Das Märchen von den zwei Mäusen, eine Geschichte über Stolz

Diese Geschichte über Stolz erzählt uns vom wahren Weg zum Glück. Mehr zu haben, dient manchmal nur dazu, noch mehr Probleme anzuziehen oder einfach die Illusion zu erzeugen, über anderen zu stehen, obwohl das nicht der Fall ist.
Das Märchen von den zwei Mäusen, eine Geschichte über Stolz

Letzte Aktualisierung: 26. Oktober 2021

Dieses Märchen über Stolz erzählt von zwei Mäusen, die enge Freunde waren, obwohl sie sehr unterschiedliche Charaktere aufwiesen. Die eine war gelassen, sehr leutselig und amüsant. Die andere hingegen war ziemlich ehrgeizig und auch angeberisch. Trotzdem liebten sie sich und genossen die gemeinsame Zeit.

An einem Morgen kam die selbstgefällige Maus zu ihrem Freund. Sie hatte eine kleine Tasche mit ihren Habseligkeiten  dabei und war entschlossen: Sie war gekommen, um sich zu verabschieden, denn sie hatte die Nase voll von diesem Ort, an dem niemand vorankam. Die Maus wollte in die Stadt gehen, um ihr Glück zu finden. Sie war nicht für ein so “elendes” Leben geschaffen.

Diese Geschichte über den Stolz erzählt uns, dass die bescheidene Maus sehr traurig war, als sich ihr Freund auf den Weg machte. Die Maus verabschiedete sich und wünschte der anderen viel Erfolg in der Stadt. Sie rief der geliebten Maus noch nach, dass sie sie nicht vergessen solle und hoffe, sie bald wiederzusehen.

Es liegt in der Natur stolzer und niederträchtiger Menschen, im Wohlstand unverschämt und in der Not demütig zu sein“.

Niccolo Machiavelli

Das Märchen von den zwei Mäusen, eine Geschichte über den Stolz

Ein glückliches Wiedersehen

Ein paar Monate vergingen, die beiden Mäusen gingen ihrem Leben nach. Plötzlich kam die Stadtmaus zurück und besuchte zuallererst ihren Freund. Doch sie schien nicht freundlich gesinnt zu sein, versuchte jedoch, dies zu verheimlichen. Die beiden Mäuse umarmten sich, doch schon bald begann die stolze Maus, sich zu beschweren.

Das Haus der bescheidenen Maus war ihr zu eng, das Angebot an Möglichkeiten im Ort zu klein. Sie behauptete, in der Stadt keine so große Armut gesehen zu haben. Ganz im Gegenteil: Dort gab es Annehmlichkeiten im Überfluss und auch an Nahrung mangelte es nicht. Die Landmaus hörte den Erzählungen ihres Freundes staunend zu.

Diese Geschichte über den Stolz erzählt, dass die Stadtmaus einen schönen Mantel trug. Um ihre Intelligenz zur Schau zu stellen, hatte sie sich außerdem ein Monokel gekauft. Die bescheidene Maus schämte sich ein wenig, dass sie ihrem Freund nichts Besseres zu bieten hatte. Aber sie spürte, dass etwas nicht stimmte: Warum war ihr Freund mit nichts zufrieden, wenn er jetzt so glücklich war? 

Reise in die Stadt

Das Märchen vom Stolz nahm eine unerwartete Wendung, als die bescheidene Maus ihren Freund bat, ihn für ein paar Tage besuchen zu dürfen. Die Maus war sehr neugierig darauf, die großen Wunder der Stadt zu sehen. Mit einem Hauch von Verachtung stimmte die Stadtmaus zu. Sie wollte die Landmaus einige Tage einladen, denn sie sollte sehen, was gut ist.

Die beiden brachen sehr früh am Morgen auf. Als sie an dem Haus ankamen, in dem die Stadtmaus wohnte, traute ihr Freund seinen Augen nicht. Es war in der Tat ein gigantisches Herrenhaus, alles war elegant. Es hatte wunderschöne Teppiche und fantastische Möbel. Die Stadtmaus erklärte der Landmaus, dass sie den besten Teil noch nicht gesehen hatte: die Küche.

Der Landmaus lief das Wasser im Mund zusammen. Die beiden kamen in der Küche an und sofort vernahm die bescheidene Maus das duftende Aroma eines Stück Schinkens. Ohne nachzudenken, ging sie zu dem Ort, von dem der Duft ausging, aber die Stadtmaus warnte:“Stopp!“, sagte sie. “Jede Stadtmaus weiß, dass ein Stück Schinken auf dem Boden nur eines bedeutet: Gift. Iss es nicht“, fügte sie hinzu.

Das Märchen von den zwei Mäusen,  die Schinken liebten

Das Abenteuer von zwei Mäusen und ein nachdenklich stimmendes Ende

Die Landmaus bedankte sich schließlich bei ihrem Freund, der ihr Leben gerettet hatte. Wenig später sah sie ein fabelhaftes Stück Käse in der Nähe des Kühlschranks. Sie näherte sich, um es zu probieren, aber wieder warnte der Stadtfreund. Das Stück Käse war der Köder einer Falle. Sie sollte sich fernhalten.

Hungrig beschloss die bescheidene Maus, innezuhalten. Die Stadtmaus wollte gerade etwas zu ihr sagen, aber in diesem Moment sprang eine Katze durch das Fenster und den beiden Mäusen blieb nichts anderes übrig, als zu rennen. Die Verfolgung ging lange weiter, bis sie ein kleines Loch fanden, in dem sie sich verstecken konnten. Sie blieben die ganze Nacht dort, fast ohne zu atmen.

Am nächsten Tag kamen sie aus ihrem Versteck und die Stadtmaus sagte ihrem Freund, er solle zurück in die Küche gehen. Die bescheidene Maus weigerte sich. Jetzt verstand sie, warum ihr Freund unglücklich war, obwohl sie in solchem Überfluss lebte. Sie verstand, dass alles seinen Preis hat und der Preis für so viel Luxus war Unbehagen und Gefahr.

Also beschloss sie, nach Hause zurückzukehren. Die Geschichte über den Stolz besagt, dass die bescheidene Maus etwas bestätigte, was sie bereits wusste: Das wahre Glück zeigt sich in einem einfachen Leben.

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  • Quevedo, F. D. (1985). Virtud militante contra las quatro pestes del mundo, invidia, ingratitud soberbia, avarizia, ed. A. Rey, Santiago de Compostela, Universidad.