitere ernsthafte Konsequenzen hätten.

Zuerst einmal hat ein Kind, das schwierige oder traumatische Erfahrungen durchlebt hat, eine kürzere Lebenserwartung als Kinder, die in einem stabilen Umfeld aufgewachsen sind. Außerdem zeigt die Studie einen Zusammenhang zwischen Kindesmissbrauch und sich in der Folge entwickelnden Pathologien auf. Beispielsweise Fettleibigkeit, Schlaganfall, Diabetes, Krebs und kardiovaskuläre Probleme.

Aus psychiatrischer Sicht besteht bei missbrauchten Kindern ein höheres Risiko, Suchterkrankungen zu entwickeln, insbesondere Alkoholismus. Außerdem könnten sie an Depressionen und allen Arten psychischer Störungen leiden. Darüber hinaus weist die Studie darauf hin, dass Menschen mit einer derartigen traumatischen Geschichte schwerer therapeutisch behandelbar sind.

Erschreckende Zahlen

Untersuchungen deuten darauf hin, dass nach bisherigen Schätzungen jedes vierte Kind das Opfer einer Form von Missbrauch oder Vernachlässigung wird. Die häufigsten Fälle sind solche, in denen emotionaler Missbrauch, Vernachlässigung oder das Verlassenwerden durch ein oder beide Elternteile erfolgt.

Nach den vorliegenden Daten haben wenigstens 46 % der Patienten mit Depressionen und 57 % der Patienten mit bipolaren Störungen eine derartige Vergangenheit. Darüber hinaus zeigen die Daten auch, dass die Spuren, die der Missbrauch hinterlässt, umso schwerwiegender sind, je früher er stattgefunden hat. Außerdem ist es viel schwerer, diesen Patienten zu helfen.

Ebenso hat auch die Schwere des erlittenen Missbrauchs und die Dauer einen sehr großen Einfluss. Dennoch betonen die Wissenschaftler die Tatsache, dass jede Form des Missbrauchs in der Kindheit bleibende Spuren hinterlässt. Daher sind sie auch fest davon überzeugt, dass dies der Hauptrisikofaktor für psychische Störungen und Erkrankungen ist.

Mehr Aufmerksamkeit und Fürsorge für missbrauchte Kinder

Eine der Tatsachen, auf die die Studie ebenfalls hinweist, ist die, dass emotionaler Missbrauch und Vernachlässigung zwar die zwei am weitesten verbreiteten Missbrauchsformen sind, sie aber dennoch nur selten zur rechten Zeit (wenn überhaupt) Beachtung finden. Das liegt daran, dass es sich hierbei um verdeckte Formen von Gewalt handelt. Und diese hinterlassen keine sichtbaren oder offensichtlichen körperlichen Spuren.

Tatsächlich suchen viele Menschen, die als Kinder derartigen Verhaltensweisen ausgesetzt waren, auch als Erwachsene niemals einen Psychologen oder Psychiater auf. Das liegt daran, dass sie sich oft gar nicht darüber bewusst sind, dass sie Opfer von Missbrauch wurden.

Dennoch führen diese Erfahrungen häufig dazu, dass sie mit ihrem Leben oder ihren eigenen Leistungen unzufrieden sind. Aber diese Menschen suchen die Ursachen hierfür nicht in vergangenen Misshandlungen, die ihnen die für sie verantwortlichen Erwachsenen angetan haben. Denn viele Menschen glauben leider immer noch, dass Missbrauch nur in Form von körperlicher Gewalt vorkommt.

Der Hauptrisikofaktor für psychische Störungen - missbrauchtes Mädchen

Überraschende Fakten in Bezug auf den Hauptrisikofaktor für psychische Störungen

Eine der überraschendsten Informationen, die aus dieser Studie hervorgegangen ist, ist die Tatsache, dass ein Zusammenhang zu generationenübergreifenden genetischen Traumata besteht. Dieses Phänomen wurde eingehend bei den überlebenden Opfern des Holocaust untersucht. Es besteht ein Zusammenhang zu genetischen Veränderungen, die durch Stress entstehen und die über das Sperma und die Eizellen der Menschen, die schwerwiegende psychische Traumata erlebt haben, an die nachfolgenden Generationen weitergegeben werden.

Experten weisen darauf hin, dass die Auswirkungen von Traumata und extremen Stresssituationen durch epigenetische Mechanismen an die nächste Generation vererbt werden. Infolgedessen haben die Nachkommen häufig eine Prädisposition für bestimmte stressbedingte Erkrankungen, die mit posttraumatischem Stress in Zusammenhang stehen.

Darüber hinaus weisen die Forscher auf die Veränderungen im Gehirn missbrauchter Kinder hin. Sie haben häufig ein geringeres Volumen an grauer Substanz und auch im dorsalen und ventralen präfrontalen Cortex ist sie dünner. Aber nach Aussagen der Wissenschaftler sind noch weitere Forschungen erforderlich, um diese aktuellen Erkenntnisse weiter zu vertiefen.

Se identifica principal factor de riesgo para trastornos mentales – Medscape – 17 de feb de 2020.