Das Leben ist schön: Ein Film darüber, wie man Widrigkeiten übersteht

27. Februar 2018

Das Leben ist schön  ist wahrscheinlich der bekannteste und auf internationaler Ebene am meisten gefeierte italienische Film. Das Drehbuch, der Soundtrack und die Leistungen der Schauspieler machen ihn zu einem unvergesslichen Film, der uns zum Lachen und Weinen bringt und ganz verschiedene Gefühle in uns auslöst. Kurzum, ein Meisterwerk der Filmindustrie aus dem Jahr 1997, das voller Botschaften steckt. Roberto Benigni führte Regie und spielte gleichzeitig die Hauptrolle.

Dieser Film ist inspiriert von dem Werk Alla fine ho sconfitto Hitler  von Rubino Romeo Salmoni, einem Auschwitz-Überlebenden, der seine Erfahrungen in diesem Buch erzählt. Der Film erzählt die Geschichte von Guido Orefice, einem jüdischen Italiener, der nach Arezzo zieht, um im Hotel seines Onkels zu arbeiten. Bald trifft er auf Dora, eine Lehrerin aus einer wohlhabenden Familie. Guido tut alles, um Dora zu erobern. Er erscheint immer wieder unerwartet und versucht, sie auf alle möglichen Arten zu überraschen.

„Guten Tag, Prinzessin!“

Guido

Die Liebe zwischen beiden siegt letztendlich und sie bekommen einen Sohn, Giosuè. Es scheint daher, als würde es das Leben sehr gut mit ihm meinen. Der Zweite Weltkrieg führt jedoch dazu, dass ihr ganzes Leben zusammenbricht und sie alle in einem Konzentrationslager enden.

Das Leben ist schön  führt uns in ein vom Faschismus geprägtes Italien und zeigt uns das Grauen der Konzentrationslager. Dieser Film macht das allerdings auf eine andere Art und Weise, als wir es gewohnt sind: Er präsentiert uns diese Geschichte als eine Art Märchen mit einem bittersüßen Ende.

„Das ist eine einfache Geschichte, aber es ist nicht einfach, sie zu erzählen. Wie in einer Fabel gibt es Schmerz, und wie eine Fabel ist sie voller Wunder und Glück.“

Giosuè

Guido mit seiner Frau

Das Leben ist schön – Komik und Dama

Das Leben ist schön  beginnt fröhlich, witzig und unterhaltsam. Die ersten Szenen dieses Film lassen uns kaum vermuten, dass wir es mit einem Drama zu tun haben, obwohl wir von Anfang an den Aufstieg des Faschismus in Italien zu sehen bekommen.

Die Komödie in Das Leben ist schön  finden wir in kleinen Details, in kleinen Momenten, die unsere Mundwinkel bewegen. Das wirklich Interessante ist dabei, wie uns eine unangenehme und unheimliche Situation zum Lachen bringen kann.

Die faschistische Ideologie, die damals vorherrschte, führte dazu, dass 1938 die Italienischen Rassengesetze veröffentlicht wurden. Dabei handelt es sich um ein Dokument, das von italienischen Wissenschaftlern unterzeichnet wurde, die die Existenz menschlicher Rassen avalierten. Diese Rassen wurden in kleine und große Rassen unterteilt, wobei die arische Rasse natürlich die größte Rasse war. Ein reine Rasse. Diese Konzepte wurden zusammen mit den faschistischen Rassengesetzen in den Schulen gelehrt und die Kinder vermieden es daher, sich mit Juden zusammenzusetzen, um ihre „Reinheit“ nicht zu gefährden.

Aber ist es möglich, dass ein Jude diese Rassengesetze missachtete? War es einem Juden zu irgendeiner Zeit gestattet, eine faschistische Theorie vor einer Gruppe von Kindern zu entkräften? Ja – zumindest im Film Das Leben ist schön.  Dazu gibt Guido vor, ein Inspektor des Ministeriums zu sein, der den Kindern etwas über die Italienischen Rassengesetze erzählen soll. Eigentlich möchte Guido Doras Aufmerksamkeit erregen, aber was die Szene wirklich zeigt, ist, dass wir alle Menschen gleichen Wertes sind.

Guido zeigt seinen Bauchnabel als einen wahrhaften italienischen Bauchnabel, und auch seine Ohren sehen aus wie die der übrigen Menschen. Das bringt die Kinder zum Nachahmen und Lachen. Auf diese Weise gelingt es Guido, die Differenzen, an die die Rassengesetze appellieren, zu entmystifizieren, da er Jude ist und keine physische Eigenschaft aufweist, die ihn von diesen „rein arischen“ italienischen Kindern unterscheiden würde.

Diese Szene bringt uns alle zweifellos zum Lachen, aber es ist ein bittersüßes Lachen, wenn wir die wahre Bedeutung dieser Rede erkennen. Für diese Kinder war es eine Rede von einem Herrn aus dem Ministerium, der ihnen etwas über menschliche Rassen erzählte. Guido verspottet all diese Glaubenssätze und nimmt jede rassistische Ideologie mit geschickten und witzigen Kommentaren auseinander. Er spielt eine Rolle, die uns von Anfang an zusagt – er ist sorglos, sehr kreativ und sein Kampf darum, Doras Herz zu erobern, fasziniert uns. Nichts hält ihn auf, nicht einmal der Faschismus.

„Gestern Nacht habe ich von dir geträumt. Wir gingen ins Kino und du trugst dieses rosa Kleid, das mir so gut gefällt.“

Guido

Das Leben von Guido und seiner Familie wird durch den Holocaust zerstört. Guido wird zusammen mit seinem Sohn und seinem Onkel in ein Konzentrationslager verschleppt. Dora, die Italienerin und nicht Jüdin ist, muss nicht dort hingehen, beschließt aber, freiwillig mitzugehen, um bei ihrer Familie sein zu können.

Von diesem Moment an nimmt der Film eine radikale Wendung; die heitere und sorglose Stimmung schlägt um in Richtung Tragödie. Aber Guido verliert nicht eine Sekunde lang sein Lächeln, versucht immer, für sein Überleben und das seiner Familie zu kämpfen, und fängt an, eine Geschichte zu erfinden, die vermeiden soll, dass der kleine Giosuè leidet.

Guido mit seiner Familie

Guidos Kampf und Opferbereitschaft

Ein Satz, ein Glaubenssatz oder ein Gedanke kann die Welt eines Menschen und unsere Art und Weise, das Leben zu betrachten, vollkommen verändern und dazu führen, dass alles einen Sinn ergibt. Ferruccio, ein Freund von Guido, erzählt ihm zu Beginn des Films, dass laut Schopenhauer mit purem Willen alles erreicht werden könne. Dieser Satz wird Guido für immer prägen. Am Anfang benutzt er ihn auf komische Weise, aber mit der Zeit erkennen wir, dass er seine Art zu leben reflektiert.

Guido hat ein Ziel, er will überleben, aber vor allem will er, dass sein Sohn überlebt. Er kämpft bis zum Ende und versucht, seinen Sohn davon abzuhalten, jemals sein Lächeln zu verlieren. Selbst in der Hölle soll er noch glücklich sein. Er opfert seine eigene Sicherheit, damit sein Sohn die Grausamkeiten des Konzentrationslagers nicht sieht. Er tut alles in seiner Macht Stehende, um Dora zu finden und ihr Zeichen zu schicken, damit sie weiß, dass sie noch am Leben sind.

Guido ist ein großartiges Beispiel dafür, dass es sich lohnt, zu kämpfen und Widrigkeiten zu konfrontieren. Seine große Vorstellungskraft und sein Wille erschaffen eine falsche Realität, sodass sein Kind nicht bemerkt, was sie gerade erleben. Sie lassen ihn in dem Glauben, dass alles ein Spiel sei, dass sie frei seien und gehen könnten, wann immer sie wollten. Doch wenn sie es aushalten und es schaffen, tausend Punkte zu gewinnen, werden sie ihre Belohnung bekommen. Auf der anderen Seite hat Giosuè immer davon geträumt, einen echten Panzer zu haben, weshalb Guido ihn glauben lässt, dass das der Preis sei. Auf diese Weise weckt er in Giosuè einen starken Lebenswillen.

Verkleideter Guido

Guido weiß nicht, ob sie überleben werden; er weiß nicht, wie lange sie im Konzentrationslager bleiben müssen. Aber sein Wille, zu überleben, ist stärker als jede Unsicherheit. Er erlaubt es sich nicht, sein Kind am Boden zerstört, traurig oder ohne Lebenslust zu sehen. Das Leben ist schön  zeigt uns, dass das Glück manchmal in unserer Art, das Leben zu betrachten, Widrigkeiten zu akzeptieren und ihnen die Stirn zu bieten, zu finden ist.

Trotz der unzähligen Hinrichtungen in den Konzentrationslagern gab es auch Überlebende; Menschen, die Folter, Hunger und Ungerechtigkeit trotzten. Ein Beispiel dafür ist der Psychiater Viktor Frankl, der nach seiner Gefangenschaft in einem Konzentrationslager das Buch Auf der Suche nach dem Sinn  veröffentlichte. In diesem Werk enthüllt er seine Erfahrung und zitiert einen berühmten Ausspruch von Nietzsche, der die Kernaussage von Das Leben ist schön  sehr gut zusammenfasst: „Wer einen Grund zum Leben hat, kann sich allen Lebenslagen stellen.“

Das Leben ist schön  ist ein Beispiel dafür, sich nicht unterkriegen zu lassen, lässt uns Schönheit in Grausamkeit und Freiheit sehen, sogar da, wo es keine gibt, und bringt uns zum Lachen und Weinen. Guido hatte einen Grund, einen Willen und schaffte es, dieses Gefühl in seinem Sohn hervorzurufen. Trotz der Brutalität des Films können wir sagen, dass sich sein Kampf und sein Einsatz ausgezahlt haben.

„Das ist meine Geschichte, das ist das Opfer, das mein Vater brachte. Das war sein Geschenk.“

Giosuè