Das Nachbeben von übertriebenem Schutz

18. Mai 2017 en Psychologie 0 Geteilt

Wir dürfen Schutz nicht mit übertriebenem Schutz verwechseln. Unsere Kinder zu beschützen ist lebenswichtig für sie. Wenn sie klein sind, dann brauchen sie uns und sind beinahe in jeder Situation von uns abhängig. Jedes Tier beschützt seine Kleinen für eine gewisse Zeit ganz instinktiv. Wenn der Nachwuchs dann aber für sich selbst sorgen kann, beginnt er seine Reise in die große Welt und löst sich von seinen Eltern.

Im Fall des Menschen ist diese Schutzphase besonders lang. Nicht nur das, oft kann dieser Schutz, der anfangs in Form von Fürsorge bestand, zu etwas Gefährlichem für die mentale Gesundheit der Folgegeneration werden. Wir sprechen hier von übertriebenem Schutz.

Man könnte sagen, dass übermäßiger Schutz für ein Kind über dessen Bedürfnisse hinausgeht. Es heißt, für das Kind zu denken, ihm seine Entscheidungen abzunehmen, alle seine Probleme zu lösen. Es heißt, für das Kind zu leben, anstatt es seine persönlichen Fähigkeiten entwickeln zu lassen, um in der Welt zu funktionieren.

Es gibt die typischen Eltern, die ihren Kindern jeden Tag Folgendes vorsagen: „Tu das nicht, du könntest dir weh tun“, „du wirst nicht bei deinem Freund schlafen, denn ich kenne sein Haus nicht“, „du wirst nicht mit auf diesen Ausflug gehen, denn die Tiere könnten gefährlich sein“,  und, „nein, nein und nochmals nein.“  Logischerweise führen diese Mantras zu Angst in unseren Kindern und außerdem zu der falschen Idee, dass die Welt ein gefährlicher Ort sei.

Auf der anderen Seite sind diese Eltern sehr freizügig, in dem Sinne, dass sie normalerweise keine klaren Grenzen setzen, die die Kinder verstehen und verinnerlichen. Wenn das Kind dann diese unklaren Linien überschreitet, muss es auch keine negativen Folgen befürchten. Dieses Verhalten geschieht aus Angst, die Kinder sonst zu behindern, obwohl Regeln dazu dienen, zu erziehen und nicht, um Schaden zuzufügen.

Auch geben sie ihrem Kind keinerlei Verpflichtungen oder Verantwortung für Dinge, zu denen sie ihrem Alter gemäß eigentlich fähig wären. Stattdessen behaupten sie, dass das Kind „nicht will“, „es nicht richtig machen kann“ oder „das Arme, noch viel zu klein“  sei.

Das sind die charakteristischen dysfunktionalen Vorstellungen von Eltern, die übermäßig beschützend sind. Sie denken, dass sie sich um das Selbstvertrauen des Kindes kümmern, wenn sie so handeln. Der Glaube ist, dass das Kind glücklich sein wird, denn: „Es wird ihm an nichts fehlen.“

Was sind die Konsequenzen von übertriebenem Schutz?

  • Ängstliche Menschen: Das macht Sinn. Wenn wir unser Leben damit verbringen, unsere Kinder vor allen möglichen Gefahren zu warnen, so unwahrscheinlich und unwichtig sie auch sein mögen, so werden sie voller Angst vor dem, was passieren könnte, durch diese Welt gehen. Und wenn wir ihnen nicht die Mittel mit auf den Weg geben, die sie brauchen, um ihre Probleme zu lösen, dann werden sie das auch nicht tun können. Sie können sogar von jemandem abhängig werden, wenn sie sich in schwierigen Situationen befinden.
  • Abhängige Menschen: Wie im vorherigen Punkt erwähnt, werden sie immer von jemandem abhängig sein, wenn sie nicht lernen, wie sie ihre eigenen Entscheidungen treffen können, ihre Leben selbst ordnen und ihre Probleme lösen können. Das wiederum führt zu Problemen mit dem Selbstbewusstsein. Wenn jemand denkt, dass er nicht allein mit einer Sache fertig wird, dann glaubt er, dass er nutzlos sei und immer jemanden an seiner Seite brauche.
  • Niedrige Frustrationstoleranz: Ihre Eltern sind immer sicher gegangen, dass das Kind unter nichts litt oder Frust aufkam, wenn es nicht das bekam, was es wollte, indem sie ihm immer alles gaben. Es hat daher nicht gelernt, zu tolerieren, dass die Dinge im Leben nicht immer so verlaufen, wie es es gern hätte. Unter dem Schutz der überbeschützenden Familie fühlen sich die Kinder, als hätten sie alles, und glauben, dass Eltern eine Art von Sklaven sind, die sie füttern, wenn sie Hunger haben. Aber früher oder später wird ihnen das Leben und die Gesellschaft zeigen, dass dem nicht so ist und dass es Dinge gibt, die wehtun und unweigerlich zur Frustration führen. Sie werden mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit sehr frustriert und voller Wut und Zorn reagieren.
  • Fehlende Entwicklung von persönlichen Fähigkeiten: Wenn wir unsere Kinder keine Fehler begehen lassen, aus denen sie lernen, und wenn wir alles für sie tun, dann nehmen wir ihnen die Fähigkeit, zu wachsen. Wenn wir sie nicht auf die Nase fallen lassen, dann werden sie nie lernen, wie man wieder aufsteht. Menschen lernen durch positive und negative Konsequenzen von Taten, also müssen Kinder die Welt erfahren, um zu lernen, in der Zukunft besser zurechtzukommen.

Wie ich immer sage, kann man alles verlernen, was man gelernt hat. Und das ist das Positive. Wenn du als Kind überbeschützt wurdest, dann ist es deine Verantwortung, dich neu zu erziehen, um als Mensch zu wachsen und dich zu verbessern.

Und wenn du ein Elternteil bist, der sich mit diesem Artikel identifizieren kann, dann hast du noch immer Zeit, deine Meinung zu ändern, wenn du deinem Kind dabei helfen willst, selbstständig, unabhängig und glücklich zu werden. Ein Kind nicht übertrieben zu beschützen ist das beste Geschenk, was du ihm machen kannst.

Auch interessant