Der Geruch von Kaffee stimuliert unser Gehirn und verbessert kognitive Prozesse

· 20. November 2018

Wir mögen den stimulierenden Geruch von Kaffee nicht nur, sondern es gibt für uns am Morgen auch einfach keinen anderen Geruch, den wir so sehr lieben. Er beflügelt und verwöhnt sowohl unsere Sinne als auch unser Gehirn. Eine aktuelle Studie hat herausgefunden, dass der Geruch von Kaffee dazu in der Lage ist, uns zu motivieren, unsere kognitiven Prozesse zu verbessern und sogar unsere Laune zu heben.

Die meisten von uns haben das schon mehr als einmal erlebt: Wir haben die Kaffeedose aufgemacht, in der sich der gemahlene Kaffee, wahlweise auch Kaffeepads oder Kapseln befinden, haben die Augen geschlossen und uns diesem Geruch ergeben. Wir lieben diesen ganz eigenen Geruch von Kaffee, der uns gedanklich an einen warmen, schönen Ort bringt.

„Unter den vielen Luxusgegenständen, die sich auf unseren Tischen befinden, können wir Kaffee als einen der wertvollsten ansehen. Er macht uns Freude, ohne einen Rausch zu erzeugen, und auf den angenehmen Geisteszustand, den er hervorruft, folgt niemals Traurigkeit, Abgespanntheit oder Schwäche.“

Benjamin Franklin

Dass uns das so wohltuend vorkommt, dafür ist unser weises und stets fähiges Gehirn verantwortlich, das von einem der für die meisten Lebewesen wichtigsten Sinn gesteuert wird: dem Geruchssinn. Der Geruch von Kaffee wandert von der Großhirnrinde direkt in das limbische System, in diese fabelhaften Gehirnareale, in denen sich Emotionen und Erinnerung die gleichen Schaltkreise, die gleichen Wege teilen.

Dieser Kaffeeduft verbessert unsere Leistungsfähigkeit nicht, weil er uns plötzlich Kraft oder eine bestimmte Fähigkeit gibt. Wir sprechen nur von Gefühlen und unserem Wohlbefinden, von einem einfachen Placebo-Effekt. Das ist zweifellos eine interessante Tatsache, die wir gern vertiefen möchten.

Mann trinkt genüsslich Kaffee

Unser Gehirn liebt Kaffee

Es wird oft gesagt, dass kein Ort so ideenreich sei wie das Innere einer Tasse Kaffee. Schriftsteller, Studenten, Philosophen und jeder, der sich morgens eine Tasse Kaffee gönnt, um sich selbst in Gang zu bringen, oder abends, um sich lange Lern– oder Arbeitszeiten zu versüßen, weiß das. Es kann wohl kein Zufall sein, dass dieses Getränk vor Beginn jeder Schlacht Napoleons Lieblingsgetränk war (obwohl sein Magen nicht der gleichen Meinung war).

Koffein ist eines der Alkaloide, das unserem Gehirn am besten gefällt. Es ist ein natürliches Stimulanz des Nervensystems. Seine Wirkung setzt nach 15 Minuten ein und kann bis zu 6 Stunden anhalten. Das ist sensationell, daran gibt es keinen Zweifel, und das alles aufgrund seiner Molekularstruktur. Koffein ist dazu in der Lage, Adenosinrezeptoren, die den Schlaf anregen, und damit das Gefühl von Müdigkeit zu blockieren.

Aber Kaffee kann noch mehr. Kaffee hilft uns nicht nur, morgens hellwach zu werden und sogar ein wenig effektiver bei unserer Arbeit zu sein. Darüber hinaus vermittelt er uns ein angenehmes Gefühl des Vergnügens. Das wird durch Dopamin geregelt. Dieser Neurotransmitter bringt uns in Schwung, steigert unser Wohlbefinden und unsere Motivation, ist aber auch dafür verantwortlich, dass wir manchmal regelrecht süchtig nach Kaffee werden.

Eine Tasse schwarzer Kaffee

Der Geruch von Kaffee: Er hat einen starken Einfluss auf uns, aber viele wissen das nicht

Eine im Juni dieses Jahres im Journal of Environmental Psychology  veröffentlichte Studie zeigt etwas wirklich Interessantes: Der Geruch von Kaffee verbessert unsere kognitiven Fähigkeiten, d. h. er verbessert die Aufmerksamkeit, die Analysefähigkeit, die Problemlösungs- und Leistungsfähigkeit, was arbeiten und lernen im Allgemeinen anbelangt. Das mag wie Magie klingen, aber die Autorin der Studie, Dr. Adriana Madzharov, erklärt, dass das an einem deutlichen Placeboeffekt liege.

„Kaffee ist Balsam für Herz und Seele.“

Giuseppe Verdi

Die Verantwortlichen dieser Forschungsarbeit konnten nachweisen, dass es ausreicht, wenn es in einem Raum den Geruch von Kaffee gibt, damit sich 90 % der Menschen wohler fühlen. Außerdem wissen wir bereits, dass das Gehirn Kaffee liebt. Koffein stimuliert das Gehirn, erzeugt Freude und aktiviert uns. Aber auch das Kaffeearoma kann all diese Prozesse in Gang setzen, da dieser neuronale Weg zwischen Großhirnrinde und limbischem System verläuft: Der Geruch von Kaffee lässt uns an seine Vorteile denken.

Der Placeboeffekt hat zweifellos einen großen Einfluss auf den Menschen. Darüber hinaus weisen uns Neuromarketing-Experten darauf hin, dass wir oft unterschätzen würden, welch große Wirkung Gerüche auf uns haben. Wir haben es hier mit einer zerebralen Ressource zu tun, die praktisch nie voll ausgenutzt werde, obwohl sie in Wirklichkeit eine direkte Verbindung zu unseren Emotionen und unserem Gedächtnis habe. Der Geruchssinn sei ein außergewöhnlicher Kommunikationskanal zu unserem Gehirn, der uns inspiriere, beruhige und aktiviere, unsere Aufmerksamkeit und Selbstbeobachtung verbessere sowie uns kreativer und empfänglicher für die Umwelt mache.

Frau mit geschlossenen Augen genießt den Geruch von Kaffee

Die gefeierte Schriftstellerin und politische Aktivistin Helen Keller verlor im Alter von 19 Monaten ihr Augenlicht und ihr Gehör. Deshalb lernte Helen sehr früh, sich mit Gerüchen vertraut zu machen. Ihre Welt nahm Formen und Feinheiten an und sie achtete auf jeden Duft, jede Veränderung, jeden noch so kleinen Wandel des Windes, der Erde, der Menschen, die sie umgaben.

Der Geruch von Kaffee war und bleibt einer ihrer Favoriten. So gewann ihr persönliches Universum angesichts einer Welt, die von Dunkelheit und Stille bestimmt wurde, dank der Magie des Geruchs an Reichtum. Genau das weiß die Marketingwelt ganz genau und wird die Arbeits– und Unternehmenswelt immer mehr berücksichtigen. Manchmal genügt ein Duft von Vanille, Zimt, Schokolade oder Kaffee, um das Wohlbefinden und die Produktivität der Mitarbeiter zu verbessern – oder zum Kauf anzuregen. Die Welt der Gerüche steckt voller Möglichkeiten.