Das Elterntrainingsmodell von Gerald Patterson

10. Dezember 2019
Die Theorie der Nötigung von Gerald Patterson erklärt, wie die Einstellungen der Eltern das Verhalten ihrer Kinder beeinflussen. Daher ist das Elterntrainingsmodell von Patterson sehr wichtig für Familien, in denen negative Verstärkung vorherrscht.

Gerald Patterson entwickelte ein Elterntrainingsmodell, nachdem er seine Theorie der Nötigung veröffentlicht hatte. Anhand dieser Theorie wollte er erklären, wie die Umgebung eines Menschen das Auftreten störender und negativer Verhaltensweisen beeinflusst. Ob du es glaubst oder nicht, die meisten psychischen Probleme, die bei Kindern und Teenagern auftreten, hängen mit ihrem Umfeld zusammen.

Im Umfeld eines Kindes haben besonders die Schule, Altersgenossen und die Familie (und hier speziell die Eltern) einen entscheidenden Einfluss auf das Verhalten des Kindes. Diese Einflussfaktoren modellieren und formen ein Kind im Laufe der Jahre. Daher orientieren sich die Kinder in ihrem eigenen Verhalten am Vorbild dieser Menschen.

“Der Unterschied zwischen Bestrafung und Disziplin ist ein starkes Kind.“

-Danny Silk-

Familienmodelle stehen in direktem Zusammenhang mit dem Auftreten disruptiver Verhaltensstörungen bei Kindern. Tatsächlich tritt antisoziales Verhalten besonders häufig bei den Kindern auf, in deren Elternhaus das gleiche Verhalten vorherrscht. Dieses wiederum könnte durch den sozioökonomischen Status, Konflikte der Eltern, mangelnde Erziehungsfähigkeit oder gar Vernachlässigung beeinflusst sein.

Eine der wichtigsten Variablen hierbei ist die Art und Weise, wie Eltern mit ihren Kindern kommunizieren und ihnen Verhaltensanweisungen geben. Wenn ein Kind Verhaltensstörungen aufweist und daher das familiäre Umfeld dieses Kindes genauer beleuchtet wird, lässt sich sehr häufig feststellen, dass diese Eltern sehr kritisch sind und dem Kind Anweisungen auf verwirrende, demütigende oder wütende Weise erteilen.

Die zwei Arten der Anweisungen: Alpha und Beta

Alpha-Anweisungen sind klar, umsetzbar und an die motorischen Fähigkeiten der Kinder angepasst. Du bittest dein Kind beispielsweise darum, sich die Schuhe anzuziehen oder seine Stimme zu senken.

Beta-Anweisungen hingegen sind vage, unklar und nur schwer zu befolgen. Daher fällt es den Kindern dann auch sehr schwer, Gehorsamkeit zu erlernen. Einige Beispiel für Beta-Anweisungen sind „Sei brav“ und „Tue das nicht“. Daraufhin könnte das Kind fragen: „Was bedeutet brav?“ oder „Was meinst du damit?“.

Gerald Patterson - Mädchen umarmt ihren Vater

Die Theorie der Nötigung

Die Theorie der Nötigung von Gerald Patterson erklärt, wie das familiäre Umfeld eines Kindes dessen Verhalten beeinflussen kann. Dazu nutzte der Autor eine einfache, aber sehr effektive Methoden. Er analysierte ein Video, welches das Verhalten eines Kindes in der Schule und die Interaktionen des selben Kindes im häuslichen Umfeld mit seinen Eltern zeigte.

Seine Theorie erklärt, wie sich antisoziale Muster in der Familiendynamik manifestieren. Dabei beobachtete Patterson, dass Kinder aggressives Verhalten, beispielsweise Wutanfälle, dazu einsetzten, um das zu bekommen, was sie wollten. Wenn das Kind daraufhin erhält, was es will, wird dieses Verhalten dadurch positiv verstärkt. Allerdings kommt es hierbei auch zu negativer Verstärkung. Das Kind verspürt weniger Angst, wenn es bekommt, wonach es gefragt hat und vermeidet gleichzeitig, sich unangenehmen Situationen zu stellen.

Hieraus wird ersichtlich, dass Kinder aversives Verhalten zu ihrem eigenen Vorteil einsetzen können. Dieser Vorgang wird als Nötigung bezeichnet. Welche Rolle negative Verstärkung in diesem Nötigungsprozess spielt, der in der Eltern-Kind-Beziehung vorherrscht, ist klar erkennbar.

Daher sollten Eltern nicht jedem Wunsch ihrer Kinder nachgeben. Obwohl dieses Nachgeben für beide Seiten eine sofortige Befriedigung bedeuten kann, könnte sich daraus langfristig ein ernsthaftes Problem entwickeln. Wenn die Eltern stets den Wünschen ihrer Kinder nachgeben, dann fallen sie in eine sogenannte „negative Verstärkungsfalle“. Dadurch wird sich das negative und nötigende Verhalten der Kinder weiter verstärken.

Allerdings zeigt uns diese Theorie auch, dass Bestrafung ebenfalls kontraproduktiv ist. Obwohl einige Eltern davon überzeugt sind, dass sie durch Bestrafung das nötigende Verhalten der Kinder unterdrücken können, ist tatsächlich genau das Gegenteil der Fall: Strafe verstärkt dieses Verhalten. Positive Bestrafung ist ein dysfunktionales Problemlösungsmodell, von dem deine Kinder nichts Positives lernen werden.

Gerald Patterson - weinender Junge

Das Elterntrainingsmodell von Gerald Patterson

Daher entwickelte Gerald Patterson auf Basis seiner Theorie der Nötigung ein Elterntrainingsmodell. Ziel dieses Modells ist es, dass Eltern erlernen, angemessen mit ihrem Umfeld umzugehen, um nicht in die negative Verstärkungsfalle zu geraten.

Dieses Programm bietet viele Vorteile. Zunächst einmal erlernt das Kind, sich an unangenehme Situationen zu gewöhnen und entwickelt Strategien, um mit Frustrationen angemessen umzugehen. Gleichzeitig lernen die Eltern, die Wutanfälle ihrer Kinder auszuhalten, ohne ihnen sofort nachzugeben.

Außerdem erlernt das Kind auf kognitiver Ebene, dass es durch seine Wutanfälle, mit denen es eine Verstärkung erreichen will (beispielsweise länger fernzusehen, Süßigkeiten zu bekommen oder nicht in die Schule zu müssen), letztendlich nichts bewirken kann. Darüber hinaus wird das Kind die Vorstellung verinnerlichen, dass es nicht immer das bekommen kann, was es sich wünscht.

Obwohl dieses Elterntrainingsmodell von Gerald Patterson für einige Eltern sehr schwierig umzusetzen sein wird und einige vermutlich vorzeitig aufgeben wollen, solltest du wissen, dass du mit diesem Modell sehr gute Ergebnisse erzielen kannst. Dazu ist es allerdings unbedingt erforderlich, dass du die Instruktionen sehr genau befolgst und die erprobten Methoden ausdauernd und konsequent anwendest.

Wenn die Eltern genügend Ausdauer haben und konsequent durchhalten, dann werden sie mit dieser Intervention sehr wahrscheinlich gute Ergebnisse erzielen können. Das Kind wird ein stärkeres Selbstvertrauen bekommen, weil es lernt, Grenzen zu erkennen und diese zu akzeptieren. Darüber hinaus werden sich auch die Eltern nicht länger schuldig fühlen, wenn sie nicht umgehend und jederzeit den Wünschen ihrer Kinder nachgeben.

  • Comeche, M. y Vallejo, M. A. (2005). Manual de terapia de conducta en la infancia. Editorial Dykinson.