Der D-Faktor und die 9 Eigenschaften, die das menschliche Übel definieren

12. Januar 2020
Das menschliche Übel existiert und zeichnet sich dadurch aus, immer nach dem eigenen Nutzen zu suchen. Nun kann diese Persönlichkeit anhand der neun Merkmale des sogenannten D-Faktors identifiziert und gemessen werden.

Dem Anschein nach ist der Mensch biologisch auf Geselligkeit, auf Empathie und die Fürsorge seiner Mitmenschen ausgerichtet. Nur so können wir als Gruppe überleben und als Spezies weiterkommen. Doch wir wissen, dass es das menschliche Übel gibt. Tatsächlich kennen wir jetzt sogar den gemeinsamen Ursprung, der dieses erklärt und den Wissenschaftler als D-Faktor kategorisiert haben.

Das Böse hat viele Gesichter. Philip Zimbardo, Sozialpsychologe und ehemaliger Präsident der American Psychological Association (APA), weist darauf hin, dass es in diesem Verhalten mehr gibt als nur den Wunsch, unsere eigenen Mitmenschen herabzusetzen, zu demütigen, zu kontrollieren und zu schädigen.

Das Böse oder der D-Faktor in der Geschichte und in unserem Umfeld

In der Geschichte finden wir zum Beispiel dunkle Persönlichkeiten wie Ted Bundy oder Andrei Chikatilo, Massenmörder wie Hitler oder Stalin und auch solche, die wie Charles Manson Täter des Bösen waren, Personen, die andere zu Gewalttaten trieben.

Nun ist das Böse rätselhaft, still und oft nicht so auffällig wie die dramatischen Geschichten dieser bereits mythischen Namen der Kriminalliteratur. Denn wenn es etwas gibt, das wir alle wissen, dann ist es, dass das Böse auch in bestimmten Persönlichkeiten in unserer Mitte zu sehen ist: in den Unternehmensleitern, in den politischen Bereichen, in den Eltern, die ihre Kinder misshandeln, und sogar in den Kindern, die ihre Klassenkameraden bedrängen, demütigen und angreifen.

Es ist uns jedoch klar, dass es verschiedene konditionierende Faktoren geben kann, die in dieser aggressiven Dynamik vermitteln können. Allerdings haben sich Neurologen, Psychiater und Psychologen immer gefragt, ob es eine gemeinsame Achse gibt, die einen guten Anteil dieses Verhaltens erklären kann.

Anscheinend schon. Tatsächlich haben Wissenschaftler der Universität Ulm und der Universität Koblenz-Landau vor Kurzem in Kopenhagen eine interessante Studie veröffentlicht, in der sie einen Begriff in die Fachliteratur eingeführt haben, von dem wir zweifellos hören werden (wenn wir ihn nicht bereits gehört haben): den D-Faktor.

Dieses Konzept würde all jene Verhaltensweisen des dunkelsten Kerns der menschlichen Persönlichkeit sammeln und beschreiben. Schauen wir uns das genauer an.

„Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehen, daß er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“
Friedrich Wilhelm Nietzsche

Gehirn mit Blitzen

Von Charles Spearman zur Theorie des menschlichen Übels

Vor mehr als 100 Jahren leistete der Psychologe Charles Spearman einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis der menschlichen Intelligenz. Nach diesem Ansatz, der als bifaktorielle Theorie bekannt ist, besitzt jeder von uns das, was als g-Faktor bekannt ist, verstanden als jene allgemeine Intelligenz, die den Umfang unserer kognitiven Fähigkeiten sammelt.

Unabhängig davon, welcher Test auf uns angewendet wird oder welche Übung wir durchführen, dieses Konstrukt ist die grundlegende Essenz intelligenten Verhaltens in einer bestimmten Situation. Ausgehend von dieser Idee entschied sich der Kognitionspsychologe Morten Moshagen von der Universität Ulm gemeinsam mit seinen Kollegen, noch ein wenig weiterzugehen...

Sie beschlossen, herauszufinden, ob im Bereich des menschlichen Übels, wie bei der Intelligenz, ebenfalls ein allgemeiner Faktor in jedem von uns vorhanden ist. Ein Faktor, bei dem die einen Menschen einen höheren und die anderen einen niedrigeren Wert erzielen würden.

Nach der Durchführung einer detaillierten und gewissenhaften Studie mit einer großen Stichprobe von 2500 Probanden, waren die Ergebnisse signifikant. Es scheint in der Tat eine allgemeine Komponente zu geben, welche die Wissenschaftler D-Faktor nennen. Dieser umfasst 9 dunkle Merkmale, in denen nur Menschen mit bösem und aggressivem Verhalten besser abschneiden.

Schwarzer Schmetterling als Symbol für das Böse und den D-Faktor

Der D-Faktor und das menschliche Übel

Der D-Faktor definiert die psychologische Tendenz, die eigenen Interessen, Wünsche oder persönlichen Motivationen über jeden anderen Aspekt zu stellen, sei es über Mitmenschen oder jede andere Art von Umständen. Er umfasst auch das gesamte Spektrum der Verhaltensweisen, die das menschliche Übel ausmachen.

Es sei darauf hingewiesen, dass zusätzlich zu der Studie, die von dem obengenannten Team aus Psychologen der Universität von Kopenhagen durchgeführt wurde, vier weitere Analysen durchgeführt wurden, um die Zuverlässigkeit und Validität des D-Faktors zu überprüfen. Alle von ihnen zeigten ihre Nützlichkeit bei der Messung des Grades der Dunkelheit in jedem von uns.

Wir haben damit eine weitere Ressource zur Messung des menschlichen Übels zur Verfügung, die auch mit der Skala von Michael Stone ergänzt werden kann, jenem bekannten Werkzeug zur Messung der 22 Bosheitsgrade im menschlichen Verhalten. Lasst uns jedoch die 9 Faktoren sehen, die den D-Faktor bestimmen.

Die 9 dunklen Merkmale des D-Faktors

  • Egoismus. Verstanden als übertriebene Sorge um die eigenen Interessen.
  • Machiavellismus. Definiert die Person mit manipulativem Verhalten, emotionaler Kälte und strategischer Mentalität auf der Suche nach eigenen Interessen.
  • Mangel an Ethik und moralischem Sinn.
  • Narzissmus. Dabei geht es um die übertriebene Bewunderung der eigenen Person und die fortgesetzte Suche nach dem eigenen Nutzen.
  • Psychologisches Recht. Es bezieht sich auf die Überzeugung einer Person, sich zu mehr Rechten und Zugeständnissen berechtigt zu fühlen als andere.
  • Psychopathie. Affektives Defizit, geringes Mitgefühl, Unempfindlichkeit, Neigung zum Lügen, Impulsivität.
  • Sadismus. Verhaltensweisen, die nicht damit zögern, anderen durch jede Art von Aggression, sei es sexuell oder psychologisch, Schmerzen zuzufügen. Diese Handlungen verschaffen ihnen außerdem Freude und ein Gefühl der Herrschaft.
  • Soziales und materielles Interesse. Ständige Suche nach Gewinn, sei es soziale Verstärkungen, materielle Objekte, Anerkennung, Erfolg…
  • Boshaftigkeit. Vorliebe für das Böse, sei es durch Aggression, Missbrauch, Diebstahl, Demütigung…
Maske, die Böses versteckt: D-Faktor

D-Faktor zur Identifizierung und Messung des Bösen

Ingo Zettler, Co-Autor dieser Studie, weist darauf hin, dass der D-Faktor als jene dunkle Persönlichkeit verstanden werden kann, in die viele dieser Eigenschaften integriert sind. Die Tatsache, die das menschliche Übel am meisten kennzeichnet, ist also nicht nur, dass es zu jeder Zeit den eigenen Nutzen sucht, ohne die Rechte anderer zu berücksichtigen.

Menschen, die von diesem Faktor geprägt sind, finden auch im eigenen Handeln Rechtfertigung. Wie wir sehen können, lassen all diese Ideen die möglichen neurobiologischen und sozialen Erklärungen beiseite, die diese Handlungen bestimmen können. Es wäre daher ein wertvolles psychologisches Instrument zur Identifizierung und Messung des Bösen.

Abschließend sei jedoch gesagt, dass es sich lohnt, sich hier an ein Zitat von Fjodor Dostojewski zu erinnern: Nichts ist einfacher, als die Gestalt des Bösen zu identifizieren, aber nichts ist schwieriger, als sie zu verstehen.

  • Furnham, A., Richards, S. C., & Paulhus, D. L. (2013). The Dark Triad of Personality: A 10Year Review. Social and Personality Psychology Compass7(3), 199–216. https://doi.org/10.1002/ijc.31143