Das Leben genießen – obwohl alles teurer wird

Ist es möglich, trotz Wirtschaftskrise und komplexer Probleme Glück im Alltag zu finden?
Das Leben genießen – obwohl alles teurer wird
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 03. November 2022

Alles wird teurer, doch das Einkommen bleibt gleich. Für einen großen Teil der Bevölkerung ist das eine echte Herausforderung, die mit Unsicherheiten und Ängsten einhergeht. Die Tatsache, kaum Mittel zur Deckung der Grundbedürfnisse zu haben, bedroht nicht nur unsere Lebensqualität, sondern auch unser psychisches Gleichgewicht.

Instabilität und graue Wolken am Horizont prägen unseren Alltag. Doch wo steht die psychische Gesundheit inmitten dieses komplexen Kontextes? Ruhe zu bewahren und negative Gedanken zu vertreiben ist eine Kunst. Denn unser Verstand befürchtet zunächst immer das Schlimmste. Ist es daher überhaupt möglich, unter solchen Umständen glücklich zu sein?

Um diese schwierige und komplexe Realität besser zu bewältigen, gibt es einige grundlegende Strategien. Lerne diese heute besser kennen.

“Reichtum besteht nicht darin, viel zu besitzen, sondern wenige Bedürfnisse zu haben.”

Epictetus

Frau überlegt sich, was sie tun kann, wenn alles teurer wird
In Krisenzeiten ist es notwendig, eine offene, flexible und widerstandsfähige Mentalität zu entwickeln. Denn mit dieser können wir die Faktoren, die uns umgeben, besser wahrnehmen, uns an sie anpassen und so gut wie möglich leben.

Wie du das Leben genießt – obwohl alles teurer wird

Es wäre wunderbar, wenn unsere Existenz nicht von finanziellen Mitteln abhängig wäre. Doch wir alle wissen, dass das bloß eine Illusion ist.  Wir benötigen Geld, um die Bedürfnisse zu decken, die Abraham Maslow in den ersten beiden Stufen seiner berühmten Theorie aufgeführt hat. Für viele definiert der wirtschaftliche Aspekt auch den Status und die Integration in die soziale Gruppe: Wir sehen beispielsweise täglich, wie sehr das neueste Handy als Statussymbol wirkt, auch wenn viele sich diesen Luxus eigentlich nicht leisten können. Geld ist nicht nur für unverzichtbare Dinge wie Essen oder Heizen nötig, es definiert auch unsere soziale Identität. Da jedoch alles teurer wird und unsere finanzielle Freiheit damit zunehmend eingeschränkt ist, müssen wir unsere Ziele neu formulieren.

Begrenzte Mittel für materielle Ressourcen wirken sich auch vielfach auf die psychische Gesundheit aus. Untersuchungen der Universität Pisa zeigen, dass in diesem Kontext der Zurückhaltung und der Wirtschaftskrise mehr Männer mittleren Alters an Depressionen erkranken.

Vor diesem Hintergrund mag die folgende Frage also widersprüchlich und sogar ironisch erscheinen: Wie können wir weiterhin das Leben genießen, wenn doch alles teurer wird? Welchen mentalen Ansatz sollten wir entwickeln, um diese Situation besser zu bewältigen? Wir stellen anschließend drei Strategien vor, die dabei sehr hilfreich sein können.

Trotz finanzieller Einschränkungen solltest du nicht auf Vergnügen und Unterhaltung verzichten. Du musst jedoch umdenken: Konzentriere dich auf einfache Dinge und du wirst dich besser fühlen. 

1. Die frugale Mentalität: Weniger ist mehr

Die frugale Mentalität definiert Menschen, die nicht nur Geld sparen, sondern auch wissen, wie sie ihre Zeit investieren und auf ihren Lebensstil achten. Viele Menschen assoziieren dieses Verhalten mit Geiz. Diese Ansicht ist jedoch völlig überholt. Denn der genügsame Mensch ist ein großartiger Optimierer der eigenen Ressourcen und Zeit. Wenn es einen Begriff gibt, der diese Personen charakterisiert, dann ist es Einfachheit.

Schauen wir uns die Säulen an, auf denen Genügsamkeit beruht:

  • Genügsame Menschen setzen Prioritäten. Um das Leben trotz der steigenden Preise zu genießen, muss man wissen, was im täglichen Leben am wichtigsten ist. Es gibt immer überflüssige Ausgaben, auf die wir verzichten können. Sparen bedeutet, das Wichtigste für unser Wohlergehen an erste Stelle zu setzen.
  • Zeit ist nicht Geld, sondern Leben. Es stimmt, dass wir in Krisenzeiten manchmal zu Überstunden gezwungen sind. Aber manchmal ist es besser, mit dem Minimum zu leben und die Zeit dafür mit geliebten Menschen zu genießen.
  • Schulden vermeiden. Die wahrscheinlich wichtigste Strategie, an die wir in schwierigen Zeiten denken sollten.
  • Recyceln gegen unnötigen Konsum. Durch das Recyceln von Kleidung und Technik kannst du nicht nur Geld sparen, sondern gleichzeitig die Umwelt schützen.

Statt sich Gedanken über die Zukunft zu machen, lohnt es sich manchmal, einen Schritt zurückzutreten und in der Gegenwart – im Hier und Jetzt – zu bleiben. Denn dankbar zu sein für das, was du bereits hast, kann dich glücklich machen.

2. Die akzeptierende Mentalität: Anpassung an die Realität

Die steigenden Preise verändern unsere Realität – das müssen wir akzeptieren. Frustration bringt dich nicht weiter. Die Akzeptanz ermöglicht es dir jedoch, mit Widrigkeiten und Ungewissheit besser umzugehen. Es gibt Dinge, die du nicht verändern kannst, auch wenn du Positivismus pflegst. Eine Studie der Universität Warschau zeigt beispielsweise, dass Akzeptanz der Emotionsregulation dient und du dich dadurch besser fühlen kannst.

Das Leben genießen, auch wenn alles teurer wird
Es gibt viele Aktivitäten, die nichts kosten und dich glücklich machen: Verbringe Zeit mit geliebten Menschen!

3. Die dankbare Mentalität: Schätze die Einfachheit deiner Umgebung

Um weiterhin das Leben zu genießen, während alles teurer wird, müssen wir unsere Augen und unser Herz schulen. Lerne, die einfachsten, wichtigsten und schönsten Realitäten, die dich umgeben, wahrzunehmen. Mit deinem Herzen kannst du jene Fähigkeiten wiedererlangen, die dich in deinem täglichen Leben zum Staunen bringen und Begeisterung auslösen.

Es gibt ganz elementare Erfahrungen, die kein Geld kosten, dir aber neues Glück schenken. Finanzielle Einschränkungen bringen uns auf den Boden der Realität zurück. Unsere Erwartungen werden einfacher und realistischer – und das ist gut. Du bekommst jetzt die Chance zu lernen, was dir wirklich wichtig und nahe ist und was dein Leben bereichert.

Es ist also die Haltung der Dankbarkeit, die es dir ermöglicht, ein einfaches Leben zu genießen, dich an einem Spaziergang mit einem geliebten Menschen oder an einem guten Buch zu erfreuen.

Denke daran, dass harte Zeiten nicht ewig andauern

Wenn wir in die Geschichte zurückblicken, können wir zahlreiche Krisen erkennen. Das Leben ist zyklisch: Es gibt immer wieder Momente der Dunkelheit, Momente des Glanzes und Zeiten der Ausgeglichenheit und Ruhe. Diese schwierigen, manchmal dystopischen Zeiten, die durch eine Pandemie, Unsicherheit, eine Wirtschaftskrise oder durch Krieg gekennzeichnet sind, gehen irgendwann vorbei.

Versuche, deine Tage nicht durch den Filter der Negativität zu betrachten und alles als Katastrophe wahrzunehmen. Lerne stattdessen, den gegenwärtigen Moment zu schätzen und versuche, dich an die Umstände anzupassen. Die Unterstützung lieber Menschen und deine persönlichen Ziele können dich motivieren und dir Hoffnung geben. Vergiss nicht, dass auch professionelle Hilfe grundlegend ist, wenn du allein nicht mit deiner Situation zurechtkommst.

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