Contrafreeloading: Bevorzugen wir kognitive Herausforderungen oder direkte Belohnungen?

Wir erzielen in der Regel mehr Zufriedenheit, wenn wir etwas selbst machen, als wenn wir ein fertiges Produkt kaufen. Woran liegt das?
Contrafreeloading: Bevorzugen wir kognitive Herausforderungen oder direkte Belohnungen?

Letzte Aktualisierung: 27. Juli 2021

Das Konzept des Contrafreeloading erklärt grundlegende und instinktive Denkprozesse, die bei menschlichem und tierischem Verhalten zu beobachten sind. Es findet vorwiegend in der Arbeits- und Motivationspsychologie Verwendung. In Studien konnte beobachtet werden, dass wenn ein Lebewesen die Wahl hat zwischen bereitgestellter Nahrung oder Nahrung, die nur durch Anstrengung erreichbar ist, es die letztgenannte Option bevorzugt.

Wir sprechen in diesem Artikel eingehender über das Verhalten von Tieren in dieser Situation und stellen uns die Frage, ob das Contrafreeloading-Phänomen auch auf das menschliche Verhalten übertragen werden kann. Du wirst sehen, dass es viele Gemeinsamkeiten gibt.

Was ist Contrafreeloading?

Das Wort Contrafreeloading wurde von dem Forscher Glen Jensen geprägt. In seiner Studie zur vergleichenden Psychologie von 1963 hatten 200 Ratten die Wahl zwischen frei zugänglichem Futter in einer Schüssel und einem Lebensmittelspender, den sie durch Drücken eines Hebels aktivieren konnten.

Sie konnten fressen, wann immer sie Lust hatten. Die erste Hypothese war, dass die Ratten sich nicht die Mühe machen würden, den Hebel zu drücken, da sie ohne diese Anstrengung ausreichend Futter hatten. Doch dies war nicht der Fall: Seltsamerweise bevorzugten die kleinen Nagetiere die Nahrung, die für sie eine Herausforderung darstellte. 

Um zu beobachten, ob dieses Verhalten nur für Ratten typisch ist, untersuchten andere Forscher das  Contrafreeloading-Phänomen bei anderen Tierarten und stellten fest, dass praktisch alle Wirbeltiere so reagieren. Bedeutet das, dass Tiere Nahrung bevorzugen, die sie sich aufgrund ihrer eigenen Bemühungen verdienen?

Contrafreeloading: Versuch mit Laborratte

Contrafreeloading in Gefangenschaft

In Zoos war dieses Phänomen der Schlüssel, um die psychische Gesundheit der Tiere zu erhalten. Arten wie große Primaten, Elefanten oder Papageien fühlen sich in Gefangenschaft nicht glücklich, wenn sie keinen Beschäftigungen nachgehen können, wie sie dies in freier Wildnis gewöhnt sind.

Deshalb ist das Contrafreeloading eine der Grundlagen, um ihre Umgebung mit Herausforderungen auszustatten, mit denen sie sich beschäftigen können. Die meisten wild lebenden Arten verbringen den Großteil des Tages mit der Nahrungssuche. In Gefangenschaft müssen sie sich darum kaum mehr kümmern, was ihrem natürlichen Verhalten widerspricht.

Allerdings ist auch der Schwierigkeitsgrad der Herausforderungen bedeutungsvoll. Wenn die Aufgaben zu kompliziert sind, neigen die Tiere dazu, sich das bereits verfügbare Futter zu nehmen, anstatt sich Herausforderungen zu widmen.

Welche Ursachen bedingen dieses Verhalten?

Die beschriebenen Ursachen für das Contrafreeloading-Phänomen beschränken sich nicht nur auf die Notwendigkeit, etwas für den Lebensunterhalt zu tun. Hier sind alle Gründe, die Forscher gefunden haben:

  • Informationsvorsprung: Durch die Nahrungssuche und -beschaffung erhält das Tier relevante Informationen über das Funktionieren seiner Umwelt. Wenn es diese Aufgabe nicht übernimmt, kommt es zu Unsicherheit.
  • Natürliches Verhalten: Der Instinkt, Nahrung und Ressourcen zu suchen, ist fest in der Genetik jedes Tieres verankert, da er ein Schlüsselelement für das Überleben ist.
  • Bereicherung der Umwelt: Wie erwähnt, kann die Bekämpfung der Langeweile eine große Motivation sein, die direkt mit der psychischen Gesundheit verbunden ist.

Contrafreeloading beim Menschen

Auch wir Menschen zeigen ähnliches Verhalten. Beobachte beispielsweise Menschen, die nach einem Lottogewinn oder nach der Pensionierung weiterarbeiten.

Contrafreeloading ist ein Beweis dafür, dass menschliche Motivation nicht nur darauf basiert, Belohnungen zu erhalten und Bestrafungen zu vermeiden. Im kollektiven Denken bedeutet dieses Konzept die Befriedigung, durch Anstrengung und Hingabe etwas zu erreichen. Diese Idee ist auch an der Tatsache zu erkennen, dass der Mensch bereit ist, Stress und Probleme auf sich zu nehmen, da Schwierigkeiten die Belohnung größer machen.

Contrafreeloading: Kognitive Herausforderungen oder Belohungen?

Contrafreeloading ist jedoch nicht nur in der Arbeitspsychologie und Motivation zu beobachten. Hast du schon einmal ein Produkt personalisiert? Es wäre einfacher, Geld für etwas zu bezahlen, das deinen Vorlieben und deinem Geschmack entspricht, doch viel zufriedener bist du, wenn du es selbst ganz individuell gestaltest.

Die Belohnung ist trotz Contrafreeloading zwar dieselbe, doch der individuelle Wert verändert sich und motiviert Menschen und Tiere gleichermaßen. Der Instinkt bringt uns dazu, durch Herausforderungen und Anstrengung unser Leben zu verbessern.

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  • Inglis, I.R., Forkman, B., Lazarus, J. (1997). Free food or earned food? A review and fuzzy model of contrafreeloading. Animal behaviour. Elsevier.
  • Jensen, G.D. (1963). Preference for bar pressing over “freeloading” as a function of number of rewarded presses. Journal of Experimental Psychology.
  • Ogura, T. (2011). Contrafreeloading and the value of control over visual stimuli in Japanese macaques (Macaca fuscata). Animal cognition14(3), 427-431.