Chronischer Stress und allmählicher Gedächtnisverlust

27 Mai, 2020
Wenn wir über Wochen oder Monate hinweg chronischen Stress erleben, kann dies unser Gehirn verändern. Zu den Nebenwirkungen zählen Gedächtnisverlust, Aufmerksamkeitsdefizite, mangelnde Konzentration und eine schlechte Entscheidungsfindung.

Chronischer Stress kann dein Leben beeinflussen, ohne dass du dies überhaupt merkst. Unter chronischem Stress zu stehen, ist vergleichbar mit dem Leben in einem Hochgeschwindigkeitszug. Auf den ersten Blick wird zunächst alles normal erscheinen und du wirst dankbar sein, dass alles so schnell geht. Nach und nach merkst du jedoch, dass du die Aussicht kaum noch genießt und dass dein Körper und dein Geist anfangen, sich der Fahrt zu widersetzen.

Thich Nhat Hanh, der bekannte buddhistische Mönch und Autor vieler Bücher, darunter Being Peace, erklärt, dass unsere Gefühle und Emotionen wie Wolken sind, die mit dem Wind kommen und gehen. Das stimmt und deshalb ist es schwierig, unser Gleichgewicht zu finden, unseren inneren Frieden in den Griff zu bekommen und unserem Geist zu erlauben, so zu arbeiten, wie er sollte.

Es ist nicht einfach, mit den psychologischen Auswirkungen umzugehen, die Stress und Angst auf unseren Geist haben. Das Problem ist jedoch, dass chronischer Stress das Ganze nur noch schlimmer macht. Wenn wir uns über längere Zeit in einem Zustand von chronischem Stress befinden, wird uns dies nur schaden und wir werden beginnen, die versteckten Auswirkungen dieser Situation zu erkennen.

Du solltest dir darüber im Klaren sein, dass das Leben in einer stressigen Umgebung oder in stressigen Situationen deinen Körper belasten kann. Stress kann zu Muskelschmerzen, Verdauungsproblemen, Schlafentzug und vielen anderen Symptomen führen, die deine Lebensqualität beeinträchtigen können. Es gibt jedoch noch eine weitere Sache, die wir erwähnen sollten: Durch Stress kannst du auch einen Gedächtnisverlust erleben.

„Manch ruhiger Fluss beginnt als turbulenter Wasserfall, aber keiner rast und schäumt bis zum Meer.“

-Mikhail Lermontov-

Chronischer Stress hat negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit

Chronischer Stress und allmählicher Gedächtnisverlust

Wenn du gestresst bist, spürst du, wie sich die Welt um dich herum zu schnell dreht. Tatsächlich ist jedoch das Gegenteil der Fall. Deine kognitiven Fähigkeiten verlangsamen sich. Es fällt dir unter anderem schwer, dich zu konzentrieren, Entscheidungen zu treffen und eine neue Aufgabe zu beginnen. Außerdem spielt dein Verstand beängstigende Spiele mit deinem Kopf und erzeugt Zweifel und Bedrohungen, die nicht real sind.

Es mag überflüssig erscheinen, dies zu erwähnen, aber Stress erzeugt tatsächlich mehr Stress. Selbst wenn du Kopfschmerzen, Schwindel und Schlafstörungen bemerkst, erkennst du nicht, wie schädlich dies für deine emotionale und kognitive Leistung ist. Wenn du dich unwohl, hilflos und unmotiviert fühlst und Dinge vergisst, sind dies Symptome, die du ernst nehmen solltest.

Chronischer Stress und Gedächtnisverlust

Stress, der nur von Zeit zu Zeit auftritt, ist nicht gefährlich. In den meisten Fällen kann Stress dir sogar dabei helfen, bestimmte Ziele zu erreichen, bestimmte Herausforderungen zu meistern und es dir leichter zu machen, von einer Aufgabe zur nächsten überzugehen. Wenn dieser Zustand jedoch über längere Zeit anhält, wirst du anfangen, seine versteckten Auswirkungen zu sehen.

Doktor Jannine Wirkner von der Universität Greifswald führte Studien durch, die etwas Wichtiges zeigen. Akuter Stress in geringen Mengen kann dein Gedächtnis verbessern. Dies ist ideal, wenn bei dir eine Prüfung oder ein Test bevorsteht. Chronischer Stress und die ständige Freisetzung von Cortisol erschweren es dir jedoch, neue Erinnerungen zu schaffen.

Stress kann jeden einzelnen Gedächtnisprozess deines Gehirns stören. Das heißt, dass die Codierung, die Konsolidierung und die Wiederherstellung unterbrochen werden.

Wenn wir gestresst sind, fällt es uns schwer logisch zu denken

Chronischer Stress und seine Auswirkungen auf den Hippocampus und den präfrontalen Kortex

Andererseits lieferte eine Studie von Dr. Kim Jeansok an der University of Florida ebenfalls interessante Ergebnisse. Wenn der Cortisolspiegel zu hoch ist, ändert sich die Morphologie des Hippocampus. Diese Gehirnstruktur, die mit deinem Gedächtnis und deinen Emotionen zusammenhängt, schrumpft infolge von Stresshormonen.

Ebenso hat chronischer Stress einen weiteren Nachteil. Wenn du dich in einem ständigen Alarmzustand befindest, stoppt deine Amygdala die Aktivitäten deines präfrontalen Kortex. Dies kann es schwieriger machen, Logik anzuwenden, über Dinge nachzudenken und Entscheidungen zu treffen.

Die Beziehung zwischen Gedächtnis und Stress

Chronischer Stress kann die Dinge komplexer machen, als du ursprünglich wahrscheinlich gedacht hast. Denke daran, dass er dann chronisch wird, wenn du Wochen oder Monate damit verbringst, dir um irgendetwas Sorgen zu machen und unter großem Druck stehst. Dies führt dazu, dass dein Gedächtnis ausfällt. Allerdings kannst du dich bei einer posttraumatischen Belastungsstörung tiefer an bestimmte Dinge erinnern.

  • Wenn du dramatische Erfahrungen durchmachst, die eine hohe emotionale Belastung mit sich bringen, speichert dein Hippocampus diese schrecklichen Bilder und Gefühle auf unbestimmte Zeit.
  • Solche Erfahrungen können es jedoch auch schwieriger machen, neue Erinnerungen zu schaffen. Dies führt unter anderem zu Argumentationsproblemen, wie fehlerhafter reflektierender und logischer Analyse, mangelnder Fokussierung und schlechter Entscheidungsfindung.
Meditation kann dabei helfen, unser Stresslevel zu reduzieren

Dies zeigt, wie komplex unser Gehirn ist. Du solltest also versuchen, richtig mit Stress umzugehen, damit dieser nicht chronisch wird. Denn dein Gehirn ist wie eine Art Knetmasse. Es  kann negative Effekte verändern und rückgängig machen.

Körperliche Aktivitäten, psychologische Therapie, Meditation, Stressbewältigung und die Konzentration auf einen gesunden Lebensstil können dazu beitragen, dein Wohlbefinden und deine Plastizität im Gehirn zu verbessern. Beginne noch heute damit!

  • Wirkner, J., Ventura-Bort, C., Schwabe, L., Hamm, A. O., & Weymar, M. (2019). Chronic stress and emotion: Differential effects on attentional processing and recognition memory. Psychoneuroendocrinology, 107, 93–97. doi: 10.1016/j.psyneuen.2019.05.008
  • Kim, JJ y Diamond, DM (2002). El hipocampo estresado, la plasticidad sináptica y los recuerdos perdidos. Nature Reviews Neuroscience , 3 (6), 453–462. https://doi.org/10.1038/nrn849