"Daddy Issues": Wie sich die übermäßige Bindung zum Vater auf Beziehungen auswirkt

Der englische Begriff "Daddy Issues" kann mit "Vaterkomplex" übersetzt werden. Erfahre heute mehr zu diesem Thema.
"Daddy Issues": Wie sich die übermäßige Bindung zum Vater auf Beziehungen auswirkt
Sergio De Dios González

Geprüft und freigegeben von dem Psychologen Sergio De Dios González.

Geschrieben von Edith Sánchez

Letzte Aktualisierung: 28. Dezember 2022

Der englische Begriff “Daddy Issues” bezieht sich auf eine komplizierte, überstarke Bindung zum Vater. Der psychoanalytische Ausdruck für dieses Konzept ist “Vaterkomplex” beziehungsweise “Elektrakomplex” im Gegensatz zum männlichen Ödipuskomplex. Frauen mit ausgeprägten “Daddy Issues” entscheiden sich häufig für einen viel älteren Lebenspartner, da jüngere Männer für sie uninteressant sind. Der Ausdruck wird heute jedoch auch für die umgekehrte Situation benutzt, also wenn ältere Frauen deutlich jüngere Lebenspartner bevorzugen.

Viele Psychologen sehen in dieser Situation die Romantisierung einer Beziehung, die auf ein Bindungsproblem zurückzuführen ist. Wir schauen uns dieses Thema heute etwas genauer an.

Wenn jemand sagt, er habe “Daddy Issues”, bedeutet das, dass diese Person ihre affektiv-amourösen Beziehungen und ihre sexuelle Anziehung durch die Beziehung zu ihrem Vater in der Kindheit bedingt sieht. Wir könnten also davon sprechen, dass Menschen sich zu dem hingezogen fühlen, was ihr Vater repräsentiert, oder zu der Figur, die Väter (Männer) in der Gesellschaft haben.”

Carolina Álvarez Abalá

Daddy Issues: ältere Frau mit jungem Mann
“Daddy Issues” führen in Beziehungen zu Abhängigkeit und problematischen Bindungsmustern.

“Daddy Issues” und Beziehungen

Sigmund Freud entwickelte die Theorie des Vaterkomplexes, Carl G. Jung spricht bei einer überstarken Bindung der Tochter zu ihrem Vater von einem Elektrakomplex. Es gibt allerdings keine klinische Kategorie für “Daddy Issues”, die jedoch innerhalb der Bindungstheorie analysiert werden können.

Diese Theorie geht davon aus, dass alle Kinder insbesondere zu ihrer Mutter eine Abhängigkeit entwickeln, die für ihr Überleben unerlässlich ist. Eine sichere Bindung ist die Grundlage für gesunde Beziehungen im Erwachsenenalter. Das Kind kann jedoch auch eine ängstliche oder vermeidende Bindung entwickeln, wenn beispielsweise seine Bedürfnisse nicht erfüllt werden oder es an emotionaler Zuwendung mangelt. 

Die Bindung, die ein Kind zu seinen primären Bezugspersonen aufbaut, hat lebenslange Auswirkungen und beeinflusst die Partnerwahl im Erwachsenenalter maßgeblich. Darüber hinaus wirkt sie sich auf die Erziehung der eigenen Kinder aus. Die “Daddy Issues” können also auch auf eine problematische Vergangenheit des Vaters oder der Mutter zurückzuführen sein.

Eine problematische Bindung zum Vater kann bewirken, dass die Tochter im Erwachsenenalter einen Partner wählt, der ihren Vater repräsentiert. Unbewusst versucht sie, ihr Bindungsproblem aus der Kindheit damit zu lösen.

Daddy Issues: Frau mit deutlich älterem Partner
“Daddy Issues” führen oft dazu, dass eine Frau einen deutlich älteren Partner bevorzugt.

Auf der Suche nach einer Lösung

Natürlich sind “Daddy Issues” nicht immer für Beziehungen mit deutlichen Altersunterschieden verantwortlich. Ist dies jedoch der Fall, entwickelt die jüngere Person in der Regel eine starke Abhängigkeit und eine ängstliche Bindung zu ihrem Partner. Sie fühlt sich in der asymmetrischen Beziehung wohl, in der sie erhält, was ihr in ihrer Kindheit fehlte.

Allerdings wird dadurch der zugrunde liegende Konflikt nicht gelöst, im Gegenteil: Er bleibt erhalten und wird komplexer. Professionelle Hilfe ist in dieser Situation wichtig, um die Vergangenheit zu bewältigen und gesunde Bindungsmuster entwickeln zu können.



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