Das innere Kind – findest du es wieder?

· 9. Mai 2016

Das sogenannte innere Kind ist eine bildliche Vorstellung von uns selbst in Bezug auf Gefühle, Wertvorstellungen, Anerkennung bestimmter Fähigkeiten und Fertigkeiten und folglich der persönlichen Zufriedenheit darüber, wer wir sind.

Unser inneres Kind hat seinen Ursprung in der Kindheit und ist manchmal aufgrund von Leid, Schmerz oder Problemen, die im Allgemeinen durch Konflikte oder emotionale Hemmschwellen, die in der Kindheit nicht gelöst wurden, noch in der Gegenwart spürbar. Aber es ist noch nichts verloren… Wir können unsere Gefühlswelt „reparieren“, in dem wir das Bild, das wir von uns selbst haben, neu erschaffen.

Die Kindheit – Lebensphase, in der die Anerkennung geprägt wird

In der Kindheit entwickelte sich unser Selbstverständnis, d. h. das Bild, das wir von uns selbst haben. Ursprung hierfür ist das, was unsere Eltern auf uns übertrugen und das Umfeld und die Umstände, in die wir hineingeboren wurden.

Das innere Kind

Im Kindesalter dienen unsere erwachsenen Bezugspersonen als Spiegelbild unserer selbst. In ihnen finden wir uns wieder, um uns selbst anzuerkennen und zu wissen, wer wir sind. Auch wenn unsere Eltern immer nur das Beste für uns wollen, erhalten wir es manchmal doch nicht, weil weder wir selbst als Kinder wissen, worum wir bitten sollen und was wir brauchen, noch wissen dies die Erwachsenen genau.

Aus diesem Grund können wir mit einer Leere, mit Schmerzen und sogar mit traumatischen Kindheitserfahrungen aufwachsen, die sich unbewusst einprägen und eine tiefe Spur in uns hinterlassen, ohne dass wir es überhaupt merken.

Eine verlorene Kindheit

Wenn wir keine glückliche Kindheit hatten, wachsen wir emotional unzufrieden auf und haben die für uns prägendste Phase unseres Lebens nicht angenehm erlebt. Aus einem Kind wird ein Erwachsener, der seine Konflikte aus der Kindheit nicht gelöst hat. Das kann der Fall sein, weil diese eben unterbewusst abgespeichert werden und ein Gefühl der persönlichen Unzufriedenheit da ist, das seit Kindesbeinen an besteht und noch im Erwachsenenalter zu spüren ist.

Als Erwachsene erinnern wir uns oft nicht an Zeiten unserer Kindheit, können teilweise an Gedächtnisverlust leiden, was ein Anzeichen dafür ist, dass es innerliche, nicht gelöste Konflikte gibt.

Wir haben das innere Kind verloren und fühlen uns in unserer eigenen Haut nicht wohl. Wenn wir dann erwachsen sind, verlieren wir das schöne Bild einer glücklichen Kindheit, haben weder Pläne noch Wünsche und verspüren keine Lust, eine Art von Spiel oder Freizeitbeschäftigungen als Ablenkung zu benutzen. Unser Leben wird apathisch, ernst, traurig und unzufrieden.

„Im Spiel, und nur im Spiel kann ein Kind oder ein Erwachsener als Individuum dazu in der Lage sein, kreativ zu sein und seine gesamte Persönlichkeit mit einzubringen. Nur wenn es kreativ ist, kann sich das Individuum selbst entdecken.“

Donald Winnicott

Das innere Kind im Erwachsenenalter

Wenn wir zufriedene und glückliche Kinder waren und keine weitere psychische Störung vorhanden ist, bleibt das Kind, das wir einst waren, im Erwachsenenalter weiterhin bestehen. In Momenten der Vergnügung kommt es wieder zum Vorschein und lässt die schönen Eigenschaften eines Kindes wieder aufleben. Wir erfreuen uns an kurzen Momenten und entwickeln mithilfe einer Art „Erwachsenenspiel“ eine Möglichkeit, das innere Kind beizubehalten.

Glueckliche Frau auf Fahrrad

Man könnte sagen, dass trotz der Probleme im Erwachsenenalter das Leben trotzdem noch spielerisch, überraschend, leidenschaftlich und insgesamt glücklich sein kann. Nur weil wir nun erwachsen sind, bedeutet das nicht, dass Spaß und Vorstellungskraft nicht weiterhin Teil unseres Lebens sein können. Doch dazu müssen wir das innere Kind wiederfinden.

„Ich schaue dich an, ich schaue dich an, ohne mich an dir satt sehen zu können. Welch schönes Kind kann ich in deinen Augen entdecken.“

Gabriela Mistral

Das innere Kind wieder zum Leben erwecken

Das eigene innere Kind wieder aufleben zu lassen bedeutet, dass wir ein zufriedenstellenderes Bild von uns selbst erzeugen, uns selbst wertschätzen und lieben, unsere Fähigkeiten und Fertigkeiten anerkennen und Träume und Wünsche haben müssen. Damit einher geht eine persönliche Zufriedenheit und das Gefühl von Glück.

Um dein inneres Kind zu entdecken, kannst du die folgenden Schritte befolgen:

  • Denke an das Kind zurück, das du in deiner Kindheit warst und stelle dir selbst vor, dich um dich zu sorgen und dich zu lieben.
  • Welche Vorlieben und Interessen hattest du als Kind? Erlaube deinem inneren Kind auch jetzt im Erwachsenenalter präsent zu sein, so wie du auch dir erlaubst diesen Moment zu genießen und dich somit deiner Kindheit wieder nahe zu fühlen.
  • Spiele, erfreue dich an den kleinen Dingen und mache, was du als Kind gern gemacht hast, und baue dies in das Erwachsenenleben ein.
  • Lache, lächle, akzeptiere und verzeihe den Menschen, die dir in deiner Kindheit Leid zufügten.
  • Erinnere dich daran, was du gern als Kind gehört hättest und drücke das für dich als Erwachsenen aus.
  • Höre auf dein Inneres und auf deine tiefsten Sehnsüchte. Schenke ihnen Beachtung!
  • Achte auf dich, kümmere dich um dich, liebe und schätze dich.

„Wir sollten auf das Kind hören, das wir einst waren und das noch in unserem Inneren wohnt. Dieses Kind versteht die Magie des Augenblicks.“

Paulo Coelho