Das rastlose Leben des Krimiautors Friedrich Glauser

Friedrich Glauser gilt als einer der ersten und wichtigsten deutschsprachigen Krimiautoren. Erfahre Interessantes über sein komplieziertes und rastloses Leben.
Das rastlose Leben des Krimiautors Friedrich Glauser
Sergio De Dios González

Geprüft und freigegeben von dem Psychologen Sergio De Dios González.

Geschrieben von Edith Sánchez

Letzte Aktualisierung: 24. April 2023

Friedrich Glauser war ein gequältes Genie, das erst nach seinem Tod Anerkennung erhielt. Er gilt als einer der ersten und bedeutendsten deutschsprachigen Krimiautoren, einen Großteil seiner Romane schrieb er in psychiatrischen Anstalten. Bereits in jungen Jahren begann Glauser mit Gedichten, die jedoch erst nach seinem Tod veröffentlicht wurden. Seinen Scharfsinn bewies er unter anderem in den Erzählungen, die er einige Jahre vor seinem Tod schrieb.

Friedrich Glauser war als Enfant Terrible verschrien, er führte ein kompliziertes Leben, das durch seine Morphiumsucht, Beschaffungskriminalität und Suizidversuche geprägt war. Er versuchte sich als Milchausträger, Knecht, Privatlehrer, Übersetzer, Journalist, Tellerwäscher, Fremdenlegionär und in vielen anderen Bereichen. Seine Werke zeichnen sich durch Originalität und kreative Intensität aus und sie zeugen von seinem schwierigen Leben.

“Spotten Sie nicht über Kriminalromane! Sie sind heutzutage das einzige Mittel, vernünftige Ideen zu popularisieren.”

Friedrich Glauser

Das Leben von Friedrich Glauser

Friedrich Charles Glauser kam am 4. Februar 1896 in Wien zur Welt. Sein Vater war ein Schweizer Lehrer namens Charles Pierre Glauser, seine Mutter war die Österreicherin Theresia Scubitz. Leider starb seine Mutter, als Glauser erst 4 Jahre alt war. Sein Vater heiratete zwei Jahre später erneut.

Glausers Erziehung war übermäßig streng, es gab nur wenige Anzeichen von Zuneigung. Es heißt, dass er von klein auf daran gewöhnt war, zu lügen, um zu bekommen, was er wollte. Viele sahen in ihm einen zerstreuten, umherwandernden Jungen, der oft hungerte, ohne sich um etwas zu kümmern.

Er war alles andere als ein guter Schüler und geriet deshalb ständig mit seinem Vater aneinander. Dieser ließ sich 1909 von ihm scheiden und heiratete 1911 erneut. Zu diesem Zeitpunkt war Friedrich 15 Jahre alt. Sein Vater beauftragte die Großmutter mit der Erziehung. Doch der Teenager lief weg. Als er in Ungarn gefunden wurde, kam er in ein Schweizer Internat.

Friedrich Glauser verbrachte acht Jahre in psychiatrischen Anstalten
Glauser schrieb einen Großteil seiner Werke in psychiatrischen Anstalten.

Komplizierte Verhältnisse

Doch das Internat erreichte nicht, was sich der Vater erhofft hatte: den Jugendlichen zu disziplinieren und ihn zu einem normalen Menschen zu machen. Glauser hatte sogar eine ernsthafte Auseinandersetzung mit seinem Lehrer, den er verprügelte. Der unbequeme Sohn machte außerdem große Schulden, die er nicht zurückzahlen konnte. Außerdem unternahm er einen Suizidversuch. Schließlich wurde er aus dem Internat entlassen.

Danach begann Glauser am Collège Calvin in Genf. Er schrieb er eine sehr kritische Rezension über einen Gedichtband eines seiner Lehrer. Obwohl er dies anonym tat, wurde er bald entdeckt und von der Schule verwiesen. Schließlich beendete er seine Gymnasialausbildung am Minerva-Institut in Zürich.

1916 begann er ein Chemiestudium, das er aber nur ein Jahr lang durchhielt. Danach zog er sich zurück und machte die Bekanntschaft dadaistischer Künstler. Ein paar Jahre später wurde er wegen “zügellosen Verhaltens” unter Vormundschaft gestellt. Ihm wurden überall Schulden, Drogenkonsum und Konkubinat angelastet. Zu diesem Zeitpunkt war Friedrich Glauser bereits morphium- und opiumsüchtig.

Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken

1918 wurde der Schriftsteller in die Psychiatrische Klinik Bel-Air eingewiesen. Danach kam er in das Psychiatriezentrum Münsingen, aus dem er 1919 nach Ascona flüchtete. Kurz später wurde er wegen Morphiummissbrauch verhaftet und kam zurück in die psychiatrische Klinik in Zürich. Das Journal of the Collegiate Association of Writers beschreibt, dass er an psychischen Störungen, Morphinomanie und Anpassungsstörungen litt.

Er kam in verschiedene Anstalten, unternahm fünf Suizidversuche und hatte auch Probleme mit den Behörden wegen Bagatelldelikten. 1921 trat er auf Anweisung seines Vaters der französischen Fremdenlegion bei. Dort erlangte er eine gewisse Stabilität, bis 1923 seine Invalidität wegen Herzproblemen anerkannt wurde.

Nach weiteren psychiatrischen Krankenhausaufenthalten unterzog sich Friedrich Glauser einer Psychoanalyse. Dies scheint der entscheidende Faktor für sein starkes Engagement für das Schreiben gewesen zu sein. Während seines letzten Krankenhausaufenthalts in Münsingen begann er, seine berühmtesten Romane zu schreiben. Außerdem lernte er Berthe Bendel kennen, eine Krankenschwester, mit der er später in Chartres lebte.

Friedrich Glauser war morphiumsüchtig
Das Leben des Schweizer Schriftstellers war von Süchten und psychischen Störungen geprägt.

Friedrich Glauser und sein paradoxes Ende

1938 beschlossen Glauser und Bendel zu heiraten. Einen Tag vor der Hochzeit erlitt Friedrich einen Schlaganfall und starb zwei Tage später im Alter von 42 Jahren. Sein Werk ist authentisch, Glauser schrieb seine Kriminalgeschichten mit dem Blick eines scharfsinnigen Psychoanalytikers. Die Erforschung der menschlichen Seele ist in seinen Büchern weitaus interessanter, als die Verbrechen selbst.

Das Netzwerk der deutschsprachigen Kriminalschriftsteller erinnert uns bei der alljährlichen Verleihung des Friedrich-Glauser-Preises an dieses Genie, das ein selbstzerstörerisches Leben führte.

▶ Lese-Tipp


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