Die buddhistische Psychologie als Ausweg aus komplizierten Gefühlen

· 24. April 2018

Emotional schwierige und schmerzliche Situationen sind Teil des Kreislaufs des Lebens. Darüber hinaus verlieren wir für gewöhnlich die Kontrolle über sie oder sie sind die direkten Konsequenzen unserer Entscheidungen oder Handlungsweisen. Deshalb neigen wir normalerweise dazu, den Kopf in den Sand zu stecken, weil wir nicht wissen, was wir tun oder wie wir reagieren sollen. In solchen Fällen kann uns die buddhistische Psychologie helfen.

Um eine missliche Lage zu bewältigen, nutzen wir oft die Unterstützung unseres Umfelds, die uns motiviert, weiterzumachen. Doch was sollen wir tun, wenn wir nicht auf die Hilfe unserer Freunde oder Familienmitglieder zurückgreifen wollen oder weder Freunde noch Angehörige haben, die uns unter die Arme greifen könnten? Dann ist der Augenblick gekommen, etwas mehr über die Vorteile der buddhistischen Psychologie zu erfahren.

Der Buddhismus entstand, um dem menschlichen Leid ein Ende zu bereiten

Der Buddhismus gilt als eine der wichtigsten Religionen in Fernost. Vor ungefähr 2.500 Jahren wurde diese Strömung als ein philosophisches und psychologisches System ohne jeglichen religiösen Ansatz erschaffen. Laut dem Asketen Siddharta Gauama, besser bekannt als Buddha, sei der Buddhismus die Wissenschaft des Geistes.

Buddha gründete eine Schule mit dem Ziel, eine Methode zu verbreiten, die das menschliche Leid beenden sollte. Dafür setzte er auf eine Reihe von sehr nützlichen Postulaten und Denkstrukturen, um unsere Gefühle verstehen und akzeptieren zu können.

Buddhastatue vor Fluss

4 edelmütige Wahrheiten der buddhistischen Psychologie

„Leiden entsteht durch Sehsucht, Wunsch und Ignoranz. Aber die können besiegt werden.“

Buddha

Die buddhistische Psychologie beruht auf einer Idee, die zwar pessimistisch erscheinen mag, aber auch hoffnungsvoll ist: Es liegt in der Natur des Menschen, zu leiden. Von diesem Gedanken gehen vier edelmütige Wahrheiten aus. Diese beinhalten die Mehrheit der Lehren der buddhistischen Psychologie und bilden das Fundament, auf dem die buddhistische Meditation ruht:

  • Leiden existiert
  • Leiden hat einen Grund
  • Dem Leiden und der damit verbundenen Ursache kann ein Ende bereitet werden
  • Dafür müssen wir dem edlen achtfachen Pfad folgen

Um schwierigen Situationen zu bewältigen und den Schmerz zu beseitigen, schlägt Buddha vor, dass wir den Ursprung des Leidens ausfindig machen. Nur wenn wir diesen erkannt haben, können wir uns von unserem Leiden befreien. Nur dann werden wir dazu in der Lage sein, die Sinnlosigkeit unserer Sorgen und Entmutigungen zu erkennen.

Laut der buddhistischen Psychologie gehen wir Menschen zahlreichen Gewohnheiten nach, die uns dem Leben gegenüber ignorant haben werden lassen. Wir wissen nicht mehr, was die Prozesse und Phasen des Lebens sind und das verursacht unser Leiden.

Frau betrachtet sich im Spiegel, das Wasser steht ihr bis zur Brust

Die letzte der vier Wahrheiten spricht vom Edlen Achtfachen Pfad. Ein Pfad oder Weg, der aus acht Abzweigungen oder praktischen Postulaten besteht, die es ermöglichen, Harmonie, Gleichgewicht und ein absolutes Bewusstseins zu erreichen. Er wird normalerweise als Dharma-Rad dargestellt, wobei jede der Speichen ein Element des Pfades symbolisiert. Die Abzweigungen können wiederum in drei große Kategorien unterteilt werden:

  • Weisheit: richtiges Verständnis und Denken
  • Ethisches Verhalten: korrekte Wortwahl, angemessenes Handeln und die richtige Beschäftigung
  • Einbindung des Geistes: Anstrengung, bewusste Aufmerksamkeit und Konzentration, Meditation oder korrekte Absorption

Diese acht Postulate sollten nicht als eine Reihe von linearen Schritten interpretiert werden. Sie müssen gleichzeitig entwickelt werden, und das abhängig von den Fähigkeiten eines jeden.

Das missverstandene Glück und das Bedürfnis, uns frei von Wünschen zu machen

Wir alle wollen glücklich sein, aber niemand von uns ist sich im Klaren, wie Glück definiert werden sollte. Jeder Mensch hat eine andere Vorstellung vom Glück: eine Beförderung, materielle Güter, Kinder bekommen, etc. Derartige Wünsche versichern uns, dass wir uns nicht einmal dann vollkommen fühlen könnten, wenn wir all unsere Ziele umsetzen würden, denn wenn sich einer unserer Wünsche erfüllt, gehen wir gleich zum nächsten über und danach haben wir auch schon wieder einen neuen Wunsch. So geraten wir immer tiefer in eine Spirale, die kein Ende zu haben scheint. Und all das mit der falschen Hoffnung, ganz unten doch noch glücklich zu werden.

„10 % unseres Lebens hängen mit dem zusammen, was uns passiert, und die restlichen 90 %, mit unserer Art, wie wir darauf reagieren.“

Stephen R. Covey

Die buddhistische Psychologie besagt, dass die in unserem Verstand vorhandenen Wünsche uns ablenken und zu einer regelrechten Sucht führen würden, einer Sucht nach Menschen, materiellen Gütern und Glaubenssätzen. Genau das sei einer der Hauptgründe für unser Leiden. Denn wenn wir nach etwas süchtig seien, identifizieren wir uns über Objekte oder Menschen und verlieren unsere eigene Identität. Wir vergessen, wer wir seien und was die wahren Bedürfnisse des Menschen seien.

Der Buddhismus stattet uns mit Werkzeugen aus, damit wir an jener Sucht arbeiten und Wissen erlangen können. Nur dadurch können wir verstehen, was wir wirklich brauchen  – in Bezug auf unsere persönliche Entwicklung, ein harmonisches Zusammenleben, etc. – und bewegen uns mit größeren Bewusstsein in der Schule des Lebens.

Buddha mit Schmetterlingen

Wie können wir unser Leiden beenden?

Durch Meditation. Wie wir gesehen haben, zielen die buddhistischen Praktiken der Reflexion darauf ab, mehr Verständnis und Weisheit zu erlangen und unser Leiden zu beenden. Auch wenn die Techniken je nach Schule und Tradition variieren, verfolgen alle das gemeinsame Ziel, einen Zustand höherer Aufmerksamkeit und Ruhe zu erreichen.

Nachfolgend möchten wir die wichtigsten buddhistischen Ströme auflisten, die uns helfen, unser Leid, besonders was Situationen anbelangt, in denen wir mit komplizierten Gefühlen zu kämpfen haben, hinter uns zu lassen:

  • Theravada: Definiert sich selbst als Analytiker. Deshalb möchte er die verschiedenen psychologischen oder meditativen Zustände beschreiben, um die meditative Erfahrung zu systematisieren.
  • Zen: Konzentriert sich auf die Spontanität und Intuition von Weisheit. Seine Praxis zielt auf eine natürliche Harmonie des Individuums ab und vermeidet den Dualismus beim Verständnis der Realität.
  • Vajrayana: Versucht, das Verständnis der Realität auf tiefgründige Weise zu verbessern. Daher konzentriert er sich auf die symbolischen und unbewussten Mechanismen des Geistes. Sie ist die symbolischste und magischste aller buddhistischen Traditionen.
  • Das Reine Land: Hebt Hingabe, Demut und Dankbarkeit als direkte Wege der spirituellen Verwirklichung hervor. Es ist eine Art hingebungsvoller Meditation, bei der Mantras die Protagonisten sind.

Zusammengefasst können wir sagen, dass der Buddhismus möchte, dass wir uns offen mit unseren Gefühlen verbinden, wir das bewusst tun, uns mit ihnen auseinandersetzen und sie akzeptieren. Sie sind Teil unserer Existenz, doch vor allem verändern sie sich, weswegen wir nicht das Bedürfnis haben sollten, sie zu kontrollieren.