Blancorexie: die gefährliche Besessenheit von weißen Zähnen

Machst du dir zu viele Gedanken über die Farbe deiner Zähne? In diesem Artikel sprechen wir über Blancorexie oder die Besessenheit von weißen Zähnen und die Folgen, die sie für deine Gesundheit haben kann.
Blancorexie: die gefährliche Besessenheit von weißen Zähnen

Letzte Aktualisierung: 10. November 2021

Der Wunsch, bestimmte Schönheitsstandards zu erfüllen, kann dazu führen, dass manche Menschen ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Das ist der Fall bei Menschen mit Blancorexie, der Besessenheit, weiße Zähne zu haben. Betroffene unterziehen sich oft kosmetischen Behandlungen, um ein strahlend weißes Lächeln vorzeigen zu können, berücksichtigen jedoch nicht, dass sie damit der Zahnsubstanz schaden.

Der Wunsch nach einem gesunden, strahlenden Lächeln muss kein Problem sein, doch es gibt Grenzen. Dieses anfangs harmlos scheinende Verhalten kann zu einer wahren Obsession werden. Erfahre heute mehr über diese Besessenheit und über mögliche präventive Maßnahmen.

Was ist Blancorexie?

Der Begriff Blancorexie ist ein Neologismus, der sich aus “blanco” (weiß) und “orexis” (Verlangen) zusammensetzt. Diese Bezeichnung beschreibt also das zwanghafte Verlangen, weiße Zähne zu haben. Sie lassen deshalb häufig zahnärztliche Bleaching-Behandlungen durchführen oder wenden diese ohne Expertenberatung zu Hause an. 

Diese Behandlungen sind oft sehr aggressiv und schädigen den Zahnschmelz, insbesondere dann, wenn sie ohne zahnärztliche Aufsicht zu Hause durchgeführt werden. Häufige Probleme, die eine Blancorexie verursacht, sind:

  • Gingivitis (Zahnfleischentzündung)
  • Schädigung des Zahnschmelzes
  • Probleme mit der Geschmackswahrnehmung
  • Zahnverlust
  • Überempfindlichkeit der Zähne
Blancorexie: die gefährliche Besessenheit von weißen Zähnen

Ursachen für Blancorexie

Es handelt sich nicht um eine psychische Störung oder Krankheit, die in den Handbüchern der Psychiatrie oder Psychologie beschrieben wird. Deshalb wurde diese Störung bisweilen auch nicht spezifisch untersucht. Sie kann mit einer Körperdysmorphie zusammenhängen, wie dies etwa bei Magersucht oder Vigorexie der Fall ist.

Die Körperdysmorphie ist eine Störung, die die Wahrnehmung des eigenen Körpers beeinträchtigt. Bei Magersüchtigen beispielsweise führt sie dazu, dass sie sich selbst als übergewichtig wahrnehmen, auch wenn ihr Body-Mass-Index in Wirklichkeit niedriger ist als empfohlen.

Laut einer Studie tritt dieser Zustand bei 0,7 bis 2,4 % der Allgemeinbevölkerung auf. Außerdem wird im selben Artikel erwähnt, dass die Zahlen bei denjenigen, die ästhetische Behandlungen in Anspruch nehmen, höher sind (Vashi, 2016).

In einer weiteren Arbeit von Rodriguez et al. (2019) wurde das Vorhandensein von Körperdysmorphie im Bereich der Zahnmedizin untersucht. In ihren Ergebnissen erklären sie, dass Patienten, die aus ästhetischen Gründen, wegen Implantaten und Prothetik zur Beratung kommen, höhere MD-Werte erhalten. Auch bei Frauen ist die Rate höher als bei Männern.

Dies scheint darauf hinzudeuten, dass Körperdysmorphie eine häufige Pathologie unter denjenigen sein könnte, die an Blancorexie leiden. Diese Patienten können eine verzerrte Wahrnehmung ihrer Zähne haben, was zu Unzufriedenheit und geringem Selbstwertgefühl führen kann. Infolgedessen kann es sein, dass sie sich auf riskante Weise Bleaching-Behandlungen unterziehen, um unrealistische Erwartungen zu erfüllen.

Faktoren, die zum Problem beitragen

Körperdysmorphie kann auch durch eine Reihe von äußeren Faktoren verstärkt werden. Einerseits gibt es die vielen Prominenten, die in den Medien mit einem strahlend weißen Lächeln auftreten. Das kann zu einem unrealistischen Ideal führen, wie Zähne aussehen sollten, um als schön zu gelten.

Andererseits gibt es viel Werbung für Produkte zur Zahnaufhellung für zu Hause. Im Rahmen ihrer Marketingstrategien greifen diese Unternehmen auf Methoden zurück, um das Bedürfnis der Verbraucher zu wecken. So kann die Werbung zu der Vorstellung beitragen, dass aufgehellte Zähne eine Notwendigkeit sind.

Frau mit Blancorexie

Prävention

Es ist nichts Falsches daran, sich ein gesundes, strahlendes Lächeln zu wünschen, die Gefahr besteht nur dann, wenn jemand ins Extrem verfällt. Du solltest verstehen, dass Zähne nicht von Natur aus weiß sind. Eine der zahnbildenden Substanzen ist Dentin, das gelblich ist. Auch genetische Faktoren und Ernährungsgewohnheiten beeinflussen die Zahnfarbe. So können unter anderem Kaffee, Wein sowie andere Lebensmittel die Zähne verfärben.

Andererseits ist es wichtig zu verstehen, dass die Bleichung nur unter fachkundiger Aufsicht durchgeführt werden sollte. Andernfalls kann es zu irreversiblen Schäden kommen. Es wird nicht empfohlen, Behandlungen zu Hause durchzuführen und du solltest auf keinen Fall Mittel verwenden, die nicht für diesen Zweck entwickelt wurden.

Denk auch daran, dass weiße Zähne nicht gleichbedeutend mit einem gesunden Mund sind. Fotos, die wir von Prominenten sehen, werden oft retuschiert, um strahlendes Weiß zu erhalten.

Falls du dir tatsächlich übermäßige Sorgen über deine Zahnfarbe machst, solltest du dich unbedingt beraten lassen.

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  • Rodríguez, C. P., Judge, R. B., Castle, D., & Phillipou, A. (2019). Body dysmorphia in dentistry and prosthodontics: A practice based study. Journal of dentistry, 81, 33-38.
  • Vashi, N. A. (2016). Obsession with perfection: Body dysmorphia. Clinics in dermatology, 34(6), 788-791.