Bokuden: eine wunderschöne Geschichte

8. August 2019
Diese wunderschöne Geschichte handelt von Bokuden, einem der großartigsten japanischen Schwertkämpfer und Samurai. Lies weiter und lasse dich verzaubern!

Tsukahara Bokuden war ein legendärer japanischer Schwertkämpfer, der im 16. Jahrhundert in Japan lebte. Er praktizierte Kampfkunst und war sehr bekannt für sein großes Talent. Außerdem war er auch berühmt für seine Weisheit.

Die Geschichte, die wir dir heute über Bokuden erzählen wollen, handelt von seinen Söhnen und einer Prüfung, der er sie unterzogen hat.

Bokuden hatte drei Söhne. Eines Tages wollte er herausfinden, wie vorsichtig und aufmerksam seine Kinder waren. Zu diesem Zweck legte er eine schwere Kopfstütze auf eine Tür und ließ die Tür etwas offen stehen. Daraufhin rief er seinen ältesten Sohn, Hikoshiro.

“Nur ein Narr überprüft die Tiefe des Wassers mit beiden Füßen.”

Sein ältester Sohn war bei allen sehr beliebt, da er sehr liebenswert und sanftmütig war. Als ihn sein Vater rief, ging er zur Tür und drückte vorsichtig dagegen. Als er bemerkte, dass die Tür schwerer war als sonst, wusste er, dass irgendetwas anders war.

Daraufhin tastete Hikoshiro vorsichtig die Oberkante der Tür ab. Dabei entdeckte er dann die Kopfstütze und entfernte sie mit Bedacht. Bokuden war sehr zufrieden mit dem Vorgehen und der Reaktion seines Sohnes, was er ihm allerdings nicht zeigte. Später verließ sein Sohn den Raum und ließ die Kopfstütze dort zurück, wo er sie gefunden hatte.

Bokuden - Pagode

Unterschiedliche Reaktionen seiner Söhne

Ein paar Tage später wollte Bokuden seinen zweiten Sohn auf die gleiche Weise testen. Hikogoro war bekannt für seine Beweglichkeit und sein großes Geschick. Er war überhaupt nicht so vorsichtig wie sein älterer Bruder. Allerdings war er sehr selbstbewusst und auch sehr überzeugt von seinen Fähigkeiten.

Der Vater rief seinen Sohn ebenfalls zu sich ins Zimmer. Daraufhin stand Hikogoro rasch auf und lief zur Tür. Ohne noch einmal nachzudenken, drückte er gegen die Tür, um sie zu öffnen. Dadurch fiel die Kopfstütze, die wieder auf der Tür lag, herunter. Allerdings reagierte Hikogoro so schnell, dass er sie auf halber Höhe auffangen konnte. Anschließend legte er die Stütze wieder auf die Oberkante der Tür zurück. All das beobachtete Bokuden nachdenklich.

Nun wollte Bokuden auch seinen jüngsten Sohn, Hikoroku testen. Er war der impulsivste der drei Söhne. Gleichzeitig war er aber auch der glücklichste und es fiel ihm leicht, Liebe zu empfinden und zu zeigen.

Bokuden liebte ihn sehr, aber er machte sich Sorgen, dass er den Test nicht bestehen würde. Und damit sollte er Recht behalten. Bokuden rief ihn zu sich, wie er dies bereits mit seinen zwei anderen Söhnen getan hatte.

Daraufhin rannte Hikoroku zur Tür und öffnete sie voller Schwung. Die Kopfstütze fiel herab und traf ihn an seinem Chonmage (traditioneller japanischer Männerhaarschnitt). Als er bemerkte, dass die Kopfstütze auf seine Haare fiel, zückte er sein Schwert und zerschlug die Stütze in zwei Teile noch bevor sie zu Boden fiel. Dann lachte er und schien sichtlich stolz auf seine schnelle Reaktion zu sein.

Bokuden ermahnte seine Söhne mit einer Geschichte

Es ist überliefert, dass Bokuden sich Sorgen machte über die Reaktion seines jüngsten Sohnes. Er war davon überzeugt, dass ein derart impulsiver Mensch nur Schande und Schmach über sein Haus bringen würde. Nach japanischer Tradition hätte er nun seinen jüngsten Sohn aus dem Haus werfen müssen, da sein Verhalten von mangelndem Bewusstsein und fehlender Weisheit zeugte.

Stattdessen rief Bokuden seine drei Söhne zu sich und erzählte ihnen eine Geschichte, die ihm selber viele Jahre zuvor widerfahren war. Er hatte damals einen Schüler, der sowohl geistig als auch physisch schneller war als jeder andere. Daher war er es auch gewohnt, stets als Sieger aus einem Wettstreit hervorzugehen.

Eines Tages lief dieser Schüler im Dorf eine Straße entlang und begegnete einem sehr unruhigen Pferd. Dieses Pferd war so nervös, dass es sofort austrat, als es die Anwesenheit des Schülers bemerkte. Aber der junge Mann war so flink und wendig, dass er dem Tritt ausweichen konnte. Dabei bewegte er sich so geschmeidig wie eine Katze. Jeder, der diese Szene beobachtete, applaudierte ihm für seine Wendigkeit und schnelle Reaktion.

Bokuden - Samurai

Bokuden zeigt seinen Söhnen die Lehre aus dieser Geschichte

Noch am gleichen Tag erzählte der Schüler Bokuden sehr stolz, was zuvor passiert war. Bokuden hörte aufmerksam zu. Doch als sein Student mit der Erzählung fertig war, teilte er ihm mit, dass er nicht mehr weiter bei Bokuden lernen könne. Er schickte ihn fort und sagte ihm, dass er ihn nie wieder sehen wolle. Alle waren fassungslos über diese Reaktion. Warum würdigte ihr Meister die Schnelligkeit und Geschicklichkeit seines Schülers nicht?

Bokudens drei Söhne hörten der Geschichte sehr aufmerksam zu. Der älteste Sohn sagte nichts und schien darüber nachzudenken, was er eben gehört hatte. Der mittlere Sohn wirkte fasziniert und interessiert, aber der jüngste Sohn war sichtlich verwirrt und irritiert.

Er fragte seinen Vater: „Warum hast du einen so talentierten und begabten Mann fortgeschickt? Hattest du Angst davor, dass er besser werden könnte als du selber?“

Daraufhin soll Bokuden Folgendes geantwortet haben: „Ein Mann, der nicht dazu in der Lage ist, eine drohende Gefahr vorauszusehen, sondern nur darauf reagieren kann, wenn sie geschieht, der verdient es nicht, mein Schüler zu seinWenn er ein weiser Mann wäre, dann wäre er gar nicht so nahe an das Pferd herangegangen.“

Alle drei Söhne schwiegen. Sowohl der mittlere als auch der jüngste Sohn verstanden sehr genau, was der Vater ihnen damit sagen wollte. Er musste es ihnen nicht weiter erklären. Beide Söhne verließen den Raum mit gesenktem Kopf und voller Scham.

  • Cleary, T. (Ed.). (1995). Antología Zen: Cien historias de iluminación (Vol. 17). Edaf.