Datenschutzmüdigkeit durch soziale Netzwerke

Datenschutzmüdigkeit ist zu einem fast universellen Phänomen geworden - mindestens so universell wie die Technologie. Willst du wissen, was sie ist, woher sie kommt und welche Studien uns über ihre möglichen Folgen informieren?
Datenschutzmüdigkeit durch soziale Netzwerke

Letzte Aktualisierung: 19. Oktober 2021

Es wird immer schwieriger, die Identität und die Privatsphäre zu schützen. Das Netz der Netze eröffnet uns eine Parallelwelt, die mit unserem realen Leben interagiert und die Grenzen zwischen dem Selbst und dem Kollektiv verwischt. Eine der häufigen Folgen ist die Datenschutzmüdigkeit.

Menschen, die regelmäßig soziale Netzwerke nutzen oder im Internet surfen, stehen vor dem Dilemma, dass sie möglicherweise mehr persönliche Informationen preisgeben, als sie sollten – oder dass diese sogar ohne ihr Wissen gestohlen werden. Dieses Gefühl der Unsicherheit kann zu einer Belastung werden.

Eine Gruppe von Psychologen hat sich mit diesem Thema beschäftigt und das Konzept der Datenschutzmüdigkeit geprägt. Finde in diesem Artikel heraus, was du darüber wissen solltest.

Datenschutzmüdigkeit durch soziale Netzwerke

Was ist Datenschutzmüdigkeit?

Datenschutzmüdigkeit bezeichnet die Überzeugung, dass es keine effektive Möglichkeit gibt, persönliche Daten im Internet zu verwalten oder zu schützen. Betroffene Personen fühlen sich den Risiken ausgesetzt, die mit dem Surfen im Internet und der Nutzung sozialer Netzwerke verbunden sind.

Dieses Syndrom entwickelt sich aufgrund seiner Häufigkeit zu einer neuen psychischen Störung, ist aber noch in keinem Bewertungs- und Diagnosehandbuch zu finden.

Dieses Phänomen wurde von Psychologen am Ulsan National Institute of Science and Technology in Südkorea untersucht. Die Forscher fanden heraus, dass eine große Anzahl von Nutzerinnen und Nutzern ähnliche Symptome wie bei einer psychologischen Erschöpfung erleben, die durch Internetkontexte entsteht, in denen die Privatsphäre nicht sehr klar ist.

Dieses Gefühl des Mangels an Privatsphäre ist allen Nutzerinnen und Nutzern gemein. Manche Menschen sind jedoch mehr darauf bedacht, keine personenbezogenen Daten weiterzugeben und verbringen viel Zeit damit, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu lesen, die die meisten sofort akzeptieren.

Symptome für Datenschutzmüdigkeit

Kann ich hier bestimmte Fotos posten? Welche Cookies kann ich erlauben? Wie wähle ich eine gute Antiviren-  und Anti-Malware-Software? Diese und andere Entscheidungen sind im Alltag ständig präsent, wenn es darum geht, die Privatsphäre zu schützen. Menschen, die sich übermäßig damit beschäftigen, können folgende Symptome entwickeln:

  • Gefühl der psychologischen Müdigkeit: Dies hat in der Regel damit zu tun, dass einer Person die Fähigkeiten und Ressourcen fehlen, ihre persönlichen Daten online zu verwalten.
  • Erlernte Hilflosigkeit: Die Nutzer sind bereits damit gesättigt ist, ihre Privatsphäre zu schützen. Sie verzichten aufgrund von Frustration, Hoffnungslosigkeit oder Desillusion schließlich auf alle Maßnahmen.
  • Unfähigkeit, eine klare Grenze zwischen öffentlich und privat zu ziehen: Obwohl das Wort “privat” in sozialen Netzwerken häufig vorkommt, handelt es sich in Wahrheit trotzdem um eine Veröffentlichung, die andere sehen können. Die Konzepte verschwimmen und damit auch die Fähigkeit, angemessene Entscheidungen zu treffen.

All dies führt dazu, dass Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz der Online-Privatsphäre vernachlässigt werden, was wiederum zu Problemen wie dem Diebstahl personenbezogener Daten führen kann.

Es gibt derzeit keine spezifische Behandlung für Datenschutzmüdigkeit, doch fachärztliche Hilfe kann wichtig sein, wenn dieses Problem den Rahmen sprengt. Je nach den Bedürfnissen jeder Einzelperson werden personalisierte Interventionsrichtlinien erstellt.

Mann hat Symptome für Datenschutzmüdigkeit

Die unscharfe Grenze zwischen privat und öffentlich

Die Öffentlichkeit ist generell besorgt über die Offenlegung ihrer persönlichen Daten ohne ihre Zustimmung. Datenschutzmüdigkeit und erlernte Hilflosigkeit führen jedoch dazu, dass die Zustimmung zu den Geschäftsbedingungen automatisch erfolgt.

Dies ist als “Datenschutzparadoxon” bekannt. Darin geben Menschen freiwillig persönliche Informationen preis, obwohl sie Bedenken dagegen haben. Dieses Phänomen hat immer noch dunkle Seiten, denn seine Wurzeln liegen viel tiefer als einfache Müdigkeit.

Einer der Faktoren, die die Grenze zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit verwischen, sind die sozialen Medien. Heutzutage hängt die Konstruktion von Identität stark davon ab, was in diesen Netzen veröffentlicht wird. Infolgedessen empfinden viele Menschen diesen Verlust der Privatsphäre als unvermeidlich.

Die gemeinschaftliche Konstruktion der Identität, das Gefühl der Zugehörigkeit und natürlich die fehlende Regulierung versetzen die Nutzer in ein ständiges Dilemma in Bezug auf die Privatsphäre. Haben wir wirklich die Kontrolle über unseren Datenverkehr? Von dieser Seite des Bildschirms aus ist schwer zu erkennen, was mit unseren Daten passiert.

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  • Pramod, D., & Raman, R. (2014). A study on the user perception and awareness of smartphone security. International Journal of Applied Engineering Research, ISSN, 0973-4562.
  • Gerber, N., Gerber, P., & Volkamer, M. (2018). Explaining the privacy paradox: A systematic review of literature investigating privacy attitude and behavior. Computers & security77, 226-261.