Das dreieinige Gehirn: Drei Gehirne, eine Person

20. Januar 2019

Das dreieinige Gehirn ist ein Konzept, das der Neurowissenschaftler Paul MacLean entwickelt hat, um sich auf die drei Teile des Gehirns des Menschen zu beziehen. Diese Teile entwickeln sich in verschiedenen Stadien seiner Ontogenese. Demnach entwickelt sich der älteste, primitivste Teil des Gehirns in der Gebärmutter, das emotionale Gehirn hingegen innerhalb der ersten 6 Lebensjahre. Der dritte Teil, der präfrontale Kortex, entwickelt sich noch später. Daher kann man auch sagen, dass jeder Mensch sich jeweils eigenständig erschafft.

Moderne Technologien haben die Neurowissenschaften zu einem jener Forschungsgebiete gemacht, in dem tägliche neue Erkenntnisse erzielt werden. Die Neurowissenschaften haben es uns auch ermöglicht, die Funktionsweise des dreieinigen Gehirns besser zu verstehen. In diesem Beitrag wollen wir die einzelnen Eigenschaften und Funktionen jedes Teils des dreieinigen Gehirns einmal etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Das Reptiliengehirn

Das Reptiliengehirn ist auch als das urzeitliche Tiergehirn oder der Reptilienkomplex bekannt. Es befindet sich im Hirnstamm, direkt über der Stelle, an der das Rückenmark den Schädel erreicht. Dies ist der primitivste Teil des menschlichen Gehirns. Es beginnt sich bereits in der Gebärmutter zu entwickeln und beeinflusst somit alles, was Neugeborene tun (Atmen, Essen, Schlafen, Aufwachen, Weinen, Wasserlassen, Stuhlgang).

Ein schlafendes Baby hat erst ein Gehirn.

Der Hirnstamm kontrolliert zusammen mit dem Hypothalamus die Energie des Organismus. Dies wird als „Homöostase“ bezeichnet. Dieser Begriff bezieht sich auf die Aufrechterhaltung des internen Gleichgewichts. Die Funktionen, die das Reptiliengehirn steuert, sind grundlegender Natur. Wir vernachlässigen jedoch oft ihre Bedeutung, wenn wir an die fortgeschritteneren Funktionen unseres Geistes denken, beispielsweise an das abstrakte Denken.

Viele psychische Probleme hängen mit Schwierigkeiten in den grundlegenden Funktionen zusammen, die das Reptiliengehirn aufrechterhält. Bei einer Traumabehandlung muss der Spezialist beispielsweise berücksichtigen, ob der Körper in ein Ungleichgewicht geraten ist.

Das emotionale Gehirn

Das emotionale Gehirn, oder auch das limbische System genannt, befindet sich direkt über dem Reptiliengehirn im Zentrum des zentralen Nervensystems. Es beginnt von dem Moment an, sich zu entwickeln, wenn das Baby geboren wird. Das emotionale Gehirn ist abhängig reift mit der Erfahrung und bestimmt das Temperament des Kindes.

Einige Autoren betrachten das emotionale Gehirn auch als Mischung aus Reptilienhirn und limbischem System. Einig sind sie sich darin, dass es das Zentrum unserer Emotionen und unseres Gefahrenmonitors ist. Demzufolge aktivieren intensive Emotionen das limbische System, insbesondere die Amygdala. Die Amygdala ist dafür verantwortlich, uns vor möglichen Gefahren zu warnen und verschiedene Reaktionen in Gang zu setzen:

  • Sie triggert die Freisetzung von Stresshormonen.
  • Außerdem vermittelt sie Nervosität.
  • Sie erhöht die Herzfrequenz.
  • Die Amygdala erhöht den Sauerstoffverbrauch und bereitet den Körper darauf vor, zu kämpfen oder zu fliehen.

Durch seine Tierstudien zeigte Grey, dass die Sensibilität gegenüber Stressreizen umso stärker ist, je niedriger der Serotoninspiegel ist – und umgekehrt. Bei männlichen Affen beobachtete er zum Beispiel, wie die Position des Individuums in der Hierarchie der Gruppe den Serotoninspiegel beeinflusste.

Bestimmte Personen, die traumatische Ereignisse erlebt haben, registrieren zwar eine Bedrohung, doch ihr Bewusstsein verhält sich so, als ob nichts passiert wäre. Obwohl der Geist lernen kann, emotionale Botschaften aus dem Gehirn zu ignorieren, werden die Warnsignale des Körpers nicht unterbunden. Dies bedeutet, dass das emotionale Gehirn unabhängig von unserer geistigen Reaktion weiterhin funktioniert.

Außerdem sind beide Teile des dreieinigen Gehirns (Reptiliengehirn und emotionales Gehirn) für die Aufzeichnung von Erlebnissen sowie für das Management unserer Physiologie und Identifikation (Komfort, Sicherheit, Bedrohungen, Hunger, Müdigkeit, Verlangen, Vergnügen, Schmerz) verantwortlich.

Das rationale Gehirn

Dies ist der jüngste Teil des dreieinigen Gehirns. Er ist auch als Neokortex bekannt und ist derjenige, der uns am meisten von anderen Tieren unterscheidet. Hier befindet sich der präfrontale Kortex, der für das Planen, Antizipieren, Erkennen von Zeit und Kontext, das Unterbinden unzulänglicher Handlungen, empathisches Verstehen usw. zuständig ist.

In vielen Fällen kann das rationale Gehirn das emotionale Gehirn nur dann freigeben, wenn es weiß und versteht, was mit ihm passiert ist, zum Beispiel bei einem Trauma. Für viele Menschen ist es einfacher, zu sagen, was passiert ist, als ihre inneren Erfahrungen wahrzunehmen, zu reflektieren und in Worte zu fassen.

Das dreieinige Gehirn des Menschen

Die Stirnlappen sind Teil des rationalen Gehirns. Sie sind für die Regulierung von Impulsen und auch angemessenes Verhalten in einer bestimmten Situation verantwortlich. Eine korrekte Funktion der Stirnlappen ist entscheidend, um folgende Funktionen ausführen zu können:

  • Pflege gesunder Beziehungen zu anderen Menschen.
  • Vermeidung, Dinge zu tun, die uns gefährden könnten oder die andere Menschen verletzen könnten.
  • Regulierung unserer Impulse, wie Hunger, Sexualtrieb, Wut

Das rationale Gehirn macht nur 30 % des Gesamtvolumens aus und verwaltet im Wesentlichen unsere Außenwelt. Das Verstehen von Vorgängen, das Erreichen von Zielen, das Verwalten der Zeit und das Sequenzieren von Aktionen sind einige seiner Hauptfunktionen. Darüber hinaus ist die zelluläre und biochemische Organisation des Neokortex komplexer als die des emotionalen Gehirns.