Die blinden Männer und der Elefant: Die Meinung anderer respektieren

Schätzt du die Meinung anderer? Kannst du dich einfühlen und dir die Situation aus der Perspektive deines Gegenübers vorstellen? Wir laden dich heute ein, eine Parabel zu lesen, die dich zum Nachdenken bringen wird.
Die blinden Männer und der Elefant: Die Meinung anderer respektieren

Letzte Aktualisierung: 23. Juni 2021

Nicht immer ist es einfach, die Meinung anderer Menschen zu schätzen oder zu respektieren, besonders dann nicht, wenn sie mit unserer eigenen kollidieren. Wir neigen dazu, unseren eigenen Ansichten Vorrang zu geben und für richtig zu halten. Dies führt allerdings dazu, dass wir zu unnachgiebigen Menschen werden und uns weigern, die Art und Weise zu analysieren, wie andere die Realität wahrnehmen. Anstatt uns zu bereichern, macht uns diese Situation nur ärmer.

Wir handeln so, weil wir es lieben, recht zu haben, auch wenn wir das ungern zugeben. In diesem Zusammenhang ist es jedoch wichtig, folgendes Zitat aus dem Artikel Relación entre dos conceptos: información, conocimiento y valor. Semejanzas y diferencias (Beziehung zwischen zwei Konzepten: Information, Wissen und Wert. Ähnlichkeiten und Unterschiede) nicht zu vergessen: “Man kann nur dann recht haben, wenn man das Risiko eingeht, sich zu irren.”

Wir erzählen heute eine Geschichte, die helfen kann, die Augen zu öffnen und die Meinung anderer Menschen mehr zu schätzen, wenn wir dabei auch ihre Geschichte und ihre Lebensumstände berücksichtigen. Wir laden dich ein, weiterzulesen, um über die Geschichte der blinden Männer und des Elefanten zu erfahren.

Die blinden Männer und der Elefant: Die Meinung anderer respektieren

Die blinden Männer und der Elefant: Die Meinung anderer respektieren

Es waren einmal sechs weise Männer, die in einem kleinen Dorf lebten. Alle waren blind. Eines Tages besuchte ein Gast mit einem Elefanten das Dorf und die Männer beabsichtigten herauszufinden, wie ein Elefant aussieht. Natürlich konnten sie ihn nicht sehen und mussten andere Methoden verwenden.

Einer von ihnen sagte: “Ganz einfach, wir betasten das Tier mit unseren Händen.”

“Gute Idee”, meinte ein anderer. “Wir können dann fühlen, wie ein Elefant ist.”

Der erste der weisen Männer begann damit, die Ohren des Elefanten abzutasten. Langsam und gemächlich fühlte er mit seinen Händen die dicke Haut auf der Vorder- und Hinterseite.

Der Elefant ist wie ein großer Fächer”, meinte er.

Der zweite Mann tastete die Beine des Elefanten ab. “Er greift sich an wie ein Baumstamm”, staunte der Mann.

“Ihr habt euch beide geirrt”, brachte der dritte Weise zum Ausdruck, nachdem er den Schwanz des Elefanten mit seinen Händen untersucht hatte. “Ein Elefant ist wie eine dicke, ausgefranste Kordel!”

In diesem Augenblick gab der vierte Weise, der die Stoßzähne des Elefanten untersucht hatte, seine Meinung kund: “Er ist wie ein Schwert!”

“Nein, nein”, meldet sich der fünfte Mann zu Wort: “Der Elefant ist wie eine große Mauer.” Der fünfte blinde Mann hatte nämlich den Rumpf des Tieres untersucht.

Doch jetzt brachte der sechste Mann seine Meinung zum Ausdruck. Er hatte den Rüssel des Elefanten in der Hand und ließ verlauten: “Ihr irrt euch alle, der Elefant ist wie eine Schlange!”

“Nein, nein, wie eine ausgefranste Kordel.”

“Eine Schlange.”

“Eine Mauer.”

“Ihr liegt völlig falsch.”

“Ich habe recht.”

“Nein!”

Die sechs blinden Männer verbrachten unendlich lange Stunden damit, auf ihrer Meinung zu verharren und konnten keine Einigung darüber erzielen, wie ein Elefant tatsächlich ist.

Zuhören ist das Zauberwort

Wir können aus dieser Parabel lernen, dass Zuhören grundlegend ist, um die Meinung anderer zu verstehen und schätzen zu können. Die sechs blinden Männer waren nur auf ihre eigene Meinung versteift, ohne den anderen zuzuhören. Sie waren nur damit beschäftigt, einen Teil des Elefanten abzutasten, um ein Urteil zu fällen. Doch alle Meinungen waren einzig und allein Annahmen, die keiner bestätigen konnte. 

Keiner von ihnen kam dem wahren Bild des Elefanten nahe, auch wenn jeder einzelne seine Meinung starrköpfig verteidigte. Dies mag absurd erscheinen, doch wir erleben diese Situation immer wieder. Es ist richtig, dass jeder das Tier auf unterschiedliche Weise wahrgenommen hatte, doch keiner kannte die WahrheitUnd keiner der weisen Männer wusste, die Meinung anderer zu schätzen.

Die blinden Männer und der Elefant: Die Meinung anderer respektieren

Was können wir aus dieser Geschichte lernen? Wenn deine Meinung von der deiner Gesprächspartner abweicht, solltest du dich daran erinnern und versuchen, die Situation aus der Perspektive deines Gegenübers zu betrachten. Zuhören heißt das Zauberwort, um die Meinung anderer zu schätzen und zu respektieren. Wenn du etwas nicht verstehst, kannst du ganz einfach nachfragen und natürlich auch deine eigene Meinung offenbaren.

Das bedeutet noch lange nicht, dass sich andere nicht irren können. Doch wir werden uns damit bewusst, dass jede Person die Realität auf unterschiedliche Weise wahrnimmt und auch teilweise recht hat. Wie in dem Artikel La búsqueda de la realidad o de la verdad: una aproximación a partir de la teoría sociológica (Die Suche nach der Realität oder nach der Wahrheit: Eine Annäherung basierend auf die soziologische Theorie) nachzulesen ist, zeigte bereits Platon mit seinem Höhlengleichnis, dass ein und dieselbe Realität auf zwei unterschiedliche Arten interpretiert werden kann.

Unsere Erfahrungen, Werte und Überzeugungen, unsere Weise, die Realität zu betrachten, kann sich von der Meinung anderer sehr stark unterscheiden. Doch bedeutet das tatsächlich, dass die Realität eines Menschen wahr ist und die eines anderen nicht? Die Antwort lautet nein. Die Meinung anderer zu respektieren ermöglicht es uns, uns zu bereichern. Wenn wir immer nur auf unsere eigene Realität als einzige Wahrheit bestehen, ist genau das Gegenteil der Fall. Die Parabel der blinden Männer und des Elefanten bringt dies auf bildhafte Weise zum Ausdruck.

“Die Idee der Wahrheit ist eine mentale Interpretation der Realität, die unsere Sinne vermitteln. […] Wir müssen uns jedoch in Erinnerung rufen, dass die mentale Auslegung von Überzeugungen, Werten und schließlich auch vom Bewusstsein abhängt und uns täuschen kann […], indem sie eine Wahrheit aufbaut, die nur für uns selbst gilt.”