Das Gehirn fühlt keine Schmerzen - warum ist das so?

19 Oktober, 2020
Hast du jemals die Art von Schmerz gespürt, die dich glauben lässt, dass dein Gehirn gleich explodieren wird? Laut der Wissenschaft kann jeder Teil unseres Körpers schmerzen, mit Ausnahme des Gehirns, das Schmerzen gegenüber unempfindlich ist. Lies weiter, um mehr über die Empfindlichkeit des Gehirns zu erfahren!

Das Gehirn ist das Organ, das für die Verarbeitung von Schmerzen, die Integration der über die Nervenenden eingehenden  Informationen und die Interpretation dieser Signale verantwortlich ist. Interessanterweise fühlt das Organ selbst jedoch keine Schmerzen.

Schmerz ist ein lebenswichtiges Signal, das vor einer Verletzung oder einem Schaden warnt. Er setzt natürliche Mechanismen in Bewegung, um dem entgegenzuwirken.

Verantwortlich dafür sind die Nozizeptoren. Das sind Nervenenden, die externe und interne sensorische Informationen empfangen. Sie befinden sich am Ende der Axone sensorischer Neuronen und können die Signale an das Gehirn übermitteln. Außerdem können sie Informationen über mechanische, thermische oder chemische Läsionen in Zehntelsekunden an das gesamte Nervensystem weiterleiten.

Das Gehirn ist für die Schmerzverarbeitung verantwortlich

Warum fühlt das Gehirn keine Schmerzen?

Paradoxerweise gibt es Nozizeptoren im Gehirn, aber das Gehirn selbst kann keinen Schmerz empfinden. Ein Vorteil für das Überleben des Menschen ist, dass Neurochirurgen dadurch in der Lage sind, das Gehirn lediglich unter lokaler Betäubung zu operieren.

Infolgedessen kann der Patient während der Operation wach bleiben, was großartig ist, da er den Chirurgen so bestätigen kann, dass alles gut läuft.

Wenn du unter starken Kopfschmerzen leidest, kann es sein,  dass du das Gefühl hast, dass dein Gehirn schmerzt oder dass es „explodieren“ wird. Was du dabei aber wirklich fühlst, sind die Nervengewebe, die Hirnhaut, die Blutgefäße und die Muskeln, die das Gehirn umgeben.

Diese Elemente, die alle über Nozizeptoren verfügen, können sich entzünden, beziehungsweise beschädigt oder erweitert werden. Daher senden sie einen Alarm an das Gehirn, dass etwas nicht in Ordnung ist, und führen so zu weit verbreiteten Kopfschmerzen. In Fällen von Hirntumoren oder Gehirnblutungen, bei denen Schmerzen auftreten, kommen diese nicht wirklich vom Gehirn. Tatsächlich stammen diese Schmerzen vielmehr von dem Druck, den der Zustand auf die umgebenden Blutgefäße ausübt.

Gehirnschmerzen und Kopfschmerzen

Generell sind Kopfschmerzen nicht weiter bedenklich und hauptsächlich auf Spannungskopfschmerzen, Migräne, Nasennebenhöhlen- oder Halsentzündungen zurückzuführen. Der Kopf kann aber auch aufgrund einer Erkältung, einer Grippe oder anderer Viruserkrankungen schmerzen, die zu Veränderungen der Blutversorgung oder Entzündungen führen.

Andererseits können die Schmerzen aber auch durch andere, schwerwiegendere Probleme verursacht werden. Einige davon sind:

  • Eine anormale Verbindung zwischen den Arterien und Venen im Gehirn.
  • Eine Herz-Kreislauf-Störung, die den Blutfluss zum Stillstand bringt.
  • Kaputte Blutgefäße oder ein Gehirnaneurysma.
  • Eine Hirnblutung oder ein intrazerebrales Hämatom.
  • Blutungen im Bereich des Gehirns: Subarachnoidalblutung, subdurales oder epidurales Hämatom.
  • Ein akuter Wasserkopf oder eine Unterbrechung der Zerebrospinalflüssigkeit.
  • Sehr hoher Blutdruck.
  • Eine Infektion des Gehirns oder des nahegelegenen Gewebes.
Generell sind Kopfschmerzen nicht weiter bedenklich, können aber auf eine Verletzung des Gehirns hindeuten

Wann solltest du dich mit deinem Arzt in Verbindung setzen?

Da das Gehirn keine Schmerzen verspürt, sind Kopfschmerzen das Hauptsymptom, das auf Verletzungen dieses Organs hinweist. Wie wir jedoch wissen, deuten nicht alle Kopfschmerzen auf etwas Ernstes hin.

Infolgedessen ist es wichtig, zu unterscheiden, wann diese Schmerzen tatsächlich auf ernsthafte Ursachen zurückzuführen sind, damit du deinen Arzt konsultieren kannst. Ärztliche Hilfe ist dementsprechend in folgenden Fällen erforderlich:

  • Der Schmerz beeinträchtigt dein tägliches Leben.
  • Er macht sich nach körperlicher Aktivität stärker bemerkbar.
  • Schmerzen treten plötzliche und explosionsartig auf.
  • Der Schmerz ist mit Veränderungen des Sehvermögens, der Mobilität, der Sprache oder des Gedächtnisses verbunden.
  • Der Schmerz verschlimmert sich innerhalb von 24 Stunden.
  • Er äußert sich neben anderen Symptomen wie Fieber, Steifheit und Übelkeit.
  • Ein Auge weist eine Rötung auf.
  • Du hast eine Vorgeschichte an Krebs oder ein geschwächtes Immunsystem.
  • Die Kopfschmerzen wecken dich auf und lassen dich nicht wieder einschlafen.

Zusammenfassend können wir festhalten, dass du bei Kopfschmerzen die Gewebe, Gefäße und Muskeln, die das Gehirn umgeben, spürst. Wie du siehst, ist das Gehirn, obwohl es für die Schmerzverarbeitung verantwortlich ist, nicht in der Lage, die Schmerzen selbst zu fühlen.

Wenn deine Kopfschmerzen atypisch sind, solltest du einen Arzt konsultieren, der beurteilen kann, ob die Schmerzen auf eine Verletzung des Gewebes oder des Gehirns zurückzuführen sind.