Blumen in der Wüste: Eine Lektion darin, die Liebe zu erkennen

· 20. Juli 2017

Hat die Liebe schon einmal an deine Tür geklopft und du hattest Zweifel, ob du sie öffnen solltest oder nicht? Vielleicht hast du Zweifel verspürt, ob es wirklich Liebe war oder doch etwas anderes. Es ist nicht immer leicht, die Liebe zu erkennen. Wie kannst du ihrer sicher sein?

In dieser Geschichte* werden wir dir zeigen, dass die Sache mit der Liebe verwirrend sein kann. Aber es gibt Hinweise, die dir offenbaren, dass ein Samen, den du einpflanzt und wässerst, keine Blume wird. Viel Spaß beim Lesen!

Camila lebte in der Wüste und hatte noch nie eine Blume gesehen…

Eines Tages hörte sie von einem Laden, der in einiger Entfernung eröffnet wurde. Dort verkaufte man Blumen, aber auch Obst und Gemüse, doch Camila interessierten letztere nicht: Sie war so sehr von den Blumen begeistert! Endlich würde sie wissen, wie es sich anfühlte, eine Blume zu berühren und an ihr zu riechen! Ihre Verwandtschaft vom Lande meinte, dass es auf der Welt keine vergleichbare Sache gäbe.

Sie blätterte mit Bedacht den Katalog mit den Blumen der Saison durch. Da fiel ihr eine Blume auf, deren dünne, rot-violette Blütenblätter aus einer Art Kokon von grünen Blättern zu entstehen schienen. „Oh, was für eine wunderhübsche Blume und was für ein hässlicher Name!“,  dachte Camila, als sie las, dass man die Pflanze Distel nannte. Als sie im Laden anrief, um ihre Bestellung aufzugeben, schämte sie sich, die Blume beim Namen zu nennen und zu sagen, dass sie „eine Distel wolle“. Also beschrieb sie sie stattdessen.

Schließlich stand der Lieferant auf seinem Kamel vor der Türe und übergab ihr ihre Sendung. Camila wusste dies nicht, aber was der Lieferant ihr brachte, war keine Distel, sondern eine Artischocke. Sie hielt sie sich unter die Nase und konnte keinerlei betörenden Duft wahrnehmen. Die Blütenblätter waren nicht fein gestaltet, sondern erschienen ihr rau und kühl. Dennoch wollte sie das Gewächs ins Wasser stellen. Nur für den Fall, dass es noch Zeit brauchte, bis die violetten Blütenblätter aus dem Kokon sprießen konnten.

Es war eine äußerst traurige Woche für Camila. Denn jeden Tag, wenn sie ihre „Blume“ betrachtete, konnte sie sehen, dass sich an ihr nichts, aber auch gar nichts verändert hatte. Und dann begann die Tragödie: die Artischocke fing an, zu faulen. „Wie können mir meine Familie und meine Freunde nur erzählen, dass es so wunderbar sei, eine Blume zu haben? Mir hat sie nur Sorgen und Kummer gebracht“,  trauerte Camila. Sie vergrub die Überreste der Artischocke in der Wüste.

Nach ein paar Tagen hatte sich Camila wieder erholt und sprach sich Mut zu, es mit einer anderen Blume zu versuchen. „Vielleicht wird mich eine widerstandsfähigere Pflanze glücklich machen,“  dachte sie, ehe sie den Katalog erneut durchblätterte. Camila fand darin eine andere Blume mit violetten Blütenblättern, die – so stand es in der Anzeige – hohen und niederen Temperaturen gleichermaßen gut trotzen konnte. Sie trug den Namen „Zierkohl“. Diesen Namen fand sie jedoch auch sehr hässlich, also beschrieb sie bei Aufgabe der Bestellung abermals die Pflanze.

Etwas später händigte ihr der erschöpfte Lieferant ihre zweite Sendung aus. Er stellte sich wohl die Frage, warum er unbedingt durch die halbe Wüste hatte reiten müssen, wegen eines schlichten Blumenkohls. Denn man hatte ihn beauftragt, Camila einen lila Blumenkohl zu überbringen.

Auch den Blumenkohl stellte Camila wieder ins Wasser, damit er nicht welkte. Und auch er verfaulte und verströmte dabei einen üblen Geruch. „Oh, das ist einfach schrecklich!“,  rief Camilla an jenem Tag aus, als der Gestank durch ihr gesamtes Zelt waberte. Sie vergrub das Gemüse in der Wüste – diesmal ohne Abschiedszeremonie – und rief ihre ältere Schwester an, die als junges Mädchen in einem Garten gearbeitet hatte.

Woran man eine Blume erkennt

„Das waren keine Blumen,“  versicherte ihr ihre Schwester. „Ich weiß nicht, was genau sie waren, aber auf keinen Fall Blumen. Du kannst eine Blume erkennen, weil sie ohne jeden Zweifel schön ist und definitiv gut duftet. So ist das immer. Außer, wenn du dich nicht um die Blume kümmerst – dann geht sie natürlich ein,“  fuhr sie fort. Sie beendete das Gespräch mit den Worten: „Wenn du eine Blume siehst, wirst du sie zweifellos erkennen.“

Die Monate vergingen und Camila widmete sich anderen Dingen, nahm alten Zeitvertreib und alte Freundschaften wieder auf. Als sie die Blumen schon beinahe vergessen hatte, klopfte jemand an ihre Tür. Es war der Lieferant. Er hatte gerade etwas Gemüse an das Zelt nebenan geliefert und er hatte sich überlegt, ihr ein Geschenk zu bringen. Es war ja schon lange her, dass sie eine Bestellung aufgegeben hatte.

Der Mann entnahm der Satteltasche des Kamels eine violette Pflanze in einem kleinen Keramiktopf. Camila war ganz erstaunt: „Das, das… das ist eine Blume!“,  rief sie aus, als sie die Pflanze näher betrachtete und ihren Duft einatmete. „Sie ist wunderschön, so ergreifend, als ob ich eins mit ihr würde, sobald ich ihren Duft einatme!“  Der Lieferant lächelte und als er auf seinem Kamel davonritt, war er sehr zufrieden mit seiner Entscheidung, dass er Camila nicht die Rübe gebracht hatte, die er ihr zuerst hatte überreichen wollen.

Die Botschaft dieser Geschichte ist eindeutig: Liebe lässt sich nicht bestreiten oder anzweifeln, es gibt sie oder es gibt sie nicht. Liebe kommt ohne Vorwarnung und erfüllt dich mit einem Glücksgefühl. Wenn es wie Liebe aussieht, sich in dir aber Zweifel regen, dann ist es keine Liebe.

*Die Geschichte stammt ursprünglich von Mar Pastor.