Der Einstellungseffekt - Anders denken

01 August, 2020
Das menschliche Gehirn tut sich schwer damit, bei der Lösung von Problemen kreativ zu denken. Daher ist der Einstellungseffekt etwas, worüber es sich lohnt, einmal nachzudenken. Menschen neigen dazu, auch unter verschiedenen Bedingungen stets die gleichen Strategien anzuwenden. Wir sagen dir heute, wie du das ändern kannst.

Der Einstellungseffekt ist eine kognitive Falle, in die die meisten Menschen sehr häufig geraten. Er entsteht zum Beispiel, wenn du versuchst, ein Problem zu lösen und nach gründlicher und sorgfältiger Analyse zu dem Schluss kommst, dass es keine Lösung dafür gibt. Du denkst so, weil dein logisches Denkvermögen unflexibel ist. Daher bist du nicht dazu in der Lage, Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Um diesen Effekt besser zu verstehen, genügt es, dass du dir eine ziemlich gängige Tatsache vor Augen führst. Stelle dir vor, dass ein “Experte” versucht, ein Problem zu lösen. Er wird die Fragestellung genau analysieren und sie aus unzähligen verschiedenen Perspektiven genau beleuchten. Dann kommt ein Außenstehender, betrachtet die Umstände und findet eine brillante Lösung, die der “Experte” noch nicht einmal in Erwägung gezogen hatte.

Was genau ist passiert? Nun, diese Situationen manifestieren sich manchmal als Hyperspezialisierung von Wissen. Mit anderen Worten, Menschen beherrschen eine ganze Reihe von Denkansätzen, Themengebieten und Wissensschemata, ohne diese überhaupt zu hinterfragen. Sie lassen keinen Raum für andere Möglichkeiten oder neue Perspektiven, die sie durch Querdenken entdecken könnten.

Außerdem gibt es noch eine weitere Tatsache, die du kennen solltest. Der Einstellungseffekt beschreibt keinen bestimmten Persönlichkeitstyp. Es handelt sich vielmehr um eine mentale Strategie, die sich darauf bezieht, dass dein Gehirn immer die gleichen Antworten und Lösungen liefert. Daher ist es für dich auch so schwer, innovativ und originell zu sein. Und das ist ganz sicher ein großes Problem.

Das deutsche Wort Einstellung hat unter anderem diese zwei Bedeutungen: “Anpassung” und “Denkweise”. Es beschreibt also Situationen, in denen du dich an die dir bekannten Lösungen anpasst und gleichzeitig andere Alternativen verhinderst.

Einstellungseffekt - Flugshow

Der Einstellungseffekt oder die kognitive Verknüpfung, die deinen Geist blockiert

Warum solltest du Zeit damit verschwenden, andere Möglichkeiten auszuprobieren, wenn du bereits deine eigenen Problemlösungsstrategien entwickelt hast? Diese Frage fasst die mentalen Abkürzungen zusammen, mittels derer viele Menschen ihren Problemen begegnen. Auf gewisse Weise tun sie das, weil Menschen viele vorgefasste Meinungen und Vorstellungen haben. Tatsächlich “arbeitest” du jeden Tag mit ihnen. Insbesondere mit denen, die dir Zeit sparen und dir das Gefühl von Effektivität vermitteln.

Allerdings hindern dich deine Vorkenntnisse und Erfahrungen häufig daran, kreativere und originellere Ansätze zu entwickeln. Das englische Sprichwort “Besser der Teufel, den du kennst, als der Teufel, den du nicht kennst”, beschreibt dies sehr treffend. Hieran wird sehr deutlich, dass Menschen Gewohnheitstiere sind.

Menschen werden immer ihren eigenen Erfahrungsschatz mehr wertschätzen als die Möglichkeit, zu improvisieren und neue Dinge auszuprobieren. Daher fühlen sich die meisten Menschen auch wesentlich wohler mit dem Ansatz “es wurde schon immer so gemacht” als mit der Haltung “schauen wir mal, was passiert”.

Experten sind laut Einstellungseffekt weniger kreativ

Der Einstellungseffekt wurde erstmals im Jahr 1942 von Dr. Abraham Luchins beschrieben. Er machte eine Enthüllung, die viel Aufmerksamkeit erregte: “Experten” sind manchmal die unkreativsten und am wenigsten innovativen Menschen. Aber wie kann das sein?

Wenn Menschen in einem bestimmten Gebiet sehr viel Erfahrung haben, neigen sie seltener dazu, sich und dieses Wissen infrage zu stellen. Stattdessen verlassen sie sich auf ein sehr enges kognitives Schema, das auf ihren Erfahrungen beruht. Aus diesem Grund kann die Anwesenheit eines “Nicht-Experten” in diesem Fachgebiet tatsächlich neue und originelle Ideen liefern, denn sie ergänzen die alten Werte um neue Perspektiven.

Einstellungseffekt - Kind mit bunten Fingern

Beginne bei dir selbst und entwickle ein flexibleres Denken

Wer hat noch nicht von lateralem Denken, einem flexiblen Geist, dem Wert von Kreativität und der Wichtigkeit von Innovation gehört? Jeder weiß, dass er diese Dimensionen nutzen und zum Ausdruck bringen sollte. Wenn du sie bei deiner Arbeit, deinem Lebensstil und deinem Denken anwendest, wird sich das Wohlbefinden und die Entwicklung deiner Gesellschaft erheblich verbessern.

Allerdings müssen wir natürlich auch zugeben, dass Veränderung nicht immer gewünscht ist. Den Status Quo beibehalten und die Einstellung “Lasst es uns wie immer machen, weil es funktioniert”,  herrscht in den meisten Arbeitsumfeldern vor. Das erklärt auch, warum der Einstellungseffekt dich dazu zwingt, deine Probleme mit den üblichen Lösungswegen anzugehen, was jeglichen Fortschritt verhindert.

Was also kannst du tun? Tatsächlich kannst du viele Dinge verändern! Beginne bei dir selbst und ermutige auch andere dazu, eine innovativere, flexiblere und offenere Realität zu entwickeln. Das sind nur einige Schlüsselkonzepte, über die du nachdenken kannst.

Wie kannst du den Einstellungseffekt reduzieren?

  • Wenn du ein Problem lösen musst, solltest du nicht die ersten Ideen befolgen, die dir in den Sinn kommen. Erweitere stattdessen deinen Fokus und deine Perspektive.
  • Kultiviere dein Wissen und erweitere es fortlaufend. Vielleicht bist du in einigen Gebieten ein Experte, aber wenn du auch auf das Wissen anderer vertraust, erweiterst du deinen Horizont und wirst die Dinge aus verschiedenen Perspektiven betrachten können. Außerdem wird es dir helfen, Dinge zu relativieren.
  • Kontrolliere die Reaktionen deines Geistes und weigere dich, mit allem konform zu gehen. Es ist sehr üblich, Dinge zu sagen wie “Das weiß ich nur zu gut” oder “Warum sollte ich einen anderen Weg gehen, wenn ich weiß, dass dieser funktioniert?” All diese Gedanken führen zum Einstellungseffekt. Daher solltest du sie auch unbedingt vermeiden.
  • Sei mutig und “verlerne” einige Dinge, von denen du glaubst, sie zu wissen. Stattdessen solltest du neue Perspektiven und Herangehensweisen erlernen und entdecken.
  • Höre deinen Mitmenschen zu, achte auf andere Perspektiven und ermutige dich dazu, zu improvisieren und die kreativen Muskeln deines Geistes zu trainieren.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es Zeit braucht, um einen offeneren, flexibleren und originellen lateralen Ansatz zu entwickeln und anzuwenden. Du musst dein Gehirn umerziehen. Zuerst einmal musst du damit aufhören, dich an deinen vorgefertigten Vorstellungen festzuklammern. Trainiere dich dazu, Neuerungen zuzulassen und anzuwenden. Dann wirst du durch kontinuierliches Wachstum lernen.

  • Luchins, A. S. (1942). Mechanization in problem solving: The effect of Einstellung. Psychological Monographs54(6), i–95. https://doi.org/10.1037/h0093502