Deine Meinung zu ändern, ist ein Zeichen von Intelligenz

Intelligente Menschen sind geistig flexibel und in der Lage, ihre Meinung zu ändern, wenn sie neue Informationen erhalten, die ihre Überzeugungen infrage stellen.
Deine Meinung zu ändern, ist ein Zeichen von Intelligenz
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 22. Dezember 2022

Du änderst öfter deine Meinung? Dann wird es dich freuen zu hören, dass dies ein Zeichen von Intelligenz ist. Manche Menschen glauben allerdings, dass die häufige Revision einer Meinung auf fehlende Überzeugung oder Charakterschwäche zurückzuführen ist: Sie denken, dass es wichtig ist, Stolz zu bewahren und Irrtümer nicht zuzugeben, auch wenn die Beweise Zweifel an den eigenen Behauptungen aufkommen lassen.

Experten für menschliche Intelligenz und Kreativität schlagen folgende Übung vor: Wenn du morgens aufwachst, überlege dir, welche Idee, Einstellung oder Überzeugung du an diesem Tag ändern möchtest. Du praktizierst so deine geistige Flexibilität, die es dir ermöglicht, Weisheit, kognitive Offenheit und auch Glück zu erlangen.

Der Fluss des Lebens erfordert Veränderung und Bewegung, genau wie unser Geist. Diejenigen, die sich nicht erlauben, gelegentlich die Meinung zu ändern, machen am Ende falsche Fakten zur Wahrheit. Sie können nicht mit Ungewissheit umgehen und sind nicht in der Lage, ihre Fehler zu korrigieren. Und wie wir alle wissen, ist es sehr schwierig, mit jemandem zusammenzuleben, der zwar starre Überzeugungen hat, jedoch keine Flexibilität aufbringt.

Ein Genie in Quantenphysik zu sein oder zwei Doktortitel in Mathematik zu haben, konstituiert noch nicht allein Intelligenz. Ein brillanter Geist ist ein flexibler Geist.

Wenn wir uns ewig an die erstbesten Ideen klammern, die uns in den Sinn kommen, werden wir nicht in der Lage sein, die komplexen Herausforderungen des Lebens zu meistern.

Deine Meinung zu ändern ist ein Zeichen von Intelligenz

Deine Meinung zu ändern, ist ein Zeichen von Intelligenz

Wenige Dinge sind bequemer, als dieselbe Wahrheit zu verteidigen, die auch deine Freunde, dein Partner, deine Familie oder deine Arbeitskollegen teilen. Dieselben Überzeugungen, Ideologien und Einstellungen zu pflegen, die auch die Bezugsgruppe anerkennt, gibt dir Zufriedenheit und Zusammenhalt. Doch was passiert, wenn du plötzlich deine Meinung änderst und genau das Gegenteil von deinem ursprünglichen Standpunkt vertrittst?

Du forderst damit dein Umfeld heraus, alle sind überrascht und fragen sich, seit wann oder warum du anders denkst als zuvor. Hat dich jemand einer Gehirnwäsche unterzogen? Nicht jeder versteht oder respektiert, dass du deine Meinung änderst. 

Viele werden dich lieber mit den alten Denkansätzen sehen, die vorhersehbar und angepasst sind. Diese Anschauungen stehen im Einklang mit dem, was andere befürworten. Doch niemand ist ein Schwindler oder ein Verräter, nur weil er plötzlich eine Idee verteidigt, die er zuvor ablehnte. Offen zu sein für andere Ansätze und ihren Nutzen zu erkennen, ist ein eindeutiges Zeichen von Weisheit.

Kognitive Verbohrtheit und das Festhalten an Ideen, von denen wir wissen, dass sie falsch sind, machen uns nicht stärker, sondern unwissend. 

Wenn du eine gute Führungskraft sein möchtest, musst du lernen, deine Meinung zu ändern

Die Meinung zu ändern, ist ein Zeichen von Intelligenz, aber viele denken, dass diese Abweichung ihre Autorität beeinträchtigt. Genau das haben die Experten Martha Jeong, Leslie K. John, Francesca Gino und Laura Huang von der Harvard Business School herausgefunden. In einer Forschungsstudie haben sie festgestellt, dass ein großer Teil der Führungskräfte und Unternehmer nicht bereit ist, einen Ansatz zu ändern oder eine Idee zu verwerfen.

Das Festhalten an ihren ursprünglichen Positionen ist für manche ein Zeichen von Macht und Überzeugung. Wahre Führungspersönlichkeiten und erfolgreiche Menschen wissen jedoch, dass ein Sturkopf nicht weit kommt. Nur wer sich erlaubt, flexibel zu sein und seine Perspektive gelegentlich zu ändern, offenbart wahre Brillanz.

Manchmal ist es nötig, die Herangehensweise zu ändern, um recht zu haben

Es schmerzt mitunter, erkennen zu müssen, von etwas überzeugt zu sein, das gar nicht stimmt. Diese Situation berührt unser Ego, unsere Moral, unser Selbstwertgefühl und unsere Identität. Wenn wir also feststellen, dass neue Informationen dem widersprechen, was wir bisher verteidigt haben, entsteht eine kognitive Dissonanz.

Dieser Begriff beschreibt die Disharmonie, die wir erleben, wenn das innere System von Ideen, Überzeugungen und Einstellungen in Konflikt gerät. Wir wissen, dass es ein Zeichen von Intelligenz ist, die Meinung zu ändern, da wir so unstimmige Ideen verwerfen können. Doch das ist gar nicht so einfach. Viele entwickeln großes Geschick darin, dieses psychologische Unbehagen zu vermeiden. 

Ein Beispiel:

  • Ich rauche gerne, aber ich weiß, dass diese Gewohnheit Krebs verursachen kann. Das ist unangenehm, deshalb passe ich meine Gedanken an: Mein Großvater hat sein ganzes Leben lang geraucht und ist mit 100 Jahren gestorben. Es wird also nicht so schlimm sein.
Deine Meinung zu ändern, ist ein Zeichen von Intelligenz

Hinter deinen Überzeugungen steckt Flexibilität

Michael Servetus, Giordano Bruno, Kopernikus, Galileo Galilei … Zahlreiche historische Persönlichkeiten forderten mit neuen Ideen und Anschauungen die Welt heraus und widersetzten sich damit den verbreiteten Glaubensdogmen. Wissenschaft und Religion haben sich nie besonders gut verstanden. Noch immer gibt es viele, die sich an ihre Überzeugungen klammern wie die Inquisition an ihre Glaubensbekenntnisse.

Die Gesellschaft kommt nicht voran, wenn es keine Aufgeschlossenheit gibt. Auch in unserer modernen Gesellschaft versuchen noch immer viele, ihre Meinung mit Gewalt zu verteidigen, obwohl es keine Grundlage dafür gibt.

Die Meinung zu ändern, ist ein Zeichen von Intelligenz, aber es erfordert intellektuelle Demut. Und das ist nicht leicht, wenn wir mit dem Gedanken aufgewachsen sind, dass wir unsere eigenen Überzeugungen bis zum Äußersten verteidigen müssen.

Wir vergessen, dass Veränderungen den Fortschritt erleichtern, dass die Wahrheit im Fortschritt verborgen ist und dass wir alte Ideen verwerfen müssen, um bessere Argumente und neue Perspektiven zu erreichen. Wir sollten uns fragen, welche Idee oder welcher Glaube es wert ist, schon heute geändert zu werden.


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