Bücher und das Gehirn

7. März 2016 en Bücher 0 Geteilt

Bücher lesen bedeutet weit mehr, als nur Worte auf einer Seite zu erkennen. Es geht dabei darum, sich ganz und gar in eine andere Welt hineinfallen zu lassen. Dabei vergisst man so ziemlich alles, was einen umgibt. Man begibt sich in eine ganz andere Welt. Man fürchtet sich sogar davor, an das Ende der Geschichte zu kommen und wenn man schließlich dort angelangt ist, fühlt man eine Mischung aus Traurigkeit und Vollständigkeit.

„Geschichten formen unser Leben und in manchen Fällen definieren sie uns sogar.“

Gregory Berns

Warum ist Lesen so wichtig? Welche Auswirkungen hat es auf unser Gehirn?

Bücher und das Gehirn

Wenn wir lesen, regen wir damit unser Gehirn an. Durch Bücher werden unsere Fantasie, unsere Vorstellungskraft und unsere Gefühlswelt aktiviert – und all diese Dinge lösen in uns mentale Prozesse aus, die unser Gehirn trainieren.

Aber das geschieht nur bei guten Büchern und guten schriftstellerischen Erzeugnissen. Die Autoren George Lakoff und Mark Johnson haben in ihrem Buch Leben in Metaphern die Auswirkungen von Metaphern auf das Gehirn von Menschen untersucht. Dabei haben sie herausgefunden, dass Metaphern die Kraft haben, verschiedene Bereiche in unserem Bewusstsein zu aktivieren – je nachdem, welche Bedeutung diese Metaphern haben.

Die Vorstellungskraft eines jeden Menschen ist einzigartig, das ist ein interessanter und wichtiger Fakt. Ein und dasselbe Buch wird von zwei verschiedenen Menschen unterschiedlich visualisiert und fantasievoll gefüllt.

Aber welche Faktoren bestimmen, wie jemand ein Buch und die darin enthaltenen Charaktere wahrnimmt? Die Faktoren sind Persönlichkeit, Charakter, die aktuellen Lebensumstände und die eigenen Erfahrungen. Ich werde einen bestimmten Charakter in einem Buch nicht im selben Licht sehen wie du, einfach weil unser Gehirn auf unterschiedliche Art und Weise funktioniert.

Figuren und Empathie

Wie oft passiert es, dass wir uns in eine bestimmte Figur eines Buches hineinversetzen? Wir stellen sie uns nicht nur bildlich vor und formen eine bestimmte Meinung zu ihr, sondern wir fühlen mit ihr. Auf diese Art empfinden wir dann dasselbe, was sie fühlt.

Dieser Vorgang hilft uns dabei, auch mit unserer realen Umgebung intuitiver und achtsamer umzugehen. Das ermöglicht uns, die emotionalen Signale von anderen Menschen besser deuten zu können. Natürlich sollten wir dabei nicht vergessen, dass diese Figuren fiktional sind, nicht wirklich existieren. Aber in unserer Fantasie werden sie tatsächlich sehr real und wir machen uns ein konkretes Bild von ihnen.

Und aus diesem Grund fühlen wir uns dann auch traurig oder leer, wenn wir ein Buch zu Ende gelesen haben. Wir schließen Freundschaft mit den Charakteren, wir gewöhnen uns an die Orte, die darin beschrieben werden und wir erinnern uns gern an einzelne Ereignisse aus dem Buch zurück, die uns so vertraut geworden sind, als hätten wir sie wirklich erlebt. Wir sind den Charakteren auf ihrem Lebensweg das ganze Buch über gefolgt und haben dabei gefühlt, was sie gefühlt haben.

Veränderung in unserem Verhalten

Das Lesen hilft uns, die Welt und die Sichtweise von anderen besser zu verstehen. Ein Buch mag vielleicht Fiktion sein, aber es beinhaltet viele versteckte Lektionen für jeden von uns, von denen wir eine Menge lernen können.

Bücher erhöhen nicht nur unsere Fähigkeit, empathisch mit anderen umzugehen, sie helfen uns auch, andere besser zu verstehen. Anders gesagt: wir lernen, wie man mit bestimmten Situationen und bestimmten Menschen umgehen sollte, weil wir schon davon gelesen haben.

Mach Bücher zu einem Teil deines Lebens

Wie wir gesehen haben, helfen uns Bücher, die Welt besser zu verstehen und empathisch mit anderen Menschen umzugehen. Sie formen uns auf positive Art und Weise und wir können in unserem Alltag von ihnen profitieren.

Heutzutage gibt es für uns so viele Möglichkeiten zum Lesen. Es gibt gedruckte Bücher und elektronische Bücher und es gibt sie auf allen möglichen Sprachen zu allen mögliche Themen und wir haben die Wahl – je nachdem, was wir suchen und brauchen. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, wie eine Freundin mir einmal sagte, dass ein trauriges Buch ihr geholfen hat, durch eine schwere Zeit in ihrem Leben zu gehen.

Wie ist das möglich? Wahrscheinlich hat sie sich sehr tiefgehend mit dem Inhalt des Buches identifiziert und das hat ihr geholfen, zu erkennen, dass es im Leben immer wieder diese schlimmen Momente gibt, aber dadurch wird ihr Leben nicht gleich schlecht. Über das Unglück einer anderen Person zu lesen half ihr auf positive Weise.

Diese und ähnliche Dinge können jedem von uns passieren. Warum schauen wir uns sonst Filme an, von denen wir wissen, dass sie uns zum Weinen bringen, wenn wir in der entsprechenden Stimmung sind? Weil wir so unserem Schmerz erlauben können, zu fließen, und weil wir uns so von ihm befreien können. Genau so funktioniert das mit Büchern, aber mit einem wichtigen Zusatz: Bücher regen unsere Fantasie und unsere Kreativität an.

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