Der Farn und der Bambus – eine Fabel, um die Resilienz zu verstehen

· 7. August 2018

Die Fabel Der Farn und der Bambus  erzählt uns von einem Mann, der eine schwierige Zeit durchmachen musste. Er war Tischler und alles lief zunächst sehr gut für ihn. Das Unglück begann, als in seiner Stadt eine große Fabrik eröffnete, die Möbel herstellte. Die Investoren hatten viel Geld, ausgezeichnete Maschinen und ausgebildetes Personal. Bald wurde die Fabrik zu einer echten Sensation in diesem Ort.

Die Fabrik fertigte die Möbel in Rekordzeit. Auch wurden diese in sehr guter Qualität hergestellt. Zu allem Überfluss wurden sie auch noch zu niedrigeren Preisen, als der Tischler anbieten konnte, verkauft. So wurden die Umstände für ihn immer schlimmer. Im Laufe einiger Monate wusste er, dass er sich auf dem Weg zum Konkurs befand. Das quälte ihn sehr.

„Wir müssen die endgültige Enttäuschung akzeptieren, doch wir dürfen niemals die unendliche Hoffnung verlieren.“

Martin Luther King

Zu allem Übel kamen zu der gleichen Zeit auch noch Schwierigkeiten mit seiner Frau auf. Sie war Lehrerin in einer Schule und ihr Gehalt reichte nicht aus, um die drei Jungen, die sie hatten, zu unterhalten. Der Tischler versuchte einen neuen Job zu finden, doch es gelang ihm nicht. Seine Frau machte ihm Vorwürfe und so beeinflusste dies im Endeffekt auch die Kinder, da diese begannen, schlechte Noten aus der Schule mitzubringen.

Der Farn und der Bambus – eine großartige Lehre

Der Tischler aus unserer Geschichte war wirklich verzweifelt. Er hatte immer weniger Geld, immer weniger Energie und Optimismus. Seine Gedanken begannen sich im Kreis zu drehen. Er sah keinen Ausweg mehr. Das Einzige, das ihm eines Tages in den Sinn kam, war, in einem nahegelegenen Wald spazieren zu gehen, um zu versuchen, seinen Kopf freizubekommen. Er war kurz davor, die Geheimnisse des Farns und des Bambus kennenzulernen.

Weg in einem Wald

Er lief schon eine halbe Stunde durch den Wald, als er einen freundlichen alten Mann traf, der ihn begrüßte. Er hatte ein bescheidenes Haus und als er den Tischler sah, lud er ihn, mit ihm einen Tee zu trinken. Er bemerkte die Sorgen in seinem Gesicht und fragte ihn, was los sei. Der Tischler erzählte ihm von seinem Unglück, während der alte Mann ihm aufmerksam und heiter zuhörte.

Als sie mit dem Teetrinken fertig waren, lud der alte Mann den Tischler ein, sein herrliches Grundstück hinter dem Haus zu betrachten. Dort befanden sich neben Dutzenden von anderen Bäumen der Farn und der Bambus. Der alte Mann bat ihn, beide Pflanzen genau anzusehen, und sagte ihm, dass er ihm eine Geschichte erzählen möchte.

Die versprochene Geschichte: Der Farn und der Bambus

Der Tischler war sehr daran interessiert, was der alte Mann ihm zu sagen hatte. So begann dieser mit der Erzählung. Sie lautete:Vor acht Jahren nahm ich einige Samen und pflanzte den Farn und den Bambus zur gleichen Zeit. Ich wollte, dass beide Pflanzen in meinem Garten wuchsen, da ich die beiden als sehr angenehm empfinde. Ich habe mich sehr bemüht, auf die beiden aufzupassen, als wären sie ein Schatz.“

Weg in einem Bambuswald

„Kurze Zeit später bemerkte ich, dass der Farn und der Bambus auf verschiedene Weise auf meine Pflege reagierten. Der Farn begann zu sprießen und in nur wenigen Monaten entwickelte er sich zu einer majestätischen Pflanze, die alles mit ihrer Präsenz schmückte. Im Gegensatz dazu blieb der Bambus immer noch unter der Erde, ohne ein Lebenszeichen zu zeigen.

Der alte Mann fuhr mit seiner Geschichte fort, während der Tischler mit großem Interesse zuhörte. „Ein ganzes Jahr verging und der Farn wuchs immer weiter, der Bambus jedoch nicht. Ich gab trotzdem nicht auf. Ich kümmerte mich weiterhin sehr sorgfältig darum. Dennoch verging ein weiteres Jahr und meine Arbeit trug keine Früchte. Der Bambus weigerte sich zu wachsen.“

Die Zeit und die Resilienz

Der alte Mann fuhr mit seiner Geschichte fort: „Ich habe auch nach dem zweiten Jahr nicht aufgegeben, auch nicht nach dem dritten, oder vierten. Als fünf Jahre vergangen waren, sah ich schließlich, dass endlich ein schüchterner Zweig aus der Erde ragte. Am nächsten Tag war er bereits viel größer. Binnen ein paar Monaten wuchs er zu einem gewaltigen Bambus heran, der mehrere Meter hoch war. Weißt du, warum er so lange gebraucht hat, um ans Licht zu kommen?“

Japanischer Mann vor einem Tempel

Der Tischler dachte einen Moment lang nach, wusste aber nicht, was er sagen sollte. So ergriff der alte Mann wieder das Wort und sagte:Es hat fünf Jahre lang gedauert, weil die Pflanze in dieser ganzen Zeit daran gearbeitet hat, Wurzeln zu schlagen. Sie wusste, dass sie sehr groß werden musste und konnte deshalb nicht aus der Erde kommen, solange sie keine feste Basis hatte, die es ihr erlaubte, zu ihrer Zufriedenheit zu wachsen. Verstehst du?“

Der Tischler verstand die Botschaft. Er verstand, dass manche Dinge ihre Zeit brauchen, weil sie zuerst Wurzeln schlagen müssen. Dass es das Wichtigste ist, beständig zu bleiben und nicht den Glauben zu verlieren.

Bevor er sich verabschiedete, schenkte der alte Mann dem Tischler eine Nachricht, damit er diese für immer behalten konnte. Sie besagte: „Das Glück macht dich süß. Versuche machen dich stark. Schmerzen machen dich menschlich. Niederlagen machen dich bescheiden. Erfolge machen dich brilliant.“